Der Fach- und Arbeitskräftemangel zählt zu den wesentlichen Wachstumsbremsen der deutschen Wirtschaft. Unternehmen haben damit zu kämpfen, dass es immer weniger junge Menschen gibt, die in den Arbeitsmarkt eintreten, und parallel immer mehr ältere Beschäftigte in Rente gehen. Während 2014 ein Drittel der Betriebe Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Fachkräften erwartet hatte, waren es 2024 fast zwei Drittel. Auch wenn die Konjunktur derzeit noch schwächelt und insbesondere Industrieunternehmen angesichts der schwierigen Marktlage Stellen abbauen, wird der Druck auf Unternehmen demografisch bedingt in Zukunft insgesamt zunehmen. Deshalb gehört die Fachkräftesicherung zu den zentralen Aufgaben für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung. Fast die Hälfte der Unternehmen (48%) sieht eine wirksame Strategie darin, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Fachleute für Ökonomie und Arbeitsmarktforschung teilen diese Bewertung. Neben der gezielten Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland, einer verbesserten Aus- und Weiterbildung sowie der Förderung älterer Personen im Arbeitsmarkt liegt eine vielversprechende Lösung darin, gezielt die Erwerbstätigkeit von Müttern zu fördern, die in der Regel gut qualifiziert und berufserfahren sind. Hier hat sich als Folge einer veränderten Familienpolitik seit 2007 einiges getan: Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und der Einführung des Elterngeldes haben Mütter ihre Erwerbstätigkeit bereits erweitert. Dies zeigt sich insbesondere bei den Müttern mit jüngstem Kind zwischen zwei und unter drei Jahren, deren Erwerbstätigenquote zwischen 2008 und 2024 um 20 Prozentpunkte von 46 auf 66 Prozent gestiegen ist. Auch die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit stieg an: von 23,2 auf 26,1 Stunden. Trotz dieser positiven Entwicklung, auch im Hinblick auf die finanzielle Absicherung der Mütter, besteht hier weiterhin viel Potenzial: Insbesondere in Westdeutschland verbleiben viele Mütter langfristig in Teilzeit, auch wenn ihre Kinder älter werden. Ist das jüngste Kind zwischen 15 und unter 18 Jahre alt, ist mehr als die Hälfte (51%) der teilzeitbeschäftigten Mütter in Ostdeutschland (wieder) über 36 Stunden in der Woche erwerbstätig, während es von den teilzeitbeschäftigten Müttern in Westdeutschland nur knapp ein Drittel sind (32%). Eine Ausweitung der Arbeitszeiten von Müttern stellt ein bedeutendes Arbeitskräftepotenzial für den deutschen Arbeitsmarkt dar und kann einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten. Was können Staat und Wirtschaft tun, um dieses Potenzial von Müttern zu mobilisieren? Welche Rahmenbedingungen benötigen Mütter, um ihre Arbeitszeiten ausweiten zu können? Neben einer gut ausgebauten Kinderbetreuung, die für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von zentraler Bedeutung ist, spielt auch die innerfamiliäre Arbeitsteilung eine wichtige Rolle: Welchen Anteil an Kinderbetreuung und Haushalt übernimmt der Vater? Gibt es Unterstützung durch weitere Familienangehörige? So vielfältig die Gründe sind, so vielfältig sind auch die Lösungsansätze. Die vorliegende Expertise im Rahmen des Unternehmensprogramms Erfolgsfaktor Familie konzentriert sich explizit auf die Handlungsmöglichkeiten der Arbeitgeber und widmet sich der Leitfrage, wie betriebliche Rahmenbedingungen dazu beitragen können, dass Mütter ihre Arbeitszeiten ausweiten können. Hierfür wurden im Rahmen einer repräsentativen Erhebung im Frühjahr 2025 über 1.500 teilzeitbeschäftigte Mütter zu ihren Motiven für Teilzeitarbeit sowie zu notwendigen Arbeitsbedingungen gefragt. Die Ergebnisse wurden in konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen überführt. Die Befragung liefert Einblicke in die Bedürfnisse und Herausforderungen, denen Mütter gegenüberstehen, sowie in die Faktoren, die ihre Entscheidung zur Aufstockung der Arbeitszeit beeinflussen