Möglichkeiten zur Gestaltung individueller Bildungswege

Mit dieser Broschüre will das BIBB die Übergangsmöglichkeiten zwischen beruflicher und akademischer Bildung

praxisnah und verständlich aufzeigen. Sie ist damit eine Orientierungshilfe

sowohl für im Bildungsbereich Tätige als auch alle anderen am Thema interessierte Personen...

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Durchlässigkeit im Bildungssystem Möglichkeiten zur Gestaltung individueller Bildungswege Die Förderung von Durchlässigkeit im Bildungssystem ist ein bedeutendes bildungspolitisches Thema in Deutschland. Dabei wird unter dem Begriff nicht mehr nur der Übergang von der beruflichen in die akademische Bildung verstanden. Vielmehr steht Durchlässigkeit heute für die Ermöglichung vielfältiger flexibler Bildungswege innerhalb und zwischen Angeboten der beruflichen und akademischen Ausund Weiterbildung. In den letzten Jahren wurden eine Reihe formaler Grundlagen gelegt, um das deutsche Bildungssystem durchlässiger zu machen. Insbesondere der erleichterte Zugang von beruflich Qualifizierten zur Hochschule ist inzwischen flächendeckend verankert, ebenso Möglichkeiten, berufliche Kompetenzen auf ein Studium anrechnen zu lassen. Auch der Weg von der Hochschule in die berufliche Bildung ist stärker in den Fokus gerückt, sodass es vielerorts attraktive Angebote für Studienaussteigende gibt, die den Weg in eine berufliche Bildungskarriere eröffnen. Hochschulen und berufliche Bildungseinrichtungen bieten von der individuellen Beratung bis hin zum Brückenkurs zahlreiche Maßnahmen an, um die Übergänge von der Hochschule in die berufliche Aus- und Weiterbildung zu gestalten. Innerhalb der beruflichen Bildung gibt es vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten, die aufeinander aufbauen und aussichtsreiche Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Zudem erfreuen sich Bildungsgänge zunehmender Beliebtheit, die eine Verbindung oder Kombination von akademischer und beruflicher Bildung herstellen. Die Optionen, die ein durchlässiges Bildungssystem schon heute für flexible Lernwege bietet, sind oft nur Bildungsfachleuten im Detail bekannt. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) möchte mit dieser Broschüre deshalb die Übergangsmöglichkeiten zwischen beruflicher und akademischer Bildung praxisnah und verständlich aufzeigen. Sie ist damit eine Orientierungshilfe sowohl für im Bildungsbereich Tätige als auch alle anderen am Thema interessierte Personen. Anschlussmöglichkeiten innerhalb der Teilbereiche beruflicher Bildung. Bildungsbereichsübergreifende Aus- und Weiterbildungswege. Schaffen von Bildungsgerechtigkeit. Gleichwertige Anerkennung und Anrechnung von Kompetenzen. Grundlagen eines durchlässigen Bildungssystems. Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen und Qualifikationen. Transparenz bezüglich erworbener Kompetenzen. Mobilität von Lernenden. Durchlässigkeit in der Praxis - Bildungsbereichsübergreifende Aus- und Weiterbildungswege. Gestaltung flexibler Bildungswege. Übergänge zwischen beruflicher und akademischer Bildung (reziproke Durchlässigkeit). Übergänge von der beruflichen in die akademische Bildung. Übergänge von der akademischen in die berufliche Bildung. Integration beruflicher und akademischer Bildung. Hybride Bildungsformen. Konvergente Bildungsformen. Das deutsche Bildungssystem bietet vielfältige Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung, die je nach eigenen Interessen und Bedürfnissen genutzt werden können. Kurz gesagt: Das Bildungssystem ist durchlässiger geworden. Allerdings muss im Durchlässigkeitsdiskurs weiterhin zwischen formalen Voraussetzungen und der Realität unterschieden werden. So sind die bestehenden Möglichkeiten des Übergangs zwischen beruflicher und akademischer Bildung häufig nicht bekannt und werden zumeist nur unter Bildungsfachleuten diskutiert. Ziel der Broschüre ist es deshalb, die verschiedenen Übergangswege praxisnah und verständlich aufzuzeigen sowie für die Möglichkeiten, die ein durchlässiges Bildungssystem bietet, zu sensibilisieren. Die Broschüre soll einen umfassenden Überblick zum Thema Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems liefern. Dazu werden zentrale Begriffe, Hintergrundinformationen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie praktische Gestaltungsansätze aufgezeigt und erläutert. Ferner wird beschrieben, welche Optionen sich durch die Schnittstellen innerhalb eines Bildungsbereichs sowie zwischen akademischer und beruflicher Bildung zu Ermöglichung individueller Bildungswege bieten. Grundsätzlich richtet sich die Broschüre an alle in der Aus-, Fort- und Weiterbildung Tätigen, die