Unterweisung im Dialog

Nur wer mögliche Gefahren kennt und weiß,

wie sie sich vermeiden lassen, kann sich sicher verhalten...

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Unterweisung im Dialog Menschliches Verhalten spielt im Arbeits- und Gesundheitsschutz eine große Rolle. Nur wer mögliche Gefahren kennt und weiß, wie sie sich vermeiden lassen, kann sich sicher verhalten. Dazu braucht es Information. Regelmäßige Unterweisungen gehören deshalb zu den gesetzlichen Pflichten des Arbeitgebers. Er muss die Beschäftigten auf Risiken bei der Arbeit hinweisen und auf sicheres Verhalten hinwirken. Im Idealfall ist eine Unterweisung nicht nur verständlich, sondern regt auch zum Handeln an. Ein Frontalvortrag wird dem oft nicht gerecht. Er lässt die Zuhörenden passiv. Im Projekt ›Arbeitsschutz in der Pflege‹ wurde deshalb eine andere Form der Unterweisung entwickelt, die unmittelbar am Berufsalltag ansetzt und die Beteiligten aktiviert: die ›Unterweisung im Dialog‹. Die Mitarbeiter bringen ihr Vorwissen und ihre Erfahrungen ein, und gemeinsam werden Lücken ergänzt und praktikable Vorgangsweisen entwickelt. Aus einer Pflichtveranstaltung wird so ein produktives Miteinander. Diese Handlungshilfe richtet sich an alle, die Unterweisungen durchführen, zum Beispiel Führungskräfte, Sicherheitsfachkräfte und Betriebsärzte oder Qualitätsmanagementbeauftragte. Anlässe für Unterweisungen gibt es viele: die Einarbeitung neuer Mitarbeiter, die Änderung von Arbeitsverfahren, neue Geräte, die offensichtliche Missachtung von Sicherheitsregeln in der täglichen Arbeit oder Unklarheiten und Fragen, die z.B. in Besprechungen auftauchen. Zu den folgenden Themen sind jährliche Unterweisungen verpflichtend vorgeschrieben: - Gefahrstoffe - Infektionsschutz. Zur Rechtssicherheit muss hier die Durchführung von den Beschäftigten schriftlich bestätigt werden. Neben diesen Pflichtthemen gibt es viele weitere, die erfahrungsgemäß im Alltag Fragen aufwerfen: - Arbeitsplatz im Büro oder in der Kundenwohnung - Arbeitswege - Erste Hilfe / Notfallmaßnahmen - Bewegen von Patienten und Lasten - Medizinprodukte - Organisatorische Aufgaben des Arbeitgebers Handlungshilfe ›Unterweisung im Dialog‹ Arbeitsschutz in der ambulanten Pflege Für weitere Informationen und für praktische Anregungen zu diesen Themen beachten Sie bitte auch den INQA-Bericht Nr. 23 ›Arbeitsschutz braucht Aufschwung - Merkblätter zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in der ambulanten Pflege‹. Die ›Unterweisung im Dialog‹ wird bei all diesen Themen auch genutzt, um die Gefährdungsbeurteilung angepasst auf die spezifischen Gegebenheiten des Betriebes und die Wünsche der Mitarbeiter zu vertiefen. Es ist bekannt, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz bei kleinen und mittleren Betrieben häufig nicht ankommt. Das Amt für Arbeitsschutz Hamburg und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege haben zwischen 2003 und 2006 ein Kooperationsprojekt in Hamburg durchgeführt mit dem Ziel, Instrumente, Konzepte und Praxishilfen zur Umsetzung eines modernen Arbeits- und Gesundheitsschutzes für Kleinbetriebe zu entwickeln. Das Projekt wurde von der Beratungsfirma relations GmbH beraten und im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) über Mittel des BMWA gefördert. Der Projektbericht wurde als INQA-Bericht Nr. 33 ›Arbeitsschutz in der ambulanten Pflege‹ veröffentlicht. Am Beispiel der ambulanten Pflege wurde in diesem Projekt ein praxisnahes und umsetzbares Beratungskonzept entwickelt und erprobt, mit dem es gelang, einen wirkungsvollen und modernen Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Betrieben aufzubauen. Rund um die Gefährdungsbeurteilung wurden verschiedene Praxishilfen entwickelt, mit denen die Pflegeeinrichtungen einen lebendigen Arbeits- und Gesundheitsschutz entwickeln können: - Handlungshilfe ›Moderierte Gefährdungsbeurteilung‹ - Handlungshilfe ›Unterweisung im Dialog‹ - INQA-Bericht Nr. 23 ›Arbeitsschutz braucht Aufschwung - Merkblätter zum Arbeitsund Gesundheitsschutz in der ambulanten Pflege‹ Weitere Informationen, unsere Angebote, Praxishilfen und Materialien finden Sie auch unter www.arbeitsschutzinderpflege.de. Die Umsetzung der ›Unterweisung im Dialog‹ ist unkompliziert - diese Broschüre enthält alle Informationen, die Sie dazu brauchen. Grundsätzlich ist die Moderation für jedes Thema gleich aufgebaut. Auf den folgenden Seiten finden Sie: - Ein Moderationsgrundschema - Einen ausführlichen Ablaufplan Drei wichtige Themen aus der Ambulanten Pflege sind detailliert ausgearbeitet: - Gefahrstoffe - Infektionsgefahr - Arbeitsplatz Kundenwohnung Zu den Schwerpunktthemen gibt es - Leitfragen - hiermit wird das Wissen der Beteiligten erfragt. - Themenspeicher - die Aufzählung der Einzelthemen eines Schwerpunktthemas hilft der Moderation das Thema vollständig - auch durch Input - zu bearbeiten. - Eine Zusammenstellung der zu dem jeweiligen Schwerpunktthema gehörigen ›Sicheren Seiten‹ (siehe auch INQA-Bericht Nr. 23 ›Arbeitsschutz braucht Aufschwung - Merkblätter zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in der ambulanten Pflege‹). - Wie ist der Umgang mit Medikamenten? - Wie tragen Sie Lokaltherapeutika auf? - Müssen Sie häufig Medikamente zerkleinern? Wie machen Sie das? - Setzen Sie besondere Medikamente (z.B. Zytostatika ein)? - Wirkstoffhaltige Lokaltherapeutika mit Handschuhen oder Spatel auftragen. - Beim Zerkleinern von Medikamenten Kontakt oder Staubexposition vermeiden - Zytostatika: Gesonderte Arbeitsanweisung mit Betriebsarzt oder Fachkraft AS erstellen Infektionsschutz Themenspeicher und dazu gehörige ›Sichere Seiten‹ Um welche Infektionsarten geht es? Keimübertragung durch - Aerosole/Spritzer (luftgetragen) - Schmierinfektion - Inokulation (Schnitt-/Stichverletzungen) Was muss angesprochen werden? - Entsorgen von Kanülen - Verhalten in Notfällen, bei Verletzungen (Erste Hilfe) - Persönliche Schutzausrüstung: Handschuhe Arbeitskleidung/Schutzkleidung - Desinfektion - Hautdesinfektion/Hautschutz Hygieneplan/Hautschutzplan - Information über besondere Infektionsrisiken - Arbeitsmedizinische Vorsorge Dazu gehörige ›Sichere Seiten‹ - Arbeitsplatz in der Kundenwohnung - Erste Hilfe / Notfallmaßnahmen - Reinigungs- und Desinfektionsmittel im Haushalt - Hautschutz - Infektionsgefährdung - Mutterschutz - Organisatorische Aufgaben im Arbeits- und Gesundheitsschutz - Verwenden Sie sichere Systeme? - Wo ist festgelegt, wie gebrauchte Kanülen, Lanzetten entsorgt werden? - Wer sorgt für durchstichsichere Abwurfbehälter? - Wie entsorgen Sie gebrauchte Kanülen, Lanzetten? - Einsatz von sicheren Systemen erforderlich - sachgerechte Entsorgung von Kanülen u. a. kontaminierten Abfällen - Geeignete Abwurfbehälter Notfälle Was machen Sie, wenn Sie sich gestochen, geschnitten haben? - Regelungen für Notfälle erforderlich - Dokumentation im Verbandbuch, ggf. Durchgangsarzt PSA (Persönliche Schutzausrüstungen) - Tragen Sie Arbeitskleidung? - Wie reinigen Sie Ihre Arbeitskleidung? - Wann tragen Sie Schutzkleidung? - Wer legt das Tragen von Schutzkleidung fest? - Wie reinigen oder entsorgen Sie Schutzkleidung? - Welche Handschuhe stehen zur Verfügung? - Wo ist festgelegt, wann welche Handschuhe zu tragen sind? - Bei welchen Tätigkeiten tragen Sie Handschuhe? Bei welchen nicht? - Wann waschen/desinfizieren Sie die Hände? - Was tun sie, um Ihre Haut zu schützen? - Gibt es Situationen, wo sie Mundschutz tragen? - Wie wird das Tragen von Mundschutz festgelegt? - Arbeitskleidung 60° Wäsche - Umziehen nach der Arbeit - Integrierter Hygiene/-Hautschutzplan - Schutzkleidung aus Einmalmaterialien - Med. Einmalhandschuhe nur für pflegerische Tätigkeiten - Schutz der Haut durch Wechseln der Tätigkeit - Hautdesinfektion ist schonender als Waschen Besondere Infektionsgefahren (MRSA, Tuberkulose ) - Wie wird kommuniziert, wenn Patienten bestimmte Infektionsgefahren haben? - Gibt es Regelung für besondere Infektionsgefahren? - Werden Maßnahmen bei neu aufgetretenem Husten bei alten Patienten ergriffen? - Sehen Sie Infektionsgefahren durch Tröpfchen oder Spritzer? Wie gehen Sie damit um? - Information und Einbeziehen des Betriebsarztes - RKI-Seiten - Reaktivierung von Tuberkulose (TBC) - durch Grippeschutzimpfungen werden auch Patienten geschützt - Immunschutz gegen die entsprechenden Infektionsrisiken Arbeitsplatz in der Patientenwohnung Themenspeicher und dazu gehörige ›Sichere Seiten‹ Um welche Gefährdungen geht es? - Gefährdungen bei dem Zugang zur Wohnung des Kunden - Gefährdungen in der Wohnung des Kunden Was muss angesprochen werden? Zugang zur Wohnung Stolper-/Rutschgefahren in der Kundenwohnung Umgang mit elektrischen Geräten Umgang mit vorhandenen Haushaltsreinigern u. a. Gefahrstoffen (s. Unterweisung Gefahrstoffe) Besteigen von Leitern und Tritten Tiere in der Wohnung Verwahrlosung von Kunden Notfälle Besteigen von Leitern ...