Zeitarbeit in Deutschland

Auf Grundlage der Beschäftigtenstatistik wurde die Dauer von Leiharbeitsverhältnissen

im Zeitraum 2000 bis 2012 untersucht. Es zeigt sich,

dass Beschäftigungsverhältnisse in der Zeitarbeit im Mittel nur drei Monate dauerten...

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Die Zeitarbeitsbranche ist seit je her durch eine hohe Dynamik und vergleichsweise kurze Beschäftigungsdauern gekennzeichnet. Auf Grundlage der Beschäftigtenstatistik untersuchen wir die Dauer von Leiharbeitsverhältnissen in den Jahren 2000 bis 2012. Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg dauerten die Beschäftigungsverhältnisse in der Zeitarbeit im Mittel nur drei Monate. Leiharbeiter mit Hochschulabschluss sind mit einem mittleren Wert von rund fünf Monaten am längsten bei derselben Zeitarbeitsfirma tätig. Insgesamt ist in der Branche ein leichter Trend hin zu längeren Beschäftigungsdauern erkennbar. Im Jahr 2000 waren 21,6 Pro zent der Leiharbeitnehmer mehr als neun Monate beschäftigt, im Jahr 2010 galt dies für 27,6 Prozent. Etwa 14 Prozent der Zeitarbeitsverhältnisse, die im Jahr 2010 geschlossen wurden, dauerten länger als 18 Monate. Damit wird auch deutlich, dass die aktuell geplanten Änderungen im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz die Beschränkung der Überlassungshöchstdauer auf 18 Monate und der Gleichbehandlungsgrund satz ab dem 9. Monat im selben Entleihbetrieb nur einen kleinen Teil der Leiharbeitnehmer betreffen. In den vergangenen Dekaden hat der Gesetzgeber das Zeitarbeitsrecht stufenweise reformiert, um den Flexibilitätsbedürfnissen der Unternehmen entgegen zu kommen und um über die Zeitarbeit neue Arbeitsplätze zu schaffen. Trotz kräftigem Wachstum der Branche ist der Anteil der Leiharbeitnehmer an allen abhängig Beschäftigten mit etwa 2,5 Prozent nach wie vor gering. Über die Beschäftigungsdauern und die Dynamik des Zeitarbeitsmarktes ist bisher nur wenig bekannt. Diese Lücke schließen wir mit der folgenden Untersuchung. Ziel der Arbeitnehmerüberlassung ist, mehrere Einsätze bei verschiedenen Entleihbetrieben zu einem längeren Beschäftigungsverhältnis im Verleihbetrieb zu kombinieren. Auf diese Weise sollen einerseits bei den Zeitarbeitsfirmen neue und stabile Beschäftigungsverhältnisse entstehen, andererseits ''Arbeitnehmerüberlassung'', ''Leiharbeitsverhältnis'', ''Leiharbeitnehmer'' und ''Verleiher'' sind die Begriffe des Gesetzgebers, die Branche selbst spricht von ''Zeitarbeit''. Wir verwenden die Begriffe Leiharbeit, Zeitarbeit und Arbeitnehmerüberlassung synonym. So können die Kunden der Zeitarbeitsfirmen, also die Entleih- oder Einsatzbetriebe, temporär abwesende Mitarbeiter durch Leiharbeitnehmer ersetzen oder Auslastungsschwankungen über den Konjunkturzyklus mithilfe der Zeitarbeit auffangen. Gleichzeitig können sie auch ihre Stammbelegschaft in Zeiten schwacher Konjunktur vor Entlassungen schützen und damit firmenspezifisches Humankapital erhalten. Neben dieser Pufferfunktion der Zeitarbeit sind auch Einsparung von direkten Personalkosten, Minderung des Verwaltungsaufwandes sowie die unverbindliche Erprobung neuer Mitarbeiter häufige Einsatzmotive. Nicht zuletzt hat Zeitarbeit auch den Effekt, dass der im internationalen Vergleich strenge Kündigungsschutz in den Kundenunternehmen nicht zum Tragen kommt. Als Vorteile gelten in diesem Zusammenhang der Wegfall von Kündigungsfristen sowie die Vermeidung von arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen bei Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses ...

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