sich eingehender mit dem Thema Durchlässigkeit im Bildungssystem auseinandersetzen wollen. Durch ihre praxisorientierte Gestaltung eignet sie sich vor allem auch für Personen, die im Bereich der Bildungsberatung arbeiten. Darüber hinaus ist die Broschüre für Personalverantwortliche in Unternehmen interessant, die sich über mögliche Aus- und Weiterbildungswege für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren wollen. Ferner werden bildungspolitische Entscheidungsträger adressiert, die am Stand und an möglichen Perspektiven des Themas Durchlässigkeit interessiert sind. Nicht zuletzt bietet die Broschüre für alle Individuen einen Einblick in die Thematik. Um die Broschüre möglichst nutzerfreundlich zu gestalten, wurden die einzelnen Aspekte möglichst knapp behandelt. Für eine tiefer gehende Beschäftigung mit einzelnen Themen wird an vielen Stellen auf weiterführende Informationsmöglichkeiten verwiesen (Infokästen, Internetquellen, Literaturhinweise, QR-Codes). Darüber hinaus enthält die Broschüre ein Glossar, in dem einschlägige Fachbegriffe erläutert werden. Die Broschüre hat insgesamt fünf Kapitel. Im ersten Kapitel wird kurz dargestellt, weshalb dem Thema Durchlässigkeit im Bildungssystem überhaupt eine solch zentrale Bedeutung zukommt. Im zweiten Kapitel wird versucht, den Begriff ''Durchlässigkeit'' zu schärfen und das hier zugrunde gelegte Verständnis von Durchlässigkeit darzustellen. Im dritten Kapitel werden bestehende Standards, Qualifikationsrahmen und Instrumente beschrieben, die als formale Grundlagen von Durchlässigkeit im Bildungssystem gelten. Das vierte Kapitel zeigt auf, welche Möglichkeiten aktuell bestehen, bildungsbereichsübergreifende Lernwege zu beschreiten. Im fünften Kapitel wird ein Ausblick gewagt, um zu zeigen, welche Fragen sich möglicherweise zukünftig mit Blick auf die Förderung durchlässiger Bildungsstrukturen ergeben. Die Verbesserung der Durchlässigkeit des Bildungssystems ist in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Handlungsfeld der deutschen Bildungs­politik geworden. Ziel ist es, vielfältige Übergangsmöglichkeiten von der beruflichen in die akademische wie auch von der akademischen in die berufliche Bildung zu schaffen. Dies ist für Deutschland als moderne Wissensgesellschaft aus volks- und betriebswirtschaftlicher, bildungspolitischer und nicht zuletzt individueller Sicht von großer Bedeutung (vgl. BIBB 2010, S.?2). Zusammenfassend lassen sich vier zentrale Herausforderungen aufzeigen, die für weitere Anstrengungen hinsichtlich der Entwicklung durchlässiger Bildungsstrukturen sprechen: Eröffnung von Bildungschancen durch individuelle Bildungswege Noch bis vor wenigen Jahren standen berufliche und hochschulische Bildung in Deutschland weitgehend unverbunden nebeneinander. Ein zentrales Anliegen der Gestaltung von Übergangswegen zwischen beruflicher und akademischer Bildung besteht deshalb in der Ermöglichung flexibler, individueller Bildungswege. So soll gewährleistet werden, dass sich zukünftig jede und jeder entsprechend der eigenen Bildungsinteressen und unabhängig des zuvor eingeschlagenen Bildungswegs weiterentwickeln kann. Demografischer Wandel und Fachkräftebedarfe Trotz der verhältnismäßig hohen Zuwanderungszahlen in den letzten Jahren bleibt der demografische Wandel eine zentrale Herausforderung für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. So ist mittelfristig mit einer weiteren Alterung der Gesellschaft und einer Stagnation der Bevölkerungszahlen zu rechnen. Dies macht sich nicht zuletzt beim Fachkräfteangebot bemerkbar. Dabei zeichnen sich perspektivisch vor allem Engpässe bei Fachkräften auf mittlerem Qualifikationsniveau (Facharbeiter) ab (vgl. Maier u.?a. 2016, S.?13 f.). Wenngleich sich die Fachkräftesituation je nach Branche und Region sehr unterschiedlich darstellt, so ist davon auszugehen, dass das Fachkräftepotenzial auf lange Sicht sowohl quantitativ als auch qualitativ ausgeweitet und entwickelt werden muss (vgl. Wissenschaftsrat 2014, S.?8). Die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems spielt dabei eine entscheidende Rolle. So muss es einerseits gelingen, allen Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, eine qualitativ hochwertige Ausbildung abzuschließen und so soziale und berufliche Teilhabe zu ermöglichen (Y Inklusion). Andererseits gilt es, vielfältige Formen und Möglichkeiten der berufsbegleitenden Weiterbildung zu schaffen, um die Kenntnisse und Kompetenzen kontinuierlich an neue Wissensstände anzupassen und so zur Erhöhung des Fachkräfte­potenzials beizutragen (Y Lebenslanges/Lebensbegleitendes Lernen) ...

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