Einkommen von Bachelor- und anderen Hochschulabsolventen

Das durchschnittliche Gehalt von Bachelorabsolventen ist im Alter von 25 Jahren noch mit dem von Absolventen

beruflicher Fortbildungsabschlüsse wie einem Meister- oder Technikerabschluss vergleichbar.

Master- und Diplomabsolventen erzielen zu diesem Zeitpunkt schon ein etwas höheres Einkommen...

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Aktuelle Analysen aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung In aller Kürze Seit Beginn der 2000er Jahre wurden die traditionellen Studienabschlüsse Diplom und Magister durch die gestuften Studienabschlüsse Bachelor und Master abgelöst. Mittlerweile ist die Umstellung weitestgehend abgeschlossen. Einkommen von Bachelor- und anderen Hochschulabsolventen Höhere Abschlüsse zahlen sich mit dem Alter zunehmend aus von Bernhard Christoph, Ute Leber und Heiko Stüber Um die längerfristige Positionie rung von Bachelorabsolventen am Arbeitsmarkt zu untersuchen, betrachten wir die Einkommensentwicklung bei 25- bis 34-jährigen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit unterschiedlichen Abschlüssen. Das Einstiegsgehalt von 25-jährigen Bachelorabsolventen ist vergleichbar mit dem von gleichaltrigen Personen mit einem beruflichem Fortbildungsabschluss, etwa einem Meister oder Techniker. Master- bzw. Diplomabsolventen hingegen erzielen etwas höhere Einkommen. Mit steigendem Alter werden die Einkommensunterschiede zwischen den Qualifikationsgruppen größer. Bachelorabsolventen können sich zunehmend von Arbeitnehmern mit beruflichen Fortbildungsabschlüssen absetzen, müssen aber ihrerseits zunehmende Einkommensnachteile gegenüber Master- bzw. Diplomabsolventen in Kauf nehmen. Die Einkommensdifferenzen zwi schen den Qualifikationsgruppen hängen allerdings nicht nur von der formalen Qualifikation der Beschäftigten ab, sondern auch von ihrem Beruf und den Anforderungen in der jeweils ausgeübten Tätigkeiten. Im Rahmen des Bologna-Prozesses erfolgte seit den 2000er Jahren nach und nach die Ablösung der traditionellen Studienabschlüsse Diplom und Magister durch die gestuften Abschlüsse Bachelor und Master. Dies hat die Frage aufgeworfen, wie sich die Absolventen der neuen Studienabschlüsse am Arbeitsmarkt positionieren können. Unsere Untersuchungen zur längerfristigen Entwicklung der Einkommen von Personen mit unterschiedlichen Abschlüssen zeigen, dass die Gehälter zunächst auf einem vergleichbaren Niveau liegen. Mit dem Alter zahlen sich höhere Abschlüsse jedoch zunehmend aus. Mit der Bologna-Erklärung wurde im Jahr 1999 die Grundlage für die Etablierung eines europäischen Hochschulraums geschaffen. Hierzu verständigten sich die Unterzeichnerstaaten unter anderem darauf, gestufte Studiengänge einzuführen, Studienabschlüsse international vergleichbar zu machen und die Mobilität von Studierenden zu erhöhen. Dies hat die Hochschulbildung in Deutschland nachhaltig verändert. Zum Wintersemester 2015/2016 waren über 90 Prozent aller Studiengänge in Deutschland auf die gestufte Studienstruktur umgestellt. Ursprünglich war vorgesehen, dass der Bachelor, als erster berufsqualifizierender Abschluss, den Regelabschluss eines Hochschulstudiums darstellt. In der Realität zeigt sich jedoch, dass der Großteil der Bachelorabsolventen nach dem Abschluss in ein Masterstudium übergeht, zuletzt traf dies auf knapp zwei Drittel von ihnen zu. Durchschnittliches Brutto-Monatsentgelt nach Art des Bildungsabschlusses in Euro (25- bis 34-jährige Vollzeitbeschäftigte) Master, Diplom o. Ä. Bachelor Beruflicher Fortbildungsabschluss Berufsausbildung Quelle: IAB-Berechnungen auf Basis der Beschäftigtenhistorik (BeH) V10.0, 2012-2014. Dabei unterscheiden sich die Übergangsquoten der Universitätsabsolventen (82%) allerdings deutlich von denen der Fachhochschulabsolventen (44%) (Fabian et al. 2016). Insbesondere an den Universitäten scheinen