Steuertipps für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse (BW)

Für Aufwendungen, die für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienst- und Pflegeleistungen

sowie für handwerkliche Leistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen entstehen,

können Privatpersonen eine Steuerermäßigung nach § 35a Einkommensteuergesetz (EStG) in Anspruch nehmen...

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Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und haushaltsnahe Dienst-, Pflege- und Handwerkerleistungen Für Aufwendungen, die für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienst- und Pflegeleistungen sowie für handwerkliche Leistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen entstehen, können Privatpersonen eine Steuerermäßigung nach § 35a Einkommensteuergesetz (EStG) in Anspruch nehmen. Seit 2009 können folgende Beträge von der Steuerschuld abgezogen werden: 20% der Aufwendungen, höchstens 510 Euro jährlich, bei geringfügigen Beschäftigungen - sogenannte Minijobs - in einem Privathaushalt 20% der Aufwendungen, höchstens 4.000 Euro jährlich, bei anderen Beschäftigungsverhältnissen in einem Privathaushalt, wenn Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung gezahlt werden, oder für die Inanspruchnahme von haushaltsnahen Dienst-, Pflege- oder Betreuungsleistungen 20% der Aufwendungen, höchstens 1.200 Euro jährlich, für Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen Die Förderung ist in der Einkommensteuererklärung zu beantragen. Sie kann aber auch bereits im Lohnsteuerabzugsverfahren berücksichtigt werden. Hierzu muss der Arbeitnehmer einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung bei seinem Wohnsitzfinanzamt stellen, damit ein Freibetrag in Höhe der Förderung als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal (ELStAM) berücksichtigt werden kann. Die Steuerermäßigungen stehen jeder Privatperson zu, die bei einem haushaltsnahen geringfügigen Beschäftigungsverhältnis (sogenannte ''Mini-Job'') oder einem haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnis, für das Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung zu bezahlen sind, Arbeitgeber oder bei einer haushaltsnahen Dienst-, Pflege- oder Handwerkerleistung Auftraggeber ist. Auch Bewohner eines Alten- oder Pflegeheims können die Steuerermäßigungen in Anspruch nehmen. Für folgende Leistungen ist das Vorhandensein eines eigenen Haushalts im Heim nicht erforderlich: die Reinigung des Zimmers oder Appartements die Reinigung der Gemeinschaftsflächen das Zubereiten der Mahlzeiten im Heim das Servieren der Mahlzeiten im Heim der Wäscheservice, soweit er im Heim selbst erfolgt. Für andere Leistungen können Bewohner eines Heims die Steuerermäßigungen nur in Anspruch nehmen, wenn sie im Heim einen eigenständigen abgeschlossenen Haushalt führen, das gilt insbesondere für Pflegeleistungen. Ein eigenständiger Haushalt im Heim liegt vor, wenn die Räumlichkeiten des Bewohners von ihrer Ausstattung für eine Haushaltsführung geeignet sind (Bad, Küche, Wohn- und Schlafbereich), individuell genutzt werden können (Abschließbarkeit) und eine eigene Wirtschaftsführung durch den Bewohner gegeben ist. Dann kann für die in diesen Räumlichkeiten erbrachten und individuell abgerechneten Leistungen (auch Handwerkerleistungen) eine Steuerermäßigung beantragt werden. Nicht zum Haushalt des Bewohners eines Heims gehören die sogenannten Gemeinschafts- und Wirtschaftsräume wie zum Beispiel Aufenthaltsräume, Gesellschaftsräume, Restaurants, Speisesäle, hauseigene Wäscherei, Musik- und Konzerträume, Veranstaltungsräume, Pforte, Verwaltungsräume. Neben den im eigenen Haushalt des Bewohners durchgeführten und individuell abgerechneten Leistungen sind auch Hausmeisterarbeiten, Gartenpflege sowie kleinere Reparaturarbeiten, die Dienstleistungen des Haus- und Etagenpersonals sowie die Reinigung der Gemeinschaftsflächen, wie Flure, Treppenhäuser und Gemeinschaftsräume begünstigt. Aufwendungen für die Zubereitung von Mahlzeiten in der hauseigenen Küche eines Alten-oder Pflegeheims und das Servieren der Speisen