Sonderausgaben und Außergewöhnliche Belastungen

Hier finden Sie einen Überblick über die steuerliche Berücksichtigung

von privaten Ausgaben als Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen...

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Sonderausgaben und Außergewöhnliche Belastungen Viele von Ihnen nutzen bereits die Möglichkeit zur Steuererstattung mit der Abgabe der Einkommensteuererklärung. Neben den Werbungskosten, das sind die Ausgaben im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit, kann auch für andere Aufwendungen, beispielsweise für Beiträge zu Versicherungen oder Krankheitskosten, eine Steuerminderung in Betracht kommen. Diese Broschüre gibt Ihnen einen Überblick über die steuerliche Berücksichtigung von privaten Ausgaben als Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen. Dabei wird auch auf die Einführung einer neuen steuerlich begünstigten eigenständigen Absicherung des Erwerbsminderungsrisikos sowie die Abzugsmöglichkeit für Spenden eingegangen. Was sind Sonderausgaben? Vorsorgeaufwendungen. Altersvorsorgeaufwendungen. Sonstige Vorsorgeaufwendungen (Versicherungsbeiträge). Günstigerprüfung. Riesterförderung. Riester-Rente. Wohn-Riester. Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten. Kirchensteuer. Kinderbetreuungskosten. Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung. Schulgeld. Spenden. Sonderausgaben-Pauschbetrag/Vorsorgepauschale. Außergewöhnliche Belastungen. Was sind außergewöhnliche Belastungen? Außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art. Krankheit. Behinderung. Tatsächliche Aufwendungen. Pauschbetrag für behinderte Menschen. Pflegebedürftigkeit. Abziehbare Aufwendungen. Pflege-Pauschbetrag. Hinterbliebenen-Pauschbetrag. Weitere außergewöhnliche Belastungen. Zumutbare Belastung. Außergewöhnliche Belastungen in besonderen Fällen. Unterhaltsaufwendungen. Freibetrag zur Abgeltung des Sonderbedarfs bei Berufsausbildung eines volljährigen Kindes. Berücksichtigung beim Lohnsteuerabzug. Sonderausgaben sind private Ausgaben für bestimmte Kosten der Lebensführung, die vom Staat ausnahmsweise steuerlich begünstigt werden. Das Einkommensteuergesetz enthält eine abschließende Aufzählung der Sonderausgaben (§§ 10 ff. Einkommensteuergesetz). Für Sonderausgaben gilt der Grundsatz, dass es sich bei den Aufwendungen nicht um Betriebsausgaben oder Werbungskosten handeln darf. Sonderausgaben sind in der Einkommensteuererklärung auf Seite 2 des Mantelbogens sowie in den Anlagen ''Vorsorgeaufwand'', ''Kind'' und ''AV'' (''Riester-Rente'') zu erklären. Die amtlichen Vordrucke samt Anleitung zur Einkommensteuererklärung sind beim Finanzamt erhältlich bzw. stehen im Internet unter www.steuern.sachsen.de Informationen und Vordrucke oder unter www.formulare-bfinv.de zum Download zur Verfügung. Abzugsberechtigt ist derjenige, der zur Zahlung verpflichtet ist und die entsprechenden Aufwendungen auch selbst entrichtet. Abzugszeitpunkt ist das Kalenderjahr, in dem die Sonderausgaben geleistet werden. Die Abzugshöhe bestimmt sich grundsätzlich nach den tatsächlichen Zahlungen innerhalb eines Kalenderjahres abzüglich der im gleichen Kalenderjahr erstatteten oder gutgeschriebenen Beträge der gleichen Art (z.B. erstattete Kirchensteuer, rückvergütete Versicherungsbeiträge). Im Folgenden werden einzelne Sonderausgaben, die häufig vorkommen, vorgestellt: Als Vorsorgeaufwendungen können Ausgaben für die Altersvorsorge (z.B. Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung - Nr. 1.2.1) und sonstigen Vorsorgeaufwendungen (z.B. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie wei tere Versicherungsbeiträge - Nr. 1.2.2) grundsätzlich bis zu bestimmten Höchstbeträgen steuermindernd abgezogen werden. Daneben ist eine steuerliche Förderung der Beiträge für eine zusätzliche Altersvorsorge (sogenannte RiesterVerträge) möglich ( - Nr. 1.3). Der Abzug von Vorsorgeaufwendungen ist insbesondere an folgende Voraussetzungen gebunden: 1. Die Vorsorgeaufwendungen dürfen nicht in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen (z.B. steuerfreier Arbeitslohn bei Auslandstätigkeit) stehen. 