Bildungskosten (Steuervorteile für Eltern, Azubis, Studenten, Arbeitnehmer)

Erst die Schule, dann Berufsausbildung oder Studium und schließlich die Fortbildung im Berufsleben.

Im Laufe des Lebens kostet Bildung viel Geld. Der Staat fördert seine Bürger dabei steuerlich...

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Lebenslang lernen Bildungskosten. Im Laufe des Lebens kostet Bildung viel Geld. Eltern, Studenten, Azubis und Arbeitnehmer können Steuervorteile nutzen. Erst die Schule, dann Berufsausbildung oder Studium und schließlich die Fortbildung im Berufsleben. Die eigene Bildung und die der eigenen Kinder begleitet viele durchs Leben. Der Staat fördert seine Bürger dabei steuerlich. Als Student oder Azubi profitieren Gerade Studenten kommen schnell auf hohe Bildungskosten. Egal ob die Fahrt zur Uni, Nachhilfestunden, Lernmittel wie Laptop und Lehrbuch oder die Miete für die Wohnung am Studienort - alles können Studenten steuerlich absetzen. Da die Steuererklärung für Studenten aber freiwillig ist, nutzen viele diese Möglichkeit nicht. Was sie nicht wissen: Wer neben dem Studium nichts oder gar nichts verdient, könnte auch später - nach dem Abschluss noch von seinen Bildungskosten profitieren. Können Studenten die Studienkosten als Werbungskosten geltend machen, lassen sie sich nämlich für spätere Jahre vortragen und dann verrechnen (siehe Studium, S. 67). Nach aktueller Rechtslage gibt es für viele Studenten noch ein Problem: Handelt es sich bei ihrem Studium um eine Erstausbildung ohne Beschäftigungsverhältnis, erkennt das Finanzamt ihre Studienkosten nur als Sonderausgaben an. Diese lassen sich nicht für die Zeit nach dem Abschluss vortragen. Über die Frage, wann Bildungskosten für Ausbildung oder Studium als Werbungskosten und wann nur als Sonderausgaben gelten, entscheidet aktuell aber das Bundesverfassungsgericht (Az. 2 BvL 23/14 und 24/14). Deswegen ergehen die Steuerbescheide in diesem Punkt vorläufig. Entscheidet das Bundesverfassungsgericht zugunsten der Studenten und Auszubildenden, können sie später noch durch ihre Studienkosten Steuern sparen. Eine Steuererklärung ist also wichtig. Unser Rat Schulgeld. Gehen Ihre Kinder auf eine Privatschule? Setzen Sie 30 Prozent des Schulgelds in Ihrer Steuererklärung als Sonderausgaben ab. Pro Kind sind höchstens 5 000 Euro möglich. Kosten für Verpflegung und Unterbringung müssen Sie herausrechnen. Studenten und Azubis. Geben Sie Aufwendungen für Ausbildung oder Studium in Ihrer Steuererklärung als Werbungskosten an. Handelt es sich um eine Erstausbildung ohne Beschäftigungsverhältnis, erkennt das Finanzamt die Ausgaben zurzeit zwar nur als Sonderausgaben an. Es erteilt den Steuerbescheid aber bis zu einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vorläufig. Fehlt der Vorläufigkeitsvermerk, müssen Sie gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen. Arbeitnehmer. Erst wenn Ihre Bildungskosten und andere berufliche Ausgaben als Arbeitnehmer 1 000 Euro überschreiten, ist eine genaue Auflistung nötig. Denn das Finanzamt zieht Ihnen schon pauschal 1 000 Euro für Werbungskosten ab. Eltern durch Kindergeld begünstigt Eltern bekommen Kindergeld oder Kinderfreibeträge. Unterstützen sie ihr Kind später bei Ausbildung und Studium, können sie auch den Ausbildungsfreibetrag nutzen. Gesondert setzen Eltern nur Schulgeld für Privatschulen ab (siehe Schulbildung, S. 66). Beruflicher Zusammenhang ist nötig Bei einer Fortbildung für Arbeitnehmer ist die Sache meist eindeutig: Liegt ein beruflicher Zusammenhang vor, können Arbeitnehmer Aufwendungen für Weiterbildungen als Werbungskosten angeben. Dabei zählen aber nur die Kosten, die nicht vom Arbeitgeber übernommen werden. Neben Lernmitteln und Lehrgangskosten können Arbeitnehmer in den ersten drei Monaten eines Kurses auch Verpflegungs- und Übernachtungskosten absetzen (siehe Fortbildung, S. 68). Fortbildungskosten zählen bei Arbeitnehmern steuerlich als Werbungskosten. Bildungskosten So stuft das Finanzamt die Kosten ein Zählen Bildungskosten als Werbungskosten, können sie noch Jahre später mit Einkünften verrechnet werden, als Sonderausgaben nur im Jahr der Entstehung. Studenten und Azubis sollten ihre Kosten abweichend von der aktuellen Praxis