sich also viele Studierende bessere berufliche Chancen zu versprechen, wenn sie sich für ein weiterführendes Studium entscheiden. Der Masterabschluss entspricht im Hinblick auf Ausbildungsdauer und -niveau im Wesentlichen den traditionellen Hochschulabschlüssen (Diplom und Magister). Der Bachelor hingegen war in der deutschen Bildungslandschaft neu, der Umfang der vermittelten Qualifikationen und die Qualität des Abschlusses ließen sich zunächst nur schwer einschätzen. Diese Unsicherheit zeigt sich auch in frühen Arbeitgeberbefragungen, in denen eine gewisse Skepsis der Unternehmen festzustellen war (Rehburg 2006). Die Bereitschaft der Betriebe, Bachelorabsolventen einzustellen, ist jedoch in den letzten Jahren gestiegen. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen geben jüngeren Untersuchungen zufolge an, dass Personen mit Bachelorabschluss für viele Positionen infrage kommen. Im Gegensatz dazu gibt es in größeren Betrieben laut Angaben der Arbeitgeber häufiger Positionen, die Personen mit Abschlüssen oberhalb des Bachelor vorbehalten bleiben (Konegen-Grenier et al. 2015). Die unterschiedliche Positionierung von Bachelorabsolventen auf der einen und Master- bzw. Diplomabsolventen1 auf der anderen Seite wird auch deutlich, wenn man die Verdienstmöglichkeiten beider Gruppen betrachtet. Aus Absolventenbefragungen ist bekannt, dass die Einstiegsgehälter von Bachelorabsolventen insgesamt geringer ausfallen als die von Beschäftigten mit traditionellen Hochschulabschlüssen (Rehn et al. 2011, Müller/Reimer 2015) und von Masterabsolventen (z.B. Fabian et al. 2016). Während die Einstiegsgehälter von Bachelorabsolventen auf der Basis der genannten Absolventenbefragungen vergleichsweise gut untersucht sind, liegen nur wenige Informationen zur längerfristigen Entwicklung der Einkommen vor. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass auch die neueren Absolventenerhebungen derzeit erst die Situation rund fünf Jahre nach dem Hochschulabschluss abbilden. Zwar zeigt sich zu diesem Zeitpunkt gegenüber den Einstiegsgehältern eine deutliche Einkommensverbesserung (Briedis et al. 2016). Bislang ist jedoch unklar, ob der Bachelorabschluss mittel- bis langfristig vergleichbare Einkommensperspektiven bietet wie ein Masterbzw. ein traditioneller Abschluss. Hypothesen zur Einkommensentwicklung von Bachelorabsolventen Was die längerfristige Entwicklung der Einkommen von Bachelorabsolventen angeht, sind mehrere Alternativen denkbar: Erstens könnte man annehmen, dass Bachelorabschlüsse und Master- bzw. Diplomabschlüsse Zugang zu ähnlichen Karrierepfaden bieten. Eine etwaige schlechtere Einstiegsposition könnten Bachelorabsolventen möglicherweise dadurch ausgleichen, dass sie aufgrund der kürzeren Studiendauer über mehr Berufserfahrung verfügen. Zweitens wäre es aber auch denkbar, dass Bachelor- und Master- bzw. Diplomabschlüsse von vorne herein unterschiedliche Karriere- und damit auch Einkommenschancen bieten. Als Beispiel sei hier der öffentliche Dienst erwähnt, wo der Bachelorabschluss nur Zugang zu den Positionen des gehobenen Dienstes (bzw. den entsprechenden Angestelltentarifgruppen) bietet. Der höhere Dienst ist grundsätzlich Absolventen mit einem Masterabschluss vorbehalten. Hier werden die Absolventen also von vornherein in unterschiedlichen Laufbahngruppen eingesetzt - mit entsprechenden Konsequenzen für die weitere Karriere- und Einkommensentwicklung. Drittens wäre ebenfalls denkbar, dass Bachelorund Masterabsolventen zwar auf vergleichbaren Positionen ins Erwerbsleben einsteigen, dass für die Bachelorabsolventen aber in ihrer beruflichen Laufbahn eine Schwelle existiert, die sie nur schwer überschreiten können. Dies kann dann der Fall sein, wenn - wie oben berichtet - (größere) Unternehmen herausgehobene Stellen in der Regel mit Personen besetzen, die einen Master- bzw. Diplomabschluss haben. Um genauer zu