Wirtschaftliche Entwicklung der Pensionsfonds in der BRD

Ein Blick auf die wirtschaftliche Situation der Pensionsfondsindustrie...

Der Schwerpunkt des Arbeitspapiers liegt in der Betrachtung

der Finanzberichterstattung der Pensionsfonds,

welche für alle untersuchten Unternehmen einheitlich nach dem Bilanzrecht erfolgt...

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Die wirtschaftliche Entwicklung der Pensionsfonds in Deutschland. Aktuell wird in der breiten Öffentlichkeit viel über das deutsche Rentensystem diskutiert. Anlass dieser Diskussion ist vorwiegend der demografische Wandel, der die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung vor große gesellschaftliche Herausforderungen stellt. Die allgemeine Lohnentwicklung in Deutschland und die prekäre Beschäftigung im Niedriglohnsektor haben ebenfalls einen negativen Einfluss auf die Rentensysteme. Diese Probleme werden durch die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise noch verschäft. Den zukünftigen Rentnern drohen Renten auf sehr niedrigem Niveau und nicht selten die Altersarmut. Um dieses gesellschaftliche Problem anzugehen, haben die politischen Akteure vor einigen Jahren beschlossen, die kapitalgedeckte Altersvorsorge zu fördern. Im Ergebnis hat sich die Politik mit dieser Strategie für das Drei-SäulenRentenmodell entschieden. Ziel ist es, mit der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung und der kapitalgedeckten betrieblichen Altersversorgung sowie der privaten Altersvorsorge den Lebensstandard der Beschäftigten zu sichern. Im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung wurden vor etwa einer Dekade in Deutschland die Pensionsfonds als Durchführungsweg zugelassen. Bis zu diesem Zeitpunkt existierten bereits vier Durchführungswege: die Direktzusage, die Direktversicherung, die Pensionskasse sowie die Unterstützungskasse. Mit der Zulassung von Pensionsfonds wollte der Gesetzgeber eine Alternative zu den eher streng regulierten Durchführungswegen schaffen. Insbesondere die Vermögensanlage der Trägerunternehmen sollte mit weniger Auflagen versehen werden als beispielsweise im Falle von Pensionskassen oder Direktversicherungen. Die Erwartungen im Hinblick auf eine renditestarke Entwicklung der Pensionsfonds waren dementsprechend hoch. Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, in denen Pensionsfonds traditionell eine dominante Rolle spielen, haben sie sich in Deutschland nach einer Dekade wirtschaftlich jedoch noch nicht so entwickelt, wie von vielen Akteuren damals erhofft. Sie spielen verglichen am Deckungsvermögen der fünf Durchführungswege in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Dies war Grund genug, sich in dieser Studie mit den deutschen Pensionsfonds zu beschäftigen. In der deutschsprachigen Literatur existieren bisher wenige betriebswirtschaftliche Studien, die sich mit dem Untersuchungsgegenstand Pensionsfonds auseinander gesetzt haben. Insbesondere im Hinblick auf Kriterien wie Performance, Risiko und Transparenz existieren kaum fundierte Erkenntnisse. Anlass dieses Arbeitspapiers war es daher, eine Untersuchung durchzuführen und Erkenntnisse anhand ebendieser Kriterien zu liefern. Die publizierten Jahresabschlüsse der 30 in Deutschland von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassenen Pensionsfonds bilden die Grundlage der hier vorliegenden Studie. Untersucht wurden die Abschlüsse im Zeitraum von 2006 bis 2010. Es zeigen sich interessante Ergebnisse über die ökonomischen Entwicklungen der deutschen Pensionsfonds. Zunächst muss als Nebenbedingung einer Analyse stets berücksichtigt werden, dass die Branche von drei Schwergewichten dominiert wird, die für etwa zwei Drittel des Volumens