Zahlen und Fakten zu Entgeltungleichheit

Gleiche Arbeit, gleicher Lohn? Eigentlich muss das selbstverständlich sein.

Und doch gibt es weiterhin eine Lohnlücke. Sie liegt...

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Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn? Zahlen und Fakten zu Entgeltungleichheit in Deutschland und Europa Gleiche Arbeit, gleicher Lohn? Eigentlich muss das selbstverständlich sein. Das sagen Frauen und Männer in Deutschland gleichermaßen. Und doch gibt es weiterhin eine Lohnlücke. Sie liegt in Deutschland bei etwa 22 Prozent - das ist weit mehr als in den meisten anderen Industrieländern. Wie diese Lohnlücke entsteht, in welchen Branchen sie größer ist oder kleiner und was mögliche Wege gegen den ''gender pay gap'' sein können, darüber gibt diese Broschüre Auskunft. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes will mit dieser Faktensammlung Aufklärungsarbeit leisten und einen Ausblick darüber geben, an welchen Stellen angesetzt werden kann, damit Politik und Tarifparteien die Lohnlücke schnellstmöglich und effektiv schließen können. Denn Entgeltungleichheit schadet auf Dauer nicht nur den Betroffenen, sondern der Gesellschaft insgesamt. Gründe für die geschlechterspezifische Entgeltungleichheit (europaweit) Geschlechterspezifische Entgeltungleichheit in Europa Ausblick: Weltweite Betrachtung der geschlechterspezifischen Entgeltungleichheit Geschlechterspezifische Erwerbstätigenquote in der EU: Vergleich / Unterschied Horizontale Geschlechtersegregation Branchenvergleich: Frauenanteil und Verdienstgefälle in der EU Branchenvergleich: Frauenanteil und Verdienstgefälle in Deutschland Vergleich der Lohnlücke in der EU: Öffentlicher Dienst - Privatwirtschaft Vertikale Geschlechtersegregation Führungspositionen und Lohnlücke in der EU Anteil von Frauen in Führungspositionen im Zusammenhang mit der Lohnlücke in ausgewählten Ländern der EU Branchenvergleich: Frauenanteile an Führungspositionen in Deutschland Frauen in Führungspositionen nach Unternehmensgröße und Anzahl der Mitarbeiter_innen Durchschnittliches Bruttoeinkommen vollerwerbstätiger Führungskräfte in der Privatwirtschaft in Deutschland Teilzeit Durchschnittlicher Stundenverdienst nach Voll- / und Teilzeit Zusammenhang mit der Lohnlücke Erwerbstätigkeit von Frauen in ausgewählten EU-Staaten Anteil der Frauen die aus familiären Gründen verkürzt arbeiten Maßnahmen zur Verringerung der Lohnlücke in anderen EU-Ländern Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes legt die vorliegende Zusammenstellung statistischer Daten zum internationalen Frauentag 2013 vor, um plakativ darzustellen, wie die Situation der Entgeltungleichheit im internationalen und europäischen Vergleich in Deutschland ist. Zunächst werden dabei die Hauptursachen für Entgeltungleichheit in den Blick genommen. Wesentlich ist nach übereinstimmender wissenschaftlicher Auffassung die Segregation des Arbeitsmarktes, d.h. die ungleiche Verteilung von Frauen und Männern in Berufen (sog. Horizontale Segregation) und Hierarchien (sog. Vertikale Segregation). Anschließend wird in verschiedenen Grafiken und Zahlensammlungen aus Quellen der OECD, Eurostat und des Statistischen Bundesamtes die Situation visualisiert. Dabei wird insbesondere in den Blick genommen (Begriffsdefinitionen vgl. S. 28): die unbereinigte Lohnlücke die Erwerbstätigkeitsquote von Frauen und Männern die Branchenverteilung von Frauen und Männern der Anteil von Frauen in Führungspositionen der Anteil von Frauen in Teilzeitarbeit. Aus diesen Übersichten und der beispielhaften Darstellung bewährter Maßnahmen aus anderen EU-Ländern wird anschließend in Form von Thesen eine Situationsbeschreibung für Deutschland abgeleitet. Abschließend wird der Handlungsbedarf aus Sicht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes skizziert. Als wesentliche Gründe für die geschlechterspezifische Lohnlücke werden häufig die Geschlechtersegregation, Erwerbsunterbrechungen bzw. Teilzeitarbeit und Ungerechtigkeiten bei der Lohnfindung genannt. Horizontale Geschlechtersegregation: Die horizontale Geschlechtersegregation beschreibt die Tendenz von Frauen und Männern, bestimmte ''geschlechtstypische'' Berufe in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen zu ergreifen. Es erfolgt eine ''Aufteilung'' des Arbeitsmarktes in typische ''Frauen- und Männerberufe'', wobei in männerdominierten Branchen häufig höhere Löhne gezahlt werden. Diese Präferenz lässt sich auch in einer unterschiedlichen Studienwahl feststellen. Frauen sind prozentual häufiger in sprach- und kulturwissenschaftlichen Studiengängen eingeschrieben, während Männer sich zu einem größeren Teil für mathematische und technische Studiengänge entscheiden. Die Wahl der