untersuchen, ob bzw. inwieweit diese alternativen Erklärungen zutreffen, haben wir die Daten der IAB-Beschäftigtenhistorik (vgl. Infokasten auf Seite 4) ausgewertet. Diese umfasst alle sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten in der Bundesrepublik, wohingegen Selbstständige ebenso wie Beamte nicht enthalten sind. Wir begrenzen unsere Analysen auf die 25- bis 34-Jährigen der Jahre 2012 bis 2014. Die untere Altersgrenze ergibt sich aus dem durchschnittlichen Abschlussalter der Hochschulabsolventen, die obere Grenze dadurch, dass ältere Geburtsjahrgänge nicht in relevantem Umfang von der Bologna-Reform betroffen waren. Damit können wir zwar keine Entwicklungen über das gesamte Erwerbsleben hinweg betrachten, aber dennoch etwaige Einkommensunterschiede für die ersten Berufsjahre vergleichen. Um die Löhne von Bachelor- und Master- bzw. Diplomabsolventen besser einordnen zu können, ziehen wir zum Vergleich zusätzlich Beschäftigte mit einer beruflichen (Erst-)Ausbildung sowie Beschäftigte mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss, beispielsweise einem Meister- bzw. Technikerabschluss oder einem Abschluss als Fachwirt, heran. Diese können als Vergleichsgruppen dienen, um zu beurteilen, inwieweit sich Beschäftigte mit Bachelorabschlüssen besser am Arbeitsmarkt positionieren können als Beschäftigte ohne Hochschulabschluss. Bachelorabsolventen erzielen geringere Einkommen als andere Hochschulabsolventen Betrachtet man zunächst das durchschnittliche Brutto-Monatsentgelt so zeigt sich, dass 25- bis 34-jährige Beschäftigte mit einem Bachelorabschluss durchschnittlich ein geringeres Einkommen erzielen als Beschäftigte mit einem Master- oder Diplomabschluss. Während die zuletzt genannte Gruppe knapp 3.900 Euro brutto im Monat verdient, liegt das entsprechende Einkommen der Bachelorabsolventen bei etwas über 3.200 Euro (vgl. Abbildung 1 auf Seite 1). Gegenüber Beschäftigten mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss können sich Bachelorabsolventen hinsichtlich ihres Einkommens kaum absetzen: Das durchschnittliche Brutto-Monatsentgelt von Meistern, Technikern oder Fachwirten liegt nur geringfügig unter dem der Bachelorabsolventen. Im Vergleich dazu erhalten Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung (aber ohne Fortbildungsabschluss) mit knapp unter 2.500 Euro im Monat ein deutlich geringeres Bruttoentgelt. Das Einkommen hängt auch vom Anforderungsniveau der Tätigkeiten ab Die Höhe des Einkommens hängt bekanntermaßen nicht nur von der formalen Qualifikation ab, sondern auch vom Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit (vgl. Infokasten auf Seite 6). Dabei gilt in der Regel, dass der Lohn mit dem Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit steigt (Stüber 2016). Auch unsere Analysen bestätigen diesen Zusammenhang. Experten (Personen, die hochkomplexe Tätigkeiten ausüben) erzielen mit knapp 3.900 Euro das höchste durchschnittliche Monatsentgelt (vgl. Tabelle 1). Das Gehalt von Spezialisten (Personen, die komplexe Tätigkeiten ausüben) liegt mit gut 3.200 Euro deutlich darunter. Es folgen schließlich Fachkräfte (Personen, die eine fachlich ausgerichtete Tätigkeit ausüben) mit einem durchschnittlichen Bruttoentgelt von gut 2.500 Euro im Monat. Die Vermutung liegt nahe, dass die Abweichungen zwischen den Einkommen der einzelnen Qualifikationsgruppen auch damit zu tun haben, dass diese unterschiedliche Tätigkeiten ausüben. Insofern ist es interessant zu untersuchen, inwieweit die Tätigkeiten von Bachelorabsolventen im Hinblick auf das Anforderungsniveau denen anderer Hochschulabsolventen entsprechen oder eher denen von Personen mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss. Tabelle 1 zeigt, dass hier deutliche Unterschiede bestehen. Während mehr als die Hälfte der Personen mit einem Master- oder Diplomabschluss (58%) eine Tätigkeit auf dem höchsten