Rechnungslegung zur betrieblichen Altersversorgung

Studie, die zeigt, welche Infos die handelsrechtliche Rechnungslegung

zur Verfügung stellt und was Arbeitnehmer

aus einer Analyse dieser Angaben über die bAV erfahren können...

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Die Rechnungslegung zur betrieblichen Altersversorgung Eine empirische Analyse der Jahresabschlüsse der DAX 30-Unternehmen nach dem Übergang auf das BilMoG Als Gläubiger von Versorgungsleistungen haben Arbeitnehmer ein berechtigtes Interesse an Informationen zur bAV. Diese Studie zeigt, welche Informationen die handelsrechtliche Rechnungslegung hierzu zur Verfügung stellt und was Arbeitnehmer aus einer Analyse dieser Angaben über die bAV im Einzelfall konkret erfahren können. Die Studie stellt die Vorschriften zur Bilanzierung von Altersversorgungsverpflichtungen und ihre Anwendung in den Jahresabschlüssen der DAX 30-Unternehmen systematisch dar. Die einschlägigen Bilanzierungsstandards haben sich durch die Umstellung auf das BilMoG erheblich geändert. Sie begrenzen bisherige bilanzpolitische Freiheitsgrade, führen aber auch neue Wahlrechte, insbesondere im Zusammenhang mit den Umstellungseffekten, und Ermessensspielräume ein. Die Auswirkungen auf die Bilanzierungspraxis, insbesondere die Ausnutzung der eingeräumten Wahlrechte, werden anhand von Beispielen ausführlich beschrieben. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten und Grenzen der Analyse von JahresabschlussInformationen zur bAV. Sie werden in der Studie herausgestellt und schließlich in einer Checkliste zusammengefasst. Abzinsung der Pensionsrückstellungen. Bewertung von Deckungsvermögen. Wertpapiergebundene Versorgungszusagen. BilMoG-Übergangsregelungen. Bilanzierung bei Zuführungsbedarf. Bilanzierung bei Auflösungspotenzial. Besonderheiten des Ansatzes und Ausweises von Deckungsvermögen. Wertpapiergebundene Versorgungszusagen. Übergangsregelungen in der Bilanzierungspraxis. Checkliste zur Analyse der Jahresabschlussangaben über die bAV. Eine gute Altersversorgung von Arbeitnehmern sollte auf drei Säulen basieren: auf der gesetzlichen Rentenversicherung, der privaten Vorsorge und der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Die gesetzliche Rente wird zwar als relativ sicher gehalten, kann aber bei der demografischen Entwicklung in Deutschland mit den zu erwartenden sinkenden Leistungen Altersarmut nicht vermeiden. Das Zutrauen in die private Vorsorge sinkt, die Bundesbürger wenden immer weniger für die private Altersabsicherung auf. Insbesondere ist die kapitalgedeckte Riester-Rente wegen niedriger Renditen und hoher Risiken als Ergänzung zur gesetzlichen Rente nicht geeignet, den Menschen ein sicheres Auskommen im Alter zu garantieren. Vor diesem Hintergrund wird die betriebliche Altersversorgung für Arbeitnehmer immer bedeutender. Eine Studie von Towers Watson ergab Anfang 2012, dass 75% der Arbeitnehmer in Deutschland von ihrem Arbeitgeber eine betriebliche Altersversorgung erwarten.2 Über alle Altersgruppen hinweg wird sie als zweitwichtigste Einkommensquelle im Ruhestand, direkt nach der gesetzlichen Rente, aber noch vor den eigenen Ersparnissen und vor Wohneigentum, eingestuft. Dementsprechend ist das Angebot eines Pensionsplans aus Mitarbeitersicht ein bedeutendes Kriterium bei der Entscheidung für einen (neuen) Arbeitgeber. Dabei ist für mehr als die Hälfte der Befragten Sicherheit bei der betrieblichen Versorgung wichtiger als eine hohe Rendite. Dies wird durch eine Studie der MetallRente gerade für Jugendliche bestätigt. Demnach ist das Anlageprofil der Jugend für die Altersvorsorge insgesamt defensiv und sicherheitsbetont. Das gilt auch für die bAV, wenngleich Jugendliche nach dieser Studie der bAV nur eine relativ geringe Bedeutung für die Altersvorsorge beimessen.3 Informationen über die Ausgestaltung und die Sicherheit der Versorgungszusagen, die in der Regel auch von der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Fortbestand des Arbeitgebers abhängt, sind damit für Arbeitnehmer sehr wichtig. Die bAV ist im Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (BetrAVG) geregelt. Sie liegt vor, wenn einem Arbeitnehmer Leistungen der Alters-, Invaliditäts- oder Hinterbliebenenversorgung aus Anlass seines Arbeitsverhältnisses vom Arbeitgeber zugesagt werden (§ 1 Abs. 1 Satz 1 BetrAVG). Dabei kann die Durchführung unmittelbar über den Arbeitgeber oder mittelbar über einen Versorgungsträger erfolgen (§ 1 Abs. 1 Satz 2 BetrAVG). Eine unmittelbare Verpflichtung ist dann gegeben, wenn sich der Bilanzierende durch die bAV-Zusage verpflichtet, bei Eintritt des Versorgungsfalls die Leistung gegenüber dem Versorgungsberechtigten selbst zu erbringen. Erfolgt dagegen die Erfüllung einer bAV-Verpflichtung nicht durch den Bilanzierenden direkt, sondern unter Zwischenschaltung eines Versorgungsträgers, liegt eine mittelbare Verpflichtung vor. Bei einer mittelbaren Verpflichtung handelt es sich um eine Direktversicherung, wenn der Arbeitgeber für die bAV eine Lebensversicherung auf das Leben des Arbeitnehmers