Studienrichtung wirkt sich später auf die Bezahlung im Beruf aus. Vertikale Geschlechtersegregation: Die vertikale Geschlechtersegregation bezieht sich darauf, dass (selbst in Branchen mit etwa ausgewogenem Frauen-/Männeranteil) nur wenige Frauen in der Betriebshierarchie auf den oberen Stufen stehen, bzw. gar Führungspositionen einnehmen. Frauen werden seltener befördert. Man spricht hier von der so genannten ''gläsernen Decke''. Ursache dafür können u.a. männliche Karrierenetzwerke sein, zu denen Frauen nur schwer Zugang finden. Darüber hinaus wird Frauen oft nicht zugetraut, Führungspositionen einzunehmen. Deutschland hat in der EU (laut EUROSTAT 2005) den geringsten Anteil von Müttern in Führungspositionen. Dies zeigt, dass es Frauen mit Kindern noch schwerer haben, als Frauen ohne Kinder, in Führungspositionen aufzusteigen. Erwerbsunterbrechungen Aufgrund bestimmter, teilweise noch immer vorherrschender Rollenmuster, übernehmen immer noch mehr Frauen die Kindererziehung oder Pflege eines kranken Angehörigen und unterbrechen dafür zumindest eine gewisse Zeit das Arbeitsleben. Während dieser Erwerbsunterbrechung sinkt das Erwerbseinkommen zunächst auf null. Bei Wiedereinstieg in das Berufsleben ist das Einkommen häufig geringer, als vor der Unterbrechung bzw. als es ohne Unterbrechung wäre. Dieses Phantom wird ''wage cut'' genannt. Frauen, die z.B. aufgrund von Kindererziehung die Erwerbstätigkeit zeitweise unterbrochen haben, erreichen daher schwieriger das gleiche Lohnniveau wie Menschen ohne Erwerbsunterbrechung. Gelingt ein Wiedereinstieg in das Erwerbsleben, ist es insbesondere für Frauen schwierig, eine Vollzeit-Erwerbstätigkeit mit familiären Verpflichtungen zu vereinbaren. Deshalb wird aus Gründen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Teilzeitarbeit aufgenommen. In Deutschland waren im Jahr 2011 fast die Hälfte (45%) aller erwerbstätigen Frauen in Teilzeit erwerbstätig. 55% dieser Frauen gingen einer Erwerbstätigkeit in Teilzeit nach, weil sie familiären Verpflichtungen nachkommen mussten. Hingegen waren nur 9% der Männer in Teilzeit erwerbstätig und davon nur 9% aus familiären Gründen. Lohnfindung Lohnfindung ist ein Prozess gesellschaftlicher Wertvorstellungen für Arbeit, der sich in Tarifen und Löhnen widerspiegelt. Es gibt individuelle und kollektive Lohnfindung. Die Verantwortung für Maschinen, Finanzen und Mitarbeiter wird tendenziell höher bewertet als die Verantwortung für Menschen in soziale Tätigkeiten. Hinzu kommt, dass Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft wichtiger ist als finanzielle Anreize. Dies spiegelt sich in individuell niedrigeren Löhnen wider. Geschlechterspezifische Entgeltungleichheit Als Maßnahme zur Verringerung der Lohnlücke existiert in Finnland seit 2010 ein Corporate Governance Kodex. Dieser verpflichtet Unternehmen dazu, sowohl Frauen als auch Männer in Entscheidungsgremien zu berücksichtigen. Hält sich ein Unternehmen nicht daran, muss es öffentlich den Grund dafür erklären. Zudem existiert ein Gleichstellungsgesetz, wonach Arbeitgeber einen Plan zur Gleichstellung der Geschlechter erarbeiten müssen, der Vorschläge zur Reduzierung der geschlechterspezifischen Lohnunterschiede enthält. Spanien führte 2009 die Vergabe des Kennzeichens ''Gleichheit am Arbeitsplatz'' ein. Unternehmen, die vorbildliche Richtlinien zur Gleichbehandlung und Chancengleichheit im Hinblick auf Arbeitsbedingungen, Organisationsmodelle etc. vorweisen können, bekommen dieses Kennzeichen vom Gleichstellungsministerium verliehen. In Belgien hat das dortige Institut für Gleichstellung einen ''Leitfaden zur Geschlechterneutralität bei der Arbeitsbewertung und -einstufung'' entwickelt. In Portugal gibt es ein Projekt zur ''Neubewertung von Arbeit zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter'' im Hotel-/Gastronomiesektor. Unbereinigte Lohnlücke: Die unbereinigte Lohnlücke ist die Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten aller erwerbstätigen Frauen und Männern in Prozent. Bereinigte Lohnlücke: Unter der bereinigten Lohnlücke versteht man den Verdienstabstand von Frauen und Männern mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiographien. Diese Diskriminierung beträgt in Deutschland circa 8 Prozent (Statistische Bundesamt März 2012). Unmittelbare Diskriminierung: Die unmittelbare Diskriminierung ist die direkte Benachteiligung bei der Entlohnung. Aufgrund des Geschlechts fällt die Vergütung geringer aus, trotz gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Mittelbare Diskriminierung: Bei der mittelbaren Diskriminierung knüpft die Vergütung an scheinbar neutrale Kriterien an, die jedoch Frauen beim Entgelt benachteiligen ...

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