Anforderungsniveau (Experten) ausübt, ist der Anteil der auf diesem Anforderungsniveau Arbeitenden bei den Bachelorabsolventen (36%) sowie bei den Meistern bzw. Technikern (11%) deutlich geringer. Anteile der Beschäftigten und durchschnittliches Brutto-Monatsentgelt nach Anforderungsniveau der Tätigkeiten und Bildungsabschluss in (Zeilen-)Prozent1 (25- bis 34-jährige Vollzeitbeschäftigte) Beruflicher Fortbildungsabschluss IAB-Berechnungen auf Basis der Beschäftigtenhistorik (BeH) V10.0, 2012-2014. Die Analysen beruhen auf Daten der Beschäftigtenhistorik (BeH). Diese beinhaltet Meldungen zur Sozialversicherung, die im IAB archiviert und aufbereitet werden. In der BeH sind die Beschäftigungsepisoden aller sozialversicherungspflichtig sowie geringfügig Beschäftigten erfasst. Selbstständige und Beamte sind dagegen nicht im Datensatz enthalten. Eine Beschäftigungsepisode geht maximal über ein Kalenderjahr. Besteht das Beschäftigungsverhältnis länger, wird für jedes Jahr eine separate Beschäftigung­sepisode erfasst. Zu jeder Beschäftigungsepisode einer Person enthält die BeH unter anderem Angaben zur Person (z.B. Alter und formale Bildung), das durchschnittliche Brutto-Tagesentgelt (Brutto-Lohn oder Brutto-Gehalt, inklusive Sonderzahlungen) und Informationen zum Beruf. Für die Analysen nutzen wir Information der BeH für die Jahre 2012 bis 2014. Wir berücksichtigen nur vollzeitbeschäftigte Personen zwischen 25 und 34 Jahren mit einem Schulabschluss und einer Berufsausbildung, beruflichen Fortbildungsabschluss (Meister, Techniker, Fachwirt etc.), Bachelorabschluss oder einem Master- bzw. Diplomabschluss. Da in der Beschäftigtenhistorik traditionelle Abschlüsse wie Diplom oder Magister in einer gemeinsamen Kategorie mit den neuen Masterabschlüssen ausgewiesen werden, können wir lediglich Bachelorabschlüsse mit höheren Abschlüssen allgemein, nicht aber getrennt mit traditionellen Abschlüssen einerseits und Masterabschlüssen andererseits vergleichen. Nicht berücksichtigt werden Personen mit Promotion und Personen ohne Berufsausbildung sowie Beschäftigungsepisoden mit fehlenden Angaben zur formalen Bildung und Episoden, die kürzer als 31 Tage waren. Da die Meldungen der BeH originär für die Sozialversicherung bestimmt sind, wird das Brutto-Entgelt nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherungen erhoben. Entgelte jenseits der Beitragsbemessungsgrenze wurden über ein Imputationsverfahren geschätzt. Alle Entgelte sind Realentgelte mit Basisjahr 2010. Für die berücksichtigten Beschäftigungsepisoden wurden die in der BeH enthaltenen durchschnittlichen Brutto-Tagesentgelte in ein durchschnittliches Monatsentgelt umgerechnet. Gleichzeitig liegen die entsprechenden Werte bei den Bachelorabsolventen, die auf Spezialisten- oder Fachkräfteniveau arbeiten, jeweils etwa 10 Prozentpunkte über denen, die sich bei den anderen Hochschulabsolventen beobachten lassen. Bei den Personen mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss andererseits stellen diese beiden Anforderungsniveaus den Schwerpunkt dar: Hier liegt der Prozentsatz der Beschäftigten, die eine Tätigkeit auf Spezialisten- oder Fachkräfteniveau ausführen, bei jeweils über 40 Prozent - und damit in beiden Fällen deutlich über dem entsprechenden Anteil bei den Bachelorabsolventen. Insgesamt ist festzuhalten, dass sich Bachelorabsolventen - was das Anforderungsniveau der von ihnen ausgeübten Tätigkeiten betrifft - zwischen Absolventen mit einem Master- bzw. Diplomabschluss auf der einen und Absolventen einer beruflichen Fortbildung auf der anderen Seite einordnen. Die Tatsache, dass es unter den Master- bzw. Diplomabsolventen prozentual deutlich mehr Experten gibt, kann dabei möglicherweise einen Teil des Einkommensvorteils dieser Gruppe gegenüber den Bachelorabsolventen erklären. Bei der Interpretation dieser Befunde ist jedoch zu beachten, dass Personen mit