stehen. Darüber hinaus legen die Untersuchungsergebnisse nahe, dass die Pensionsfonds entgegen ihrer geringen Regulierung auf dem Gebiet ihrer Kapitalanlagen nicht deutlich höhere Aktienquoten haben dürften als in den anderen Durchführungswegen. Sie halten keinen nennenswerten direkten Aktienbestand, und die indirekt in Investmentportfolios gebundenen Aktienwerte verhalten sich von ihrer Volatilität über die Jahre hinweg eher unauffällig. Darüber hinaus musste festgestellt werden, dass über den Erhebungszeitraum die Renditeentwicklung unzufriedenstellend verlaufen ist. Ferner konnte gezeigt werden, dass sich die Pensionsfonds - über den untersuchten Zeitraum betrachtet - tendenziell der biometrischen Risiken und der Kapitalanlagerisiken entledigt haben. Die Kapitalanlagerisiken liegen nun überwiegend bei den Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Im Verlauf der Studie hat sich aber auch herauskristallisiert, dass die Informationen der publizierten Jahresabschlüsse nicht hinreichend sind, um sich abschließend ein konsistentes Bild der wirtschaftlichen Situation zu verschaffen. Vielmehr wären hierzu ergänzende pensionsfondsinterne Daten erforderlich, die aber nicht öffentlich zugänglich sind. So können einige in der Versicherungsbranche übliche Kennzahlen nicht auf Grundlage dieser Datenlage ermittelt werden. Aus den Jahresabschlüssen wird nicht detailliert ersichtlich, welches Anlageportfolio die einzelnen Pensionsfonds im Depot haben, so auch nicht, welches Chancen- und Risikopotential damit verbunden ist. Weder Analysten noch Arbeitnehmer können sich einen sicheren Einblick über die Leistungsfähigkeit ihres Pensionsfonds verschaffen. Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass die Pensionsfonds unterschiedliche strategische Zielsetzungen verfolgen, die in großem Maße von den zugrunde liegenden Versorgungsplänen der Trägerunternehmen und vom Pensionsfondstyp abhängen. Seit im Jahre 2002 die ersten 18 Pensionsfonds ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen haben, ist nun rund ein Jahrzehnt verstrichen. Dies ist Anlass, einen Blick auf die wirtschaftliche Situation der Pensionsfondsindustrie zu werfen. Zunächst werden die fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung skizziert und in ihren wesentlichen Merkmalen voneinander abgegrenzt. Es schließt sich eine vertiefte Betrachtung des Pensionsfonds als jüngstem Durchführungsweg an, bei der gleichzeitig Überlegungen für eine sachgerechte und zweckmäßige Segmentierung der Pensionsfondsindustrie angestellt werden. Der Schwerpunkt des Arbeitspapiers liegt in der Betrachtung der Finanzberichterstattung der Pensionsfonds, welche für alle untersuchten Unternehmen einheitlich nach deutschem Bilanzrecht erfolgt. In einem empirischen Teil wird die wirtschaftliche Situation der Pensionsfondsindustrie beleuchtet. Dazu werden jeweils drei Kennzahlen zu den Bereichen ‚Analyse der Leistung (Rentabilität)‘ und ‚Analyse des Risikos‘ untersucht. Die Ergebnisse werden für einzelne Segmente von Pensionsfonds zusammengefasst. Abgerundet wird der empirische Teil durch qualitative Beobachtungen zur Transparenz der Finanzberichterstattung. Pensionsfonds als fünfter Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung. Überblick über die fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung. Die Direktzusage als unmittelbarer Durchführungsweg. Die Direktversicherung. Die Pensionskasse. Der Pensionsfonds. Die Unterstützungskasse. Pensionsfonds. Klassifizierungsmöglichkeiten von Pensionsfonds und Pensionsplänen. Klassifizierung in Abhängigkeit von der Zusageart der Pensionspläne. Klassifizierung in Abhängigkeit von der Versicherungsförmigkeit des Pensionsplanes. Grundlagen