Betriebsvereinbarung als Projekt

Dieser Text ist ein Angebot, um Betriebsräte dabei zu unterstützen,

Vereinbarungen gut strukturiert und geplant zu entwickeln...

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Betriebsvereinbarung als Projekt Dieser Text ist ein Angebot, um Betriebsräte dabei zu unterstützen, Vereinbarungen gut strukturiert und geplant zu entwickeln. Betriebsvereinbarungen sollen betriebliche Abläufe verständlich, verbindlich und transparent regeln und als eine Art Leitplanke für Beschäftigte funktionieren an der man sich orientieren muss. Sie sind eine Bekundung beider Betriebsparteien zum Umgang miteinander und mit dem zu regelnden Thema. Damit sind Vereinbarungen ein wichtiger Teil der Betriebskultur, die sie gleichzeitig mit gestalten. Betriebsvereinbarungen bestimmen den Arbeitsalltag vor Ort. In der Praxis werden Betriebsvereinbarungen meist parallel oder zusätzlich zum Alltagsgeschäft entwickelt. Mit der täglichen Routine ist der Betriebsrat meist schon in der Regel mehr als ausgelastet ist. Termin- und Arbeitspläne sind oft so voll, dass sie keinen Raum für besondere Angelegenheiten lassen. Daher kann es sinnvoll sein, ein Konzept zu entwickeln, das diese Arbeitsaufgaben übersichtlich und planbar macht. Die Werkzeuge aus dem Projektmanagement bieten aus unserer Sicht eine gute Grundlage dafür, den komplexen und von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflussten Prozess der Entwicklung einer Betriebsvereinbarung so zu organisieren, dass er transparent und handhabbar bleibt: Dieser Prozess eine Betriebsvereinbarung zu entwickeln wird als Projekt betrachtet. Im Folgenden beschreiben wir, was wir als Projekt verstehen und wie Projektmanagement und Betriebsratsarbeit verbunden werden können. Ausgeführt und praxisbezogen dargestellt wird das zusätzlich an einem Beispiel-Szenario in Kapitel 3. Aus den vielen Veröffentlichungen zur Gestaltung von Projekten wurde aus unterschiedlichen Modellen und Tipps das ausgewählt, was am besten zu den Aufgaben passt, vor denen ein Betriebsrat steht, wenn er eine Vereinbarung entwickelt. Die Hans-Böckler-Stiftung verfügt über die bundesweit einzige bedeutsame Sammlung betrieblicher Vereinbarungen, die zwischen Unternehmensleitungen und Belegschaftsvertretungen abgeschlossen werden. Derzeit enthält unser Archiv etwa 14.000 Vereinbarungen zu ausgewählten betrieblichen Gestaltungsfeldern. Unsere breite Materialgrundlage erlaubt Analysen zu betrieblichen Gestaltungspolitiken und ermöglicht Aussagen zu Trendentwicklungen der Arbeitsbeziehungen in deutschen Betrieben. Regelmäßig werten wir betriebliche Vereinbarungen in einzelnen Gebieten aus. Leitende Fragen dieser Analysen sind: Wie haben die Akteure die wichtigsten Aspekte geregelt? Welche Anregungen geben die Vereinbarungen für die Praxis? Wie ändern sich Prozeduren und Instrumente der Mitbestimmung? Existieren ungelöste Probleme und offene Fragen? Die Analysen betrieblicher Vereinbarungen zeigen, welche Regelungsweisen und -verfahren in Betrieben bestehen. Die Auswertungen verfolgen dabei nicht das Ziel, Vereinbarungen zu bewerten, die Hintergründe und Strukturen in den Betrieben und Verwaltungen sind uns nicht bekannt. Ziel ist es, betriebliche Regelungspraxis abzubilden, Trends aufzuzeigen und Gestaltungshinweise zu geben. Bei Auswertungen und Zitaten aus Vereinbarungen wird streng auf Anonymität geachtet. Die Kodierung am Ende eines Zitats bezeichnet den Standort der Vereinbarung in unserem Archiv und das Jahr des Abschlusses. Zum Text der Vereinbarungen haben nur Mitarbeiterinnen des Archivs und Autorinnen und Autoren Zugang. Zusätzlich zu diesen Auswertungen werden vielfältige anonymisierte Auszüge aus den Vereinbarungen auf der beiliegenden CD-ROM und der Online-Datenbank im Internetauftritt der Hans-Böckler-Stiftung zusammengestellt. Unser Ziel ist es, anschauliche Einblicke in die Regelungspraxis zu geben und Vorgehensweisen und Formulierungen anzuregen. Darüber hinaus, gehen wir in betrieblichen Fallstudien gezielt Fragen nach, wie die abgeschlossenen Vereinbarungen umgesetzt werden und wie die getroffenen Regelungen in der Praxis wirken ...

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