einem Meister- oder vergleichbaren Abschluss zum Zeitpunkt des Arbeitsmarkteintritts von Hochschulabsolventen in der Regel bereits über eine nicht unerhebliche Berufserfahrung verfügen. So haben sie zumeist vor dem Erwerb des Fortbildungsabschlusses schon als Geselle, Facharbeiter oder Kaufmann gearbeitet häufig sogar im gleichen Betrieb. Diese zusätzliche Berufserfahrung sollte sich auch im Einkommen der Fortbildungsabsolventen niederschlagen. Allerdings ist zu erwarten, dass dieser Vorteil mit zunehmender Berufserfahrung der Hochschulabsolventen, also mit zunehmendem Alter, zurückgeht. Deswegen betrachten wir im Folgenden das Einkommen der einzelnen Qualifikationsgruppen nicht im Durchschnitt, sondern differenziert für einzelne Altersgruppen. Einkommensunterschiede werden mit zunehmendem Alter größer Bei den 25-Jährigen unterscheiden sich die Gehälter von Bachelorabsolventen nicht von denen der Beschäftigten mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss (vgl. Abbildung 2). Selbst das Einkommen der Absolventen mit einem Master- oder Diplomabschluss liegt in diesem Alter nur geringfügig höher. Diese geringen Einkommensunterschiede lassen sich - wie bereits erwähnt - in jungen Jahren vermutlich dadurch erklären, dass Personen mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss in diesem Alter bereits über einige Jahre Berufserfahrung verfügen, wohingegen Hochschulabsolventen erst in den Arbeitsmarkt eintreten. In der weiteren Entwicklung der Einkommen zeigt sich allerdings, dass die Gehälter der Beschäftigten mit Hochschulabschluss mit zunehmendem Alter stärker steigen als bei Beschäftigten mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss. Zwischen den durchschnittlichen Brutto-Monatsentgelten von 34-jährigen Beschäftigten mit Bachelorabschluss und solchen mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss beträgt die Differenz bereits knapp 350 Euro. Noch deutlicher fällt der Vergleich mit den Personen mit einem Master- bzw. Diplomabschluss aus. Hier steigt die Differenz gegenüber den Beschäftigten mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss von gut 150 Euro im Alter von 25 Jahren auf knapp 850 Euro im Alter von 34 Jahren. Auch der Abstand zwischen den Personen mit einem Master- bzw. Diplomabschluss und den Bachelorabsolventen erhöht sich von anfangs ebenfalls rund 150 Euro auf ca. 500 Euro bei den 34-Jährigen. Insgesamt zeigen unsere Analysen also, dass mit zunehmendem Alter die Einkommensunterschiede zwischen den Qualifikationsgruppen größer werden. Auch wenn die Gehälter in jüngeren Jahren auf einem vergleichbaren Niveau liegen, können ältere Höherqualifizierte Einkommensvorteile realisieren. Dies gilt für Bachelorabsolventen im Vergleich zu Beschäftigten mit einem Fortbildungsabschluss und noch mehr für Beschäftigte mit einem Master- oder Diplomabschluss, die sich gegenüber den anderen Qualifikationsgruppen zunehmend absetzen. Unterschiedliche Entwicklungen je nach Anforderungsniveau Bei der betrachteten Einkommensentwicklung könnte auch eine Rolle spielen, dass die einzelnen Qualifikationsgruppen Tätigkeiten auf unterschiedlichem Anforderungsniveau ausüben. Es ist also denkbar, dass Master- bzw. Diplomabsolventen hauptsächlich deswegen Einkommensvorteile gegenüber Bachelorabsolventen realisieren können, weil anteilig mehr von ihnen komplexere (und damit besser bezahlte) Tätigkeiten ausüben. Um diesen Zusammenhang näher zu untersuchen, differenzieren wir die Einkommensentwicklung zusätzlich nach dem Anforderungsniveau der Tätigkeiten. Abbildung 3 zeigt, dass das Einkommen aller untersuchten Gruppen mit zunehmendem Alter steigt, allerdings in unterschiedlichem Maße. Betrachtet man ausschließlich Fachkräfte, so fällt auf, dass in der Gruppe der 25-Jährigen die Beschäftigten mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss das höchste Einkommen erzielen. Mit zunehmendem