der Bilanzierung von Pensionsfonds nach HGB. Die Entwicklung der Deckungsmittel der betrieblichen Altersversorgung im Zeitraum von 1996 bis 2009. Mit dem Pensionsfonds sollte im Jahr 2002 ein modernes und flexibles Instrument der betrieblichen Altersversorgung den bisherigen vier Durchführungswegen hinzu gestellt werden. Flexibel vor allem im Hinblick auf das vorgesehene breite Anlagespektrum der erzielten Beiträge in den verschiedenen Risikoklassen. Insbesondere sollten bestehende Anwartschaften aus den Durchführungswegen Direktzusage und Unterstützungskasse übertragen und die Unternehmensbilanzen von Pensionsverpflichtungen entlastet werden können. Eine weitere Zielsetzung war die Stärkung des Finanzplatzes Deutschland, nachdem andere europäische Länder bereits über Märkte für Pensionsfonds verfügten. Die betriebliche Altersversorgung ist im Privatsektor neben der gesetzlichen Rente und der privaten Vorsorge eine der sogenannten drei Säulen der Altersvorsorge. Betriebliche Altersversorgung liegt vor, wenn einem ''Arbeitnehmer Leistungen der Alters-, Invaliditäts- oder Hinterbliebenenversorgung aus Anlass seines Arbeitsverhältnisses vom Arbeitgeber zugesagt'' werden. Die Beiträge zum Aufbau der betrieblichen Altersversorgung können arbeitgeber- oder arbeitnehmerfinanziert sein. Bei der grundsätzlich arbeitnehmerfinanzierten Entgeltumwandlung kann es dabei zu finanziellen Beiträgen des Arbeitgebers kommen. Aus der nachstehenden Abbildung geht hervor, dass für eine Leistungszusage an den Arbeitnehmer fünf verschiedene Durchführungswege beschritten werden können. Dabei wird zwischen dem unmittelbaren Durchführungsweg in Form der Direktzusage und vier mittelbaren Durchführungswegen, der Direktversicherung, der Pensionskasse, dem Pensionsfonds und der Unterstützungskasse, unterschieden. Bei den mittelbaren Durchführungswegen ist zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mindestens ein externer Versorgungsträger geschaltet. Ein solcher rechtlich selbständiger Versorgungsträger wird seit etwa zwei Jahrzehnten auch mehr und mehr in den unmittelbaren Durchführungsweg der Direktzusage geschaltet: Die Gründung von CTA Contractual Trust Arrangements ist für die Unternehmen ein Weg, ihre Pensionsrückstellung ganz oder teilweise nicht mehr in der Bilanz auszuweisen und dadurch gewisse Bilanzkennzahlen zu verbessern. Im öffentlichen Sektor ist die Zusatzversorgung das Pendant zur betrieblichen Altersversorgung, die Beamtenversorgung das Pendant zur gesetzlichen Rente. Seit dem 01.01.2002 haben Arbeitnehmer ein in § 1a BetrAVG kodifiziertes Recht auf Entgeltumwandlung. Die Ausgliederung von Vermögenswerten (Planvermögen) zur Erfüllung von gleichzeitig ausgegliederten Pensionsverpflichtungen auf ein sogenanntes CTA hat in großen, börsennotierten Unternehmen starke Verbreitung gefunden, siehe bspw. Seeger (2007), S. 697. Das CTA fungiert dabei grundsätzlich als Verwaltungstreuhänder, der die Vermögenswerte nach den Vorgaben des ausgliedernden Unternehmens anlegt und verwaltet. Gleichzeitig als Sicherungstreuhänder, der im Falle der Insolvenz des ausgliedernden Unternehmens die Vermögenswerte ausschließlich zur Erfüllung der Ansprüche der berechtigten Anwärter und Rentner einsetzt. Die ausgegliederten Vermögenswerte verbleiben in der Handelsbilanz des ausgliedernden Unternehmens, da dieses nach wie vor wirtschaftlicher Eigentümer ist. Dennoch kann mit einer CTA-Konstruktion - ohne dass ein Wechsel des Durchführungsweges erforderlich wird - die Bilanz eines Unternehmens verkürzt werden: und zwar durch Saldierung des Planvermögens auf der Aktivseite mit den Pensionsverpflichtungen auf der Passivseite ...

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