Maßnahmen zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit

Altersdifferenzierte und alternsgerechte Betriebs- und Tarifpolitik.

Eine Bestandsaufnahme betriebspolitischer und tarifvertraglicher Maßnahmen...

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Altersdifferenzierte und alternsgerechte Betriebs- und Tarifpolitik Eine Bestandsaufnahme betriebspolitischer und tarifvertraglicher Maßnahmen zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit Debatte um den demographischen Wandel Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials und die Arbeitsmarktlage Älterer Der demographische Wandel als Herausforderung für deutsche Unternehmen Schrumpfungstendenzen: Arbeitskräfte-, Nachwuchs- und Fachkräftemangel Erosion der Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Altersdifferenzierte und alternsgerechte Arbeits- und Beschäftigungspolitik im Betrieb Personalpolitik Arbeitspolitik Gesundheitsmanagement Führung und Unternehmenskultur Regulierung der Erwerbstätigkeit Älterer in Deutschland Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit den Auswirkungen des demographischen Wandels auf Arbeit und Beschäftigung in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie, der Chemie- und Pharmaindustrie und des Einzelhandels in Deutschland. Darüber hinaus untersucht sie Ansätze und Möglichkeiten für eine alters- und alternsgerechte Betriebsund Tarifpolitik in diesen Branchen und fragt nach verallgemeinerbaren Perspektiven einer solchen Politik. Den Hintergrund der Untersuchung bildet die in Deutschland seit mehr als zehn Jahren anhaltende Diskussion über die Frage, wie die Arbeitsmarktchancen und die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit Älterer (sowie in erweiterter Perspektive: aller Erwerbstätigen) so verändert werden können, dass sie länger erwerbstätig sein können. Als Schlüssel für eine nachhaltige Verlängerung der Lebensarbeitszeit gelten alters- und alternsgerechte Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen. Die Diskussion über Alters- und Alternsgerechtigkeit von Arbeit speist sich aus zwei Quellen: den aktuellen und absehbaren Finanzierungsproblemen der öffentlichen Altersversorgungssysteme den tatsächlichen oder vermeintlichen Arbeitskräftebeschaffungsproblemen, die mit der Verschiebung der Alterszusammensetzung der Bevölkerung verbunden sein werden oder sein können. Unter demographischem Wandel werden im Wesentlichen zwei seit Langem zu beobachtende Trends der Bevölkerungsentwicklung verstanden: die Schrumpfung der Bevölkerung und die durchschnittliche Alterung der Bevölkerung. Ursächlich hierfür sind zum einen sinkende Geburtenraten vor allem seit Mitte der 1960er Jahre einerseits und eine kontinuierlich steigende Lebenserwartung andererseits. Dieser Prozess hat erhebliche Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche (vgl. 5. Altenbericht, BMFSFJ 2005), nicht zuletzt auf den Sozialstaat und das Feld der Erwerbsarbeit (Kerschbaumer/Schroeder 2005a). Wie auch die Gesamtbevölkerung schrumpft und altert das hiesige Erwerbspersonenpotenzial - nach gegenwärtigen Prognosen ab 2015/2020 - spürbar. Das Erwerbspersonenpotenzial ist jene ›für den Arbeitsmarkt relevante Teilmenge‹ (Juch 2009: 23) der 20- bis 65-Jährigen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen: Erwerbstätige, Erwerbslose und eine ›stille Reserve‹ (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2005: 4). Zwar sind Ausmaß und zeitlicher Verlauf dieses Alterungs- und Schrumpfungsprozesses teilweise umstritten und Langzeitprognosen immer mit Unsicherheiten behaftet (Bosbach 2004). Auch sind regionale - insbesondere Ost/West - und branchenspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen (Kistler 2008: 22 f., Morschhäuser et al. 2003: 32). Gleichwohl gilt als unstrittig, dass Betriebe bzw. betriebliche Arbeits- und Beschäftigungspolitik etwa vom Jahr 2020 an mit einem insgesamt schrumpfenden Arbeitskräfteangebot und durchschnittlich älteren Belegschaften zu tun haben werden (vgl. Statistisches Bundesamt 2009c, Bonin et al. 2007)1. Das könnte in besonderem Maße kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) betreffen, die nicht über die Ressourcen verfügen, um intensiv auf dem schrumpfenden Markt junger Nachwuchskräfte werben zu können (Morschhäuser et al. 2003: 28, 32). Mit der Alterung von Belegschaften rückt die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit Älterer verstärkt in den Blick. Darunter werden nicht (allein) individuelle Eigenschaften der Person gefasst. Der Fokus liegt vielmehr auf dem Zusammenspiel von individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten sowie Arbeitsumweltbedingungen, das Arbeitsfähigkeit erst ermöglicht (Kistler 2008: 39). Bei einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit müssen die Arbeitsbedingungen so ausgestaltet sein, dass ein längerer Verbleib in der Erwerbstätigkeit überhaupt möglich ist. Ansonsten ist mit einer Zunahme an Leistungs- und Tätigkeitseinschränkungen älterer Beschäftigter zu rechnen, die den physischen und/ oder psychischen Belastungen der Arbeit (Stichwort Leistungsverdichtung) nicht mehr Ausdruck des demographischen Wandels sind darüber hinaus steigende Anteile von Frauen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Migrationshintergrund an den Belegschaften - diese Dimensionen sind nicht Gegenstand dieses Projekts ...

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