Alter werden sie aber von den Bachelor- und insbesondere von den Master- bzw. Diplomabsolventen überholt. Hatten die Fortbildungsabsolventen, die als Fachkraft tätig sind, mit 25 Jahren noch einen Einkommensvorteil von rund 150 Euro gegenüber den Master- bzw. Diplomabsolventen, haben sie im Alter von 34 Jahren gegenüber dieser Gruppe einen Einkommensnachteil in Höhe von rund 500 Euro. Durchschnittliches Brutto-Monatsentgelt nach Anforderungsniveau, Bildungsabschluss und Alter in Euro (25- bis 34-jährige Vollzeitbeschäftigte) In der Gruppe der Spezialisten erzielen Hochschulabsolventen von Anfang an ein höheres Einkommen als Beschäftigte mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss. Zudem weisen Bachelor- und insbesondere Master- bzw. Diplomabsolventen mit zunehmendem Alter stärkere Einkommenszuwächse auf als Arbeitnehmer ohne Hochschulabschluss. Dies führt dazu, dass die Einkommensunterschiede über die Zeit zunehmen. Bei den Beschäftigten, die eine hochkomplexe Expertentätigkeit ausüben, können sich vor allem Diplom- bzw. Masterabsolventen mit ihrem Einkommen relativ deutlich absetzen, wohingegen die Einkommensprofile der beiden anderen Gruppen (Bachelorund Fortbildungsabsolventen) ähnlich verlaufen. Insgesamt legen unsere Ergebnisse nahe, dass die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten der einzelnen Qualifikationsgruppen zu Stellen mit anspruchsvollen Tätigkeitsprofilen eine nicht unerhebliche Rolle bei der Erklärung von Einkommensunterschieden spielen. Einkommen in einzelnen Berufssegmenten Der Beruf ist von zentraler Bedeutung für die Positionierung am Arbeitsmarkt (zur Situation einzelner akademischer Berufsgruppen allgemein vgl. z.B. Die Meldungen der Arbeitgeber an die Sozialversicherung enthalten für jeden (sozialversicherungs­pflichtig) Beschäftigten auch die ausgeübte berufliche Tätigkeit, die nach der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) codiert wurde. Die KldB 2010 erfasst zwei Dimensionen der beruflichen Tätigkeiten (Wiemer et al. 2011): (1) Die Berufsfachlichkeit, die Berufe hinsichtlich der Ähnlichkeit ihrer Tätigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten gruppiert, eine Gliederungsebene sind die 37 sogenannten Berufshauptgruppen. Wir folgen Matthes et al. (2015) und fassen diese zu 14 Berufssegmenten zusammen. (2) Das Anforderungsniveau, das die unterschiedlichen Komplexitätsgrade der zu erledigenden Aufgaben in einem Beruf abbildet. Das Anforderungsniveau unterscheidet vier Kategorien (Bundesagentur für Arbeit 2011, S. 26 ff.): Helfer erledigen wenig komplexe (Routine-)Tätigkeiten, für die in der Regel kein formaler beruflicher Bildungsabschluss benötigt wird, Fachkräfte brauchen für ihre Tätigkeiten fundierte Fachkenntnisse und Fertigkeiten, für die in der Regel eine zwei- bis dreijährige Berufsausbildung nötig ist, Spezialisten benötigen Spezialkenntnisse und -fertigkeiten, für die in der Regel neben der Berufsausbildung noch ein beruflicher Fortbildungsabschluss (Meister, Techniker, Fachwirte etc.) erforderlich ist, Experten führen hoch komplexe Tätigkeiten aus, für die in der Regel der Abschluss eines vierjährigen Hochschulstudiums vorausgesetzt wird. BA 2016). Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass nicht nur die formale Qualifikation und das Anforderungsniveau einer Tätigkeit, sondern eben auch der Beruf, dem eine Person nachgeht, eine hohe Relevanz für ihr Einkommen aufweist (Stüber 2016). Daher betrachten wir abschließend das Einkommen der untersuchten Qualifikationsgruppen in einzelnen Berufssegmenten (vgl. Infokasten unten). Um auch hier Aussagen zur altersspezifischen Einkommensentwicklung treffen zu können, vergleichen wir dabei jeweils das Einkommen der 25- bis 28-Jährigen mit dem der 31- bis 34-Jährigen. Unsere Analysen zeigen, dass in der jüngeren Gruppe Beschäftigte mit beruflichem Fortbildungsabschluss