2. Die Vorsorgeaufwendungen müssen an Versicherungsunternehmen, die ihren Sitz oder ihre Geschäftsleitung in der Europäischen Union oder einem anderen Vertragsstaat des Europäischen Wirtschaftsraumes haben und das Versicherungsgeschäft im Inland betreiben dürfen oder Versicherungsunternehmen, denen die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Inland erteilt ist oder eine berufsständische Versorgungseinrichtung oder einen Sozialversicherungsträger oder einen Anbieter von Altersvorsorgeverträgen (Riester-Verträgen) oder Pensionsfonds, Pensionskassen oder Direktversicherungen gezahlt werden. Zu den Altersvorsorgeaufwendungen zählen Beiträge: zu den gesetzlichen Rentenversicherungen, zur landwirtschaftlichen Alterskasse, zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen, die den gesetzlichen Rentenversicherungen vergleichbare Leistungen erbringen, zu zertifizierten Rentenverträgen (sog. ''Rürup-Rente'' oder Basisrentenverträge), zu einer betrieblichen Altersversorgung, wenn der Versorgungszusage ein zertifizierter Basisrentenvertrag zugrunde liegt und zu einer ausländischen gesetzlichen Rentenversicherung. Neben Beiträgen zu den zertifizierten Basisrentenverträgen-Altersvorsorge (sogenannte ''Rürup-Rente'') können seit 2014 auch Beiträge zu zertifizierten Basisrentenverträgen-Erwerbsminderung steuermindernd berücksichtigt werden. Ein zertifizierter Basisrentenvertrag-Altersvorsorge (sogenannte ''Rürup-Rente'') dient dem Aufbau einer eigenen kapitalgedeckten Altersversorgung und muss insbesondere eine lebenslange monatliche Leibrente vorsehen, deren Auszahlung nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres (bei Vertragsabschlüssen vor dem 1. Januar 2012 nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres) erfolgt. Die Ansprüche aus dem Basisrentenvertrag-Altersvorsorge, können ergänzend mit einer Hinterbliebenenabsicherung kombiniert werden (nur Absicherung des Ehegatten/eingetragenen Lebenspartners und der Kinder, für die der Vertragspartner einen Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag hat). Daneben ist in einem gewissen Umfang die Absicherung für den Fall des Eintritts einer Berufs- oder Erwerbsminderung ergänzend möglich. Beiträge zu einem zertifizierten Basisrentenvertrag-Erwerbsminderung sind ab 2014 steuerlich begünstigt. Sie dienen der Absicherung gegen den Eintritt der verminderten Erwerbsfähigkeit oder der Berufsunfähigkeit. Der Vertrag darf nur die Zahlung einer monatlichen, lebenslangen Rente vorsehen. Bei den zertifizierten Basisrentenverträgen dürfen die erworbenen Rentenanwartschaften weder übertragbar, beleihbar, veräußerbar, vererblich noch kapitalisierbar sein. Auch eine Teilauszahlung des angesparten Vorsorgekapitals ist unzulässig. Die steuerliche Begünstigung von Beiträgen zu einem zertifizierten Basisrentenvertrag ist zudem nur möglich, wenn gegenüber dem Anbieter - in der Regel der Versicherungsgesellschaft - in die Übermittlung der Beitragsdaten an die Finanzverwaltung eingewilligt wurde. Die Altersvorsorgeaufwendungen sind bis zu einem Höchstbetrag steuerlich zu berücksichtigen. Dieser entspricht dem jeweils gültigen Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung - 2015 beträgt er 22.172 Euro (24,8% von 89.400 Euro). Bei Zusammenveranlagung verdoppelt sich der Höchstbetrag. Für 2015 sind von den innerhalb des Höchstbetrags geleisteten Altersvorsorgeaufwendungen 80% als Sonderausgaben abzugsfähig. Dieser Prozentsatz erhöht sich in den nachfolgenden Jahren bis 2025 stufenweise um jährlich 2%. Bei Arbeitnehmern, die während des ganzen oder eines Teils des Kalenderjahres in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungsfrei sind oder nicht der gesetzlichen Rentenversicherung unterliegen und einen Anspruch auf Altersversorgung erwerben, z.B. Beamte, Richter, Gesellschafter-Geschäftsführer mit Pensionszusage sowie bei Abgeordneten, die ganz oder teilweise ohne eigene Beitragsleistung einen Anspruch auf Altersversorgung erwerben, vermindert sich der v. g. Höchstbetrag um einen fiktiven Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung. Dieser wird nach dem jeweils gültigen Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung der Arbeiter und Angestellten und den aus der betreffenden Tätigkeit erzielten steuerpflichtigen Einnahmen ermittelt. 2015 beträgt der maximale Kürzungsbetrag 11.668 Euro (18,7% von 62.400 Euro) ...

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