Mobbing im Betrieb (Fair geht vor!)

Im Betrieb werden Mobbingprozesse auch durch unklare Kompetenzregelungen,

Missgunst, Unsicherheit um die eigene Person gefördert...

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Mobbing im Betrieb. Warum beschäftigen wir uns eigentlich mit dem Thema Mobbing? Was ist Mobbing eigentlich genau und wo liegt die Grenze, ab der man z.B. nicht mehr von Sticheleien, sondern von Mobbing spricht? Wie kann man sich einen typischen Mobbingprozess vorstellen? Gibt es eine gesetzliche Grundlage dafür, dass ich als Vorgesetzte/r eingreifen muss, wenn meine Beschäftigten in Mobbingprozesse verwickelt sind? Was kann ich tun, wenn ich gemobbt werde? Was kann der Betrieb vorbeugend tun, damit es gar nicht erst zu Mobbing kommt? Stimmungscheck am Arbeitsplatz. Selbsttest: Sind Sie ein Mobbingopfer? Was ist Mobbing? Typische Mobbinghandlungen. Ebenen psychischer Gewalt. Vier Phasen des Mobbingverlaufs. Was tun bei Mobbing? Mobbing-Prävention. Mobbingberatungsstellen und Hotlines. In immer mehr Betrieben wird Mobbing zu einem Problem, da seine Entstehung auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammenhängt und gefördert wird durch ein Klima, in dem die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes einhergeht mit fehlenden beruflichen Perspektiven und einem generellen Unvermögen oder fehlendem Willen zu fairen, offenen und konstruktiven Konfliktlösungen. Im Betrieb werden Mobbingprozesse auch durch unklare Kompetenzregelungen, Missgunst, Unsicherheit um die eigene Person und das Sündenbockphänomen gefördert. In manchen Unternehmen soll Mobbing sogar ganz bewusst zum kostengünstigen Abbau von Personal genutzt werden! Die volkswirtschaftlichen Folgen sind gravierend: Man kann davon ausgehen, dass jede neunte Person im erwerbsfähigen Alter im Laufe ihres Erwerbslebens mindestens einmal gemobbt wird. Daraus resultieren gesundheitliche, private und berufliche Folgen für das Mobbingopfer und eine geringere Produktivität des betroffenen Unternehmens. Der jährliche Schaden für die Volkswirtschaft wird auf 15-25 Mrd. Euro geschätzt. Wird jemand gemobbt, bedeutet dies Stress für die Betroffene oder den Betroffenen, der zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Magen-Darm-Erkrankungen, migräneartigen Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Konzentrations-, Schlaf- und Gedächtnisstörungen, Alkohol-, Medikamentenmissbrauch, Selbstzweifeln, Antriebslosigkeit, Depressionen und Persönlichkeitsveränderungen führen kann. Außerdem ziehen Mobbingfälle im Unternehmen häufig betriebliche Folgen wie Fehlzeiten, eine geringere Leistungsmotivation, Störungen im Betriebsablauf, eine Zunahme von Reklamationen, Know-how-Verlust beim Ausscheiden von Betroffenen aus dem Betrieb, eine Verschlechterung des Betriebsklimas, erhöhte Kosten sowie unter Umständen sogar eine Bedrohung der Existenz des Betriebs nach sich. Was ist Mobbing eigentlich genau und wo liegt die Grenze, ab der man z.B. nicht mehr von ''Sticheleien'', sondern von Mobbing spricht? Der Begriff Mobbing leitet sich vom englischen Verb ''to mob'' ab, das mit ''anpöbeln, angreifen'' übersetzt werden kann. Dieses wiederum geht auf das lateinische ''mobile vulgus'' für ''aufgewiegelte Volksmenge/Pöbel'' zurück. Konrad Lorenz verwendete diesen Begriff erstmals, um damit den Angriff einer Gruppe von Tieren auf einen Eindringling zu bezeichnen. Der Mobbingforscher Leymann übertrug ihn auf die gezielte Benachteiligung und Schikanierung einzelner Beschäftigter am Arbeitsplatz, die heute gemeinhin als Mobbing bezeichnet wird. Damit von Mobbing gesprochen werden kann, müssen folgende Kriterien erfüllt sein: Mobbing bedeutet, dass jemand von Vorgesetzten oder Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz systematisch, oft und über längere Zeit, direkt oder indirekt angegriffen (schikaniert, drangsaliert, benachteiligt und ausgegrenzt) wird, mit dem Ziel oder Effekt des Ausstoßens aus dem Arbeitsverhältnis, wobei der/die Betroffene unterlegen ist und diese Angriffe als Diskriminierung empfindet. Einfache Meinungsverschiedenheiten zwischen Kolleginnen und Kollegen, ungerechte Kritik durch die Vorgesetzten oder Führungskräfte, die sich bisweilen im Ton vergreifen, werden genauso wenig wie der übliche Büroklatsch schon als Mobbing gewertet. Erst wenn die Angriffe systematisch, regelmäßig und über einen gewissen Zeitraum ausgeführt werden und zum Ziel haben, das Mobbingopfer aus dem Arbeitsverhältnis hinauszudrängen, ist dieser Begriff angemessen. Ein Mobbingprozess läuft üblicherweise in vier Phasen ab, wobei nicht in jedem Fall alle Phasen durchlaufen werden müssen, wenn rechtzeitig eingegriffen wird: 1. Phase: Ungelöster Konflikt Zunächst besteht ein ungelöster Konflikt, der nicht beigelegt werden kann, weil eine der Konfliktparteien ihre Gesprächsbereitschaft verweigert. Stattdessen kommt es zu Schuldzuweisungen und persönlichen Angriffen, einzelnen Unverschämtheiten und dem Schlechtmachen der anderen hinter deren Rücken. 2. Phase: Der Psychoterror beginnt In der zweiten Phase kommt es schon mehrmals pro Woche zu Schikanen, die Angriffe werden systematischer und immer mehr Personen werden involviert. Die ersten psychosomatischen Erkrankungen des Mobbingopfers stellen sich ein, wie MagenDarm-Beschwerden, Verspannungen, Stressreaktionen und Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems. 3. Phase: Arbeitsrechtliche Sanktionen Die psychosomatischen Erkrankungen des Mobbingopfers führen zu Fehlern bei der Arbeit sowie krankheitsbedingten Fehlzeiten. In der Folge kommt es häufig zu Über- und Fehlgriffen der Personalverwaltung, die das Mobbingopfer aufgrund schlechter Arbeitsleistungen und häufiger Fehlzeiten abmahnt. 4. Phase: Der Ausschluss aus der Arbeitswelt Der Mobbingprozess endet ohne sinnvolle Intervention meist mit der Kündigung entweder durch den Betrieb oder durch das Mobbingopfer selbst, mit Suizidversuchen der oder des Betroffenen, längerfristigen Krankschreibungen, Einweisungen in eine psychosomatische/psychiatrische Klinik, einer Versetzung in eine andere Abteilung/einen anderen Unternehmensteil oder einer Frühverrentung. Die einzelnen Mobbinghandlungen, die dabei zur Schikane des Mobbingopfers eingesetzt werden, sind in Abhängigkeit von der Täterpersönlichkeit und dem Mobbingopfer sehr unterschiedlich. Weibliche Mobber greifen beispielsweise eher das persönliche Ansehen des Betreffenden an, machen sich über Frisur, Aussehen, Verhalten und Kleidung der Kollegin bzw. des Kollegen lustig, während Männer eher die Arbeit des anderen boykottieren und beispielsweise Dateien löschen. Weitere typische Mobbinghandlungen sind beispielsweise: Verbreitung von Gerüchten Man wird ''wie Luft'' behandelt Ständige Sticheleien, Beleidigungen Informationen werden vorenthalten Ständige Kritik an der Arbeit Ausgrenzung, Kontaktverweigerung durch Andeutungen, abwertende Blicke und Gesten Man wird als unfähig dargestellt Arbeitsbehinderung/-entzug Gibt es eine gesetzliche Grundlage dafür, dass ich als Vorgesetzte/r eingreifen muss, wenn meine Beschäftigten in Mobbingprozesse verwickelt sind? Das Grundgesetz endet nicht am Werkstor und damit ist auch im Betrieb die Würde des Menschen unantastbar. Somit hat jeder das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit und körperliche Unversehrtheit. Aus dem Grundgesetz ergeben sich weiterhin arbeitsvertragliche Nebenpflichten für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die deren Eingreifen bei Mobbing im Betrieb vorschreiben, und zwar: die Verpflichtung, das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Beschäftigten nicht durch Eingriffe in deren Persönlichkeits- und Freiheitssphäre zu verletzen, die Verpflichtung, Beschäftigte