in fünf von insgesamt 13 Berufssegmenten einen Einkommensvorteil gegenüber den Bachelorabsolventen haben. Am deutlichsten ist der Einkommensvorsprung dabei in den Fertigungsberufen, wo 25- bis 28-jährige Personen mit beruflichem Fortbildungsabschluss monatlich knapp 400 Euro mehr verdienen als gleichaltrige Absolventen eines Bachelorstudiums (vgl. Tabelle 2). Auch im Alter von 31 bis 34 Jahren verdienen Personen mit beruflichem Fortbildungsabschluss in diesem Berufssegment noch mehr als Personen mit einem Bachelorabschluss, allerdings beträgt der Unterschied zu diesem Zeitpunkt nur noch gut 100 Euro. Gleichzeitig ist der entsprechende Unterschied in den übrigen Berufssegmenten nahezu (mit einer maximalen Differenzen von knapp 20 Euro) oder komplett verschwunden. Auch hier zeigt sich also, mit steigendem Alter eine zunehmend positive Einkommensentwicklung der Bachelorabsolventen. In den übrigen Berufssegmenten liegt das Einkommen der Bachelorabsolventen bereits in der Gruppe der 25- bis 28-Jährigen über dem der Personen mit beruflichem Fortbildungsabschluss. Nochmals günstiger stellt sich die Situation der Diplom- bzw. Masterabsolventen dar. Sie weisen im Alter von 25 bis 28 Jahren in drei Berufssegmenten Einkommensnachteile gegenüber Personen mit beruflichem Fortbildungsabschluss auf, erzielen ihrerseits aber in allen Berufssegmenten ein höheres Einkommen als die Bachelorabsolventen. Im Alter von 31 bis 34 Jahren liegt das Einkommen der Diplom- bzw. Masterabsolventen dann bis auf eine Ausnahme über dem der beiden anderen Qualifikationsstufen. Besonders groß ist der Einkommensvorteil der Diplom- bzw. Masterabsolventen dabei in den medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen. In den einzelnen Berufssegmenten zeigt sich damit zwar im Detail ein etwas heterogeneres Bild, in den meisten Fällen bestätigen jedoch auch die berufsspezifischen Analysen unseren zuvor dargestellten Befund, wonach sich höhere Abschlüsse mit dem Alter zunehmend auszahlen. Lediglich in einigen wenigen Berufssegmenten verdienen Personen mit beruflichem Fortbildungsabschluss auch im Alter von 31 bis 34 Jahren (noch) mehr als Bachelorabsolventen. Aber auch in diesen Fällen spricht die Trendentwicklung im Altersverlauf dafür, dass sich die Einkommensdifferenzen auf mittlere Sicht eher zugunsten der Bachelorabsolventen entwickeln dürften. Fazit Insbesondere zu Beginn der 2000er Jahre, als die ersten Bachelorabsolventen die Hochschulen verließen, herrschte Unklarheit darüber, wie sich Personen mit diesem in Deutschland neuen Abschluss am Arbeitsmarkt positionieren würden. In Arbeitgeberbefragungen kam zunächst eine gewisse Skepsis zum Ausdruck, die jedoch im Laufe der Zeit zurückging. Aus Absolventenbefragungen war darüber hinaus bekannt, dass die Einstiegsgehälter der Bachelorabsolventen insgesamt niedriger ausfallen als die von Absolventen traditioneller Studiengänge. Über die längerfristige Einkommensentwicklung bei den Bachelorabsolventen hatte man jedoch bislang weniger Informationen. Eine solche längerfristige Perspektive ist jedoch wichtig, da sich die Einkommen der einzelnen Qualifikationsgruppen mit zunehmendem Alter unterschiedlich entwickeln. Bewegen sich die Löhne der 25-jährigen Beschäftigten mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss (Meister, Techniker oder Fachwirte), bei Bachelorabsolventen sowie bei Masterbzw. Diplomabsolventen noch auf einem ähnlichen Niveau, ist mit zunehmendem Alter eine deutliche Spreizung der Löhne zu erkennen. So gelingt es Bachelorabsolventen zunehmend, Einkommensvorteile gegenüber Beschäftigten mit einem Fortbildungsabschluss zu realisieren. Gleichzeitig können sich Absolventen mit Master- bzw. Diplomabschlüssen mit steigendem Alter hinsichtlich ihres Einkommens deutlich von den Bachelorabsolventen absetzen. Damit bestätigen unsere Analysen den bekannten Befund, wonach sich Bildung