in dem zur Gemeinschaftsfläche rechnenden Speisesaal sind ebenfalls als haushaltsnahe Dienstleistungen begünstigt. Die Tätigkeit des Haus- und Etagenpersonals ist dabei den haushaltsnahen Dienstleistungen zuzurechnen. Handwerkerleistungen, die ausschließlich auf Gemeinschaftsflächen (außerhalb des eigenständigen Haushalts des Bewohners) entfallen, sind nur begünstigt, wenn sie dem einzelnen Heimbewohner individuell zugerechnet und gesondert in Rechnung gestellt werden, zum Beispiel in der Jahresabrechnung beziehungsweise im Heimvertrag. Kalkulatorische Kosten dürfen dabei jedoch nicht berücksichtigt werden. Bei einer Wohnungseigentümergemeinschaft kann der einzelne Eigentümer die Steuerermäßigungen nach § 35a EStG beanspruchen. Das gilt nicht nur, soweit er selbst Arbeitgeber oder Auftraggeber ist, sondern auch dann, wenn die Eigentümergemeinschaft (gegebenenfalls in Vertretung des Verwalters) Arbeitgeber beziehungsweise Auftraggeber der Leistung ist. In diesen Fällen müssen in der Jahresabrechnung oder in einer gesonderten Bescheinigung des Verwalters die begünstigten Aufwendungen gesondert ausgewiesen und die Anteile der einzelnen Wohnungseigentümer an den begünstigten Aufwendungen individuell errechnet werden. In der Anlage zu diesem Aktuellen Tipp finden Sie ein Muster für eine solche gesonderte Bescheinigung. Auch Mieter können für begünstigte Aufwendungen, die in den von ihnen zu zahlenden Nebenkosten enthalten sind, die Steuerermäßigung nach § 35a EStG beantragen, wenn ihr Anteil an den begünstigten Aufwendungen entweder in der Jahresabrechnung oder in einer besonderen Bescheinigung des Vermieters ausgewiesen ist. Vermieter können für die in der vermieteten Wohnung beziehungsweise dem vermieteten Haus durchgeführten haushaltsnahen Dienst- oder Handwerkerleistungen keine Steuerermäßigung in Anspruch nehmen, da diese Aufwendungen bei ihnen zu den Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung gehören. Begünstigt sind nur Tätigkeiten, die im Haushalt erbracht werden. Hierzu gehören auch die Begleitung von Kindern, kranken, alten oder pflegebedürftigen Personen bei Einkäufen und Arztbesuchen sowie kleine Botengänge, wenn sie zu den Nebenpflichten der Haushaltshilfe, des Pflegenden oder Betreuenden gehören. Zum Haushalt der Privatperson gehören nicht nur die Wohnung oder das Haus selbst, sondern auch die dazugehörigen Zubehörräume und Außenanlagen (zum Beispiel der Garten, der Hof, die Einfahrt oder die Garage). Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Räumlichkeiten als Eigentümer oder Mieter genutzt werden. Der Haushalt muss nicht zwingend im Inland liegen, er kann sich auch in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union beziehungsweise des Europäischen Wirtschaftsraums (das sind derzeit neben den Mitgliedstaaten der EU Island, Norwegen und Liechtenstein) befinden. Zum Haushalt gehören auch eigengenutzte Zweit-, Wochenend- oder Ferienwohnungen sowie eine Wohnung, die an ein steuerlich zu berücksichtigendes Kind unentgeltlich überlassen wird. Bei Vorliegen der weiteren Voraussetzungen kann deshalb auch für Leistungen, die in diesen Wohnungen durchgeführt werden, eine Steuerermäßigung nach § 35a EStG beantragt werden. Da die Steuerermäßigung haushaltsbezogen ist, wird die Steuerermäßigung insgesamt nur einmal pro Jahr bis zu den jeweiligen Höchstbeträgen gewährt, auch wenn mehrere begünstigte Objekte zu einem Haushalt (zum Beispiel neben der Familienwohnung noch eine Ferienwohnung) gehören. Es kann also nicht für jede Wohnung ein eigener Höchstbetrag in Anspruch genommen werden. Leben beispielsweise zwei Alleinstehende im gesamten Kalenderjahr in einem Haushalt, kann jeder seine tatsächlichen Aufwendungen grundsätzlich nur bis zur Höhe des hälftigen Abzugshöchstbetrags geltend machen. Eine andere Aufteilung des Höchstbetrags ist zulässig, wenn beide Steuerpflichtige einvernehmlich eine andere Aufteilung wählen und dies gegenüber dem Finanzamt anzeigen. Das gilt auch für Ehegatten und Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ...

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