vor Belästigungen anderer durch Beschäftigte oder Dritte zu schützen und menschengerechte Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, die Persönlichkeit der Beschäftigten zu fördern und Gesundheitsgefahren zu beseitigen. Somit haben Arbeitgeber/innen in Ausübung ihrer Fürsorgepflicht alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen und den Betrieb so zu organisieren, dass eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts ausgeschlossen ist. Kommen sie dem nicht nach, können sich Unterlassungsansprüche, Schadensersatzansprüche und Schmerzensgeldansprüche für das Mobbingopfer ergeben. Als Mobbingopfer sollten Sie möglichst frühzeitig das Gespräch mit dem/der Mobbenden suchen und eine Klärung des Konflikts anstreben. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, können Sie Ihre direkte Vorgesetzte oder Ihren direkten Vorgesetzten hinzuziehen und einweihen. Handelt es sich dabei um den Mobber, sollten Sie sich an den nächsthöheren Vorgesetzten, die nächsthöhere Vorgesetzte oder Ihren Betriebsrat wenden. Gegebenenfalls können auch Gleichstellungsbeauftragte oder Schwerbehindertenvertreter/innen weiterhelfen. Für den Fall, dass es später zu einem Arbeitsgerichtsprozess kommt und Sie beweisen müssen, dass Sie tatsächlich gemobbt wurden, hilft Ihnen ein sogenanntes ''Mobbingtagebuch'', in das Sie jeden Mobbingvorfall mit Orts- und Zeitangabe sowie den jeweils anwesenden Zeuginnen und Zeugen eintragen. Beweise wie z.B. zerstörte Arbeitsunterlagen, Drohbriefe und dergleichen sollten Sie ebenfalls aufbewahren. Sind Sie von Mobbing betroffen, sollten Sie sich außerdem schon möglichst früh im Verlauf des Mobbingprozesses die soziale Unterstützung Ihrer Kollegen und Kolleginnen sichern, indem Sie diese aufklären und auf Ihre Seite ziehen. Häufig hilft es auch, mit der Familie und im Freundeskreis über die Situation zu reden und ärztlichen oder psychologischen Rat spätestens dann einzuholen, wenn sich psychosomatische Beschwerden bemerkbar machen. Weiterhin können Mobbingberatungsstellen, Telefonhotlines oder Gewerkschaften Ihnen Unterstützung und Rechtsberatung im Mobbingfall bieten. Einige Adressen finden Sie unter ''Kontaktadressen''. Auch wenn Mobbing Ihnen momentan das Leben schwer macht, sollten Sie nicht Ihr ganzes Leben davon bestimmen lassen. Lassen Sie sich auch ab und zu davon ablenken, z.B. durch die Ausübung von Hobbys. Sport ist ebenfalls ein gutes Mittel zum Stressabbau und ein guter Ausgleich zum belastenden Berufsalltag. Mobbing gedeiht besonders gut, wenn Betriebsklima und Arbeitsorganisation schlecht sind und der Personalentwicklung zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Insbesondere das Führungsverhalten ist wichtig für ein Betriebsklima, das Mobbing vorbeugt und entgegenwirkt: Die Vorgesetzten sollten Vorbild sein, gute Leistungen Ihrer Beschäftigten anerkennen, aber auch keine Zweifel daran lassen, dass abweichendes Verhalten nicht geduldet wird. In Entscheidungen sollten sie die betroffenen Beschäftigten mit ihren Kenntnissen über ihre konkrete Arbeitstätigkeit immer mit einbeziehen, soweit dies möglich ist. Ein gutes Betriebsklima wird weiterhin durch offene Kommunikation gefördert. Regelmäßige Gesprächsrunden, Dienstbesprechungen oder Bezirksgespräche im wöchentlichen Rhythmus sind eine Möglichkeit, den Informationsaustausch im Betrieb zu verbessern. Die Ernennung von Vertrauensleuten, an welche die Beschäftigten sich vertrauensvoll wenden können, damit ihre Belange weitergegeben werden, kann die Stimmung im Unternehmen ebenfalls positiv beeinflussen. Betriebsrat und Vorgesetzte sollten zudem an Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Mobbing teilnehmen und eine Anti-Mobbing-Betriebsvereinbarung erarbeiten, für die Sie in Handlungshilfe H1 eine Vorlage finden ...

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