lohnt - und zwar mit dem Alter tendenziell zunehmend. Weil die von uns verwendete Datenbasis nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte erfasst, gilt dieses Ergebnis nur für diese Personengruppe. Allerdings legen frühere Analysen auf Basis des Mikrozensus - der auch Informationen zu Selbstständigen enthält - nahe, dass auch bei Berücksichtigung von Selbstständigen die Hochschulabsolventen tendenziell höhere Einkommen erzielen als Personen mit einem weiterführenden Berufsabschluss (Piopiunik et al. 2017). Da die Umstellung auf die gestuften Studiengänge erst vor einigen Jahren erfolgte und bis heute nicht ganz abgeschlossen ist, können wir unsere Aussage zudem zunächst nur für die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen treffen. Ob sich die Einkommen dieser Jahrgänge in ihrem weiteren Erwerbsverlauf weiter auseinanderentwickeln oder ob dann vielmehr eine Annäherung zu beobachten sein wird, bleibt abzuwarten. Unsere Ergebnisse sprechen eher dafür, dass sich die Bachelorabsolventen auf dem Arbeitsmarkt mittel- bis langfristig tendenziell unterhalb der Akademiker mit einem Master- oder einem traditionellen eingliedrigen Studienabschluss wie Diplom, Magister oder Staatsexamen positionieren dürften aber - zumindest in den meisten Berufen - eher oberhalb von Beschäftigten mit einem Meister- oder einem vergleichbaren Fortbildungsabschluss. Literatur Briedis, Kolja, Klüver, Saskia, Trommer, Maximilian (2016): Zwischen Etablierung, Stabilisierung und Aufstieg: Berufliche Entwicklung der Hochschulabsolvent(inn)en 2009. Zweite Befragung des Prüfungsjahrgangs 2009 fünf Jahre nach dem Abschluss. Forum Hochschule 4, 2016, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), Hannover. Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.) (2011): Klassifikation der Berufe 2010 - Band 1: Systematischer und alphabetischer Teil mit Erläuterungen. Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg. Fabian, Gregor, Hillmann, Julika, Trennt, Fabian, Briedis, Kolja (2016): Hochschulabschlüsse nach Bologna Werdegänge der Bachelor- und Masterabsolvent(inn)en des Prüfungsjahrgangs 2013. Forum Hochschule 1, 2016, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), Hannover. Konegen-Grenier, Christiane, Placke, Beate, SchröderKralemann, Ann-Katrin (2015): Karrierewege für Bachelorabsolventen: Ergebnisbericht zur Unternehmensbefragung 2014. Ed. Stifterverband, Essen. Matthes, Britta, Meinken, Holger, Neuhauser, Petra (2015): Berufssektoren und Berufssegmente auf Grundlage der KldB 2010. Methodenbericht der Statistik der BA, Nürnberg. Müller, Christina, Reimer Maike (2015): Einkommen von Bachelor- und Diplomabsolventen: Die Rolle von Fach und Arbeitsmarkt. Beiträge zur Hochschulforschung, Heft 2, S. 88-114. Piopiunik, Marc, Kugler, Franziska, Wößmann, L.udger (2017): Einkommenserträge von Bildungsabschlüssen im Lebensverlauf: Aktuelle Berechnungen für Deutschland. Ifo-Schnelldienst, Heft 7, S. 19-30. Rehburg, Meike (2006): Hochschulreform und Arbeitsmarkt. Die aktuelle Debatte zur Hochschulreform und die Akzeptanz von konsekutiven Studienabschlüssen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Gutachten für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Universität Kassel. Rehn, Torsten, Brandt, Gesche, Fabian, Gregor, Briedis, Kolja (2011): Hochschulabschlüsse im Umbruch. Studium und Übergang von Absolventinnen und Absolventen reformierter und traditioneller Studiengänge des Jahrgangs 2009. HIS: Forum Hochschule 17 2011, HIS Hochschul-Informations-System GmbH, Hannover. Stüber, Heiko (2016): Berufsspezifische Lebensentgelte: Qualifikation zahlt sich aus. IAB-Kurzbericht Nr. 17. Wiemer, Silke, Schweitzer, Ruth, Paulus, Wiebke (2011): Die Klassifikation der Berufe 2010. Entwicklung und Ergebnis. Wirtschaft und Statistik, Heft 3, S. 274-288 ...

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