abschließt und der Arbeitnehmer oder seine Hinterbliebenen hinsichtlich der Leistungen des Versicherers ganz oder teilweise bezugsberechtigt sind (§ 1b Abs. 2 BetrAVG). Der Arbeitgeber ist Versicherungsnehmer und zahlt die Beiträge. Das Versicherungsunternehmen zahlt die Leistungen im Versorgungsfall direkt an den Versorgungsberechtigten. eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds, wenn die bAV von einer rechtsfähigen Versorgungseinrichtung durchgeführt wird, die dem Arbeitnehmer oder seinen Hinterbliebenen einen Rechtsanspruch auf ihre Leistungen gewährt (§ 1b Abs. 3 BetrAVG). Sie finanzieren sich über Beiträge des Arbeitgebers und gegebenenfalls der Versorgungsberechtigten. eine Unterstützungskasse, wenn die bAV von einer rechtsfähigen Versorgungseinrichtung durchgeführt wird, die keinen Rechtsanspruch auf ihre Leistungen gewährt (§ 1b Abs. 4 BetrAVG). Sie finanziert sich über Zuwendungen eines oder mehrerer Trägerunternehmen und die Erträge aus der Vermögensanlage. Auch bei einer mittelbaren bAV-Verpflichtung steht der Arbeitgeber für die Erfüllung der von ihm zugesagten Leistungen ein (§ 1 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG). Diese sogenannte Subsidiärhaftung führt dazu, dass der Versorgungsberechtigte einen unmittelbaren Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber hat, wenn das Vermögen der Versorgungseinrichtung zur Erfüllung der Verpflichtungen nicht ausreicht. Die Unterscheidung zwischen unmittelbaren und mittelbaren Zusagen, die Art der Durchführung der bAV sowie die Subsidiärhaftung wirken sich in der Rechnungslegung aus und sind in der Analyse entsprechend zu beachten. Als Gläubiger der Versorgungsleistungen haben Arbeitnehmer ein berechtigtes Interesse an Informationen zur bAV. Diese Studie zeigt, welche Informationen die handelsrechtliche Rechnungslegung hierzu zur Verfügung stellt und was Arbeitnehmer aus einer Analyse dieser Angaben über die bAV im Einzelfall konkret erfahren können. Diese Informationen sind nicht zusammengefasst, sondern in verschiedenen Teilen des Jahresabschlusses zu finden: in der Bilanz sind Rückstellungen für Pensionen zu passivieren, die Gewinn- und Verlustrechnung enthält die Aufwendungen für Altersversorgung des Geschäftsjahres und dem Anhang sind ergänzende Erläuterungen und Aufgliederungen zu entnehmen. Daher ist es nicht einfach, rasch einen Gesamtüberblick über die Jahresabschlussinformationen zur bAV zu erhalten. Außerdem erlauben die Jahresabschlussangaben in der Regel keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Sicherheit und Nachhaltigkeit der Pensionsansprüche, z.B. ist teilweise nicht direkt erkennbar, in welcher Höhe insgesamt bAV-Verpflichtungen bestehen und ob hierfür bilanziell umfassend vorsorgt wurde. Bilanzierungswahlrechte können z.B. dazu genutzt werden, die Verpflichtungen in der Bilanz nicht in voller Höhe auszuweisen. Erst eine detaillierte Analyse und Verknüpfung der Abschlussinformationen ermöglicht es, die Richtung der bilanzpolitischen Maßnahmen zu erkennen und gegebenenfalls Fehlbeträge entsprechend einzuschätzen. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) die einschlägigen Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB) und des Einführungsgesetzes zum Handelsgesetzbuch (EGHGB) erheblich geändert und erweitert hat. So hat es teilweise einheitliche Vorgaben zur Ermittlung der Pensionsverpflichtungen festgelegt, aber auch neue Bilanzierungswahlrechte, vor allem für die Umstellungseffekte, und Gestaltungsspielräume bei den subjektiven Schätzungen einzelner Berechnungsparameter wie Lohn- und Gehaltstrends mit erheblichen Auswirkungen geschaffen. Diese Änderungen sind in dieser Studie herauszustellen und die Regelungen kritisch zu würdigen. Insbesondere die Ausnutzung der Bilanzierungswahlrechte bei der BilMoG-Umstellung lässt Rückschlüsse auf die Richtung der bilanzpolitischen Maßnahmen und das Ausmaß der Vorsorge für die bAV-Verpflichtungen zu. Die Kenntnis dieser Vorschriften sowie der bilanzpolitischen Möglichkeiten und Gestaltungsspielräume ist für eine eingehende Analyse der Jahresabschlussinformationen zur bAV unerlässlich. Deshalb werden in dieser Studie zunächst die allgemeinen Vorschriften über die handelsrechtliche Rechnungslegung zur bAV dargestellt. Sie gelten für alle Verpflichtungen, die in den Jahresabschlüssen der Unternehmen direkt erfasst werden, die bAV-Zusagen gemacht haben. Das sind die unmittelbaren Verpflichtungen. Mittelbare Verpflichtungen, die z.B. über einen Pensionsfonds abgesichert werden, sind dagegen in dem Jahresabschluss der Versorgungseinrichtung zu erfassen und werden dort teilweise nach abweichenden Vorschriften bilanziert. So gelten für Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds6 die speziellen handelsrechtlichen Vorschriften in den §§ 341 ff. HGB. Diese sind z.B. bei Unterdeckung aufgrund der Subsidiärhaftung für die Analyse der bAV durchaus relevant, sollen aber hier aus Vereinfachungsgründen nicht weiter betrachtet werden ...

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