als Werbungskosten angeben (siehe Unser Rat). Weiterbildung Studium Berufsausbildung Was lässt sich absetzen? Was lässt sich absetzen? Studiengebühren Nachhilfestunden Fahrtkosten zur Bildungsstätte Zweiter Haushalt am Ausbildungsort Lernmittel wie Kopien oder Lernsoftware Zinsen und Gebühren für Bildungsdarlehen Was lässt sich absetzen? Schulgeld für Privatschulen (30 Prozent, maximal 5 000 Euro, keine Kosten für Unterbringung und Verpflegung) Ohne Beschäftigungsverhältnis Reguläres Studium oder schulische Berufsausbildung Sonderausgaben Sind auf 6 000 Euro begrenzt und können nur im Jahr der Entstehung geltend gemacht werden. Ist das Einkommen so gering, dass sowieso keine Steuern fällig werden, verpuffen sie. Erstausbildung Lehrgangs- und Prüfungsgebühren Fahrtkosten zur Bildungsstätte Verpflegungskosten Übernachtungskosten Lernmittel wie Kopien oder Lernsoftware Zinsen und Gebühren für Bildungsdarlehen Werbungskosten Ein Abzug ist unbegrenzt möglich. Werbungskosten lassen sich für spätere Jahre vortragen und können dann nach Abschluss der Ausbildung abgezogen werden. Schulbildung: Nur Schulgeld für Privatschulen absetzbar Kindergeld deckt Bildungskosten Die Antwort auf diese Frage lautet Jein. Kosten für Schulbücher, Klassenfahrten und Pausenverpflegung können Eltern nicht gesondert steuerlich absetzen. Für solche Aufwendungen erhalten sie Kindergeld oder Kinderfreibeträge. Eltern bekommen nur eines: Kindergeld oder Kinderfreibeträge. Das Kindergeld wird quasi als steuerfreie Vorauszahlung auf die Kinderfreibeträge geleistet. Das Finanzamt prüft dann bei der Steuererklärung, ob Kindergeld oder Freibeträge eine höhere Steuerersparnis bringen. Nachhilfe zählt nur in Sonderfällen Auch Nachhilfestunden sind in der Regel nicht gesondert absetzbar. Es gibt jedoch Ausnahmen: Leidet das Kind an einer Lese- und Rechtschreibschwäche, können Nachhilfestunden als Behandlungskosten zählen und als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Eine weitere Ausnahme ist ein beruflicher Umzug. Hat das Kind Probleme, den Lernanschluss zu finden, und braucht deswegen in der ersten Zeit Nachhilfeunterricht, können Eltern die Kosten dafür als Werbungskosten absetzen. Schulgeld für Privatschulen Zusätzlich absetzbar ist Schulgeld, das Eltern etwa an eine Privatschule zahlen. Pro Kind können sie 30 Prozent des gezahlten Schulgelds, aber höchstens 5 000 Euro im Jahr als Sonderausgaben geltend machen. Abzugsfähig ist der Teil, der für die Durchführung des Lehrbetriebs nötig ist. Entfällt ein Teil des Schulgeldes auf Unterbringung und Verpflegung - etwa in einem Internat -, muss dieser abgezogen werden. Abschluss muss anerkannt sein Der Sonderausgabenabzug für das Schulgeld gilt auch, wenn das Kind volljährig ist, aber noch Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge besteht. Schulgeld für Hochschulen oder Fachhochschulen können Eltern nicht als Sonderausgaben angeben. Die Schule muss nämlich zu einem allgemein- oder berufsbildenden Abschluss führen. Dieser muss einem staatli chen Abschluss - etwa Abitur - entsprechen oder vom Schulministerium des Bundeslandes anerkannt sein. Nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs (Az. X R 26/15) reicht es aus, wenn die Schule auf einen solchen Abschluss nur vorbereitet, die Prüfung dann aber in einer anderen Einrichtung erfolgt. Geklagt hatte ein Ehepaar aus Bayern, dessen Tochter eine Privatschule besuchte und dort auf das Abitur lernte. Die Abiturprüfung fand an einem öffentlichen Gymnasium statt. Das Finanzamt erkannte die Schulgeldzahlungen nicht an, da für die Privatschule ein Anerkennungsbescheid des Kultusministeriums fehlte. Die Richter am Bundesfinanzhof gaben dem Ehepaar aber recht. Ein solcher Anerkennungsbescheid sei nicht nötig. Es reiche aus, wenn die Schule auf einen genannten Schulabschluss vorbereite. Eltern müssen nun selbst darlegen, dass diese Bedingung erfüllt ist. Dabei sollten sie mit der Schule zusammenarbeiten. Auch Auslandsschulen zählen Für ausländische Schulen ist Schulgeld abzugsfähig, wenn die Schule im EU- oder EWRRaum liegt und zu einem beschriebenen Abschluss führt. In allen anderen Ländern zählen nur deutsche Auslandsschulen ...

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