Engpassanalyse 2013 (Studie)

Fachkräfteengpässe machen sich in vielen Unternehmen

bereits in Form von Rekrutierungsschwierigkeiten bemerkbar...

Publikation öffnen

Engpassanalyse 2013 Besondere Betroffenheit in den Berufsfeldern Energie und Elektro sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik Die Bedeutung von Fachkräfteengpässen Engpassindikatoren Rekrutierungsprobleme nach Unternehmensgröße und Qualifikation Engpassberufe für beruflich qualifizierte Fachkräfte Fachkräfteengpässe machen sich derzeit in vielen Un-ternehmen bereits in Form von Rekrutierungsschwierigkeiten bemerkbar. Sie betreffen auch viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU). 2012 berichteten zwischen 32 und 66 Prozent der KMU von mittleren oder großen Problemen, offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen. Im Vergleich zu Großunternehmen beklagten sie insbesondere größere Rekrutierungsschwierigkeiten bei Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Da die meisten Unternehmen in Deutschland KMU sind, bedeutet dies auch quantitativ eine große Zahl betroffener Unternehmen. Betrachtet man Berufsfelder - also Berufsgattungen von Berufen mit ähnlichen Merkmalen, fanden sich die meisten Engpassberufe in den Berufsfeldern Energie und Elektro sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik. Hier lagen in mehr als der Hälfte aller Berufsgattungen Engpässe vor. Auch im Berufsfeld Metall war knapp die Hälfte aller Berufe betroffen. Nur in geringem Maße bestanden Engpässe dagegen in den Berufsfeldern Unternehmensorganisation und Verwaltung, Verkauf und Tourismus sowie Sprache, Wirtschaft und Gesellschaft. Überhaupt keine Engpassberufe wiesen die Berufsfelder Landwirtschaft und Gartenbau, Rohstoff, Glas und Keramik, Papier und Druck, Textil und Leder, Lebensmittel sowie Militär auf. Engpässe treten bei Fachkräften aller Qualifikationen auf Im Dezember 2012 gab es 111 Engpassberufe auf allen drei Anforderungsniveaus: Es gab Berufe für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung, Berufe für Personen mit Fortbildungsabschluss und Berufe für Akademikerinnen und Akademiker, in denen Engpässe bestanden. Vor allem in technischen Berufen und in Berufen im Gesundheitswesen fehlte qualifiziertes Personal. Besonders knapp: Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung Die meisten Engpassberufe waren im Dezember 2012 Berufe, die üblicherweise eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen. Hier bestanden in 58 Berufsgattungen Engpässe. Dies entspricht rund 20 Prozent aller Berufsgattungen mit diesem Anforderungsniveau. In Bezug auf Personen mit Fortbildungsabschluss wie Meister oder Techniker waren Engpässe in 29 Berufsgattungen zu verzeichnen, bei Akademikerinnen und Akademikern waren 24 Berufsgattungen von Engpässen gekennzeichnet. Der Blick auf die zehn Berufsgattungen mit den größten Engpässen bestätigt die große Knappheit bei beruflich Qualifizierten: Acht Berufsgattungen sind Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung zuzuordnen. Nur je eine entfällt auf Personen mit Fortbildungsabschluss und Personen mit (Fach-)Hochschulabschluss. Für Unternehmen machen sich Fachkräfteengpässe unter anderem in Form von Rekrutierungsschwierigkeiten bei qualifiziertem Personal bemerkbar. Diese können sich beispielsweise darin äußern, dass sich auf ausgeschriebene Stellen niemand bewirbt oder die Bewerberinnen und Bewerber nicht die benötigten Qualifikationen mitbringen. Im BMWi-Qualifizierungsmonitor, einer Unternehmensbefragung, gaben im Jahr 2012 zwischen 32 und 66 Prozent aller Unternehmen an, in den vergangenen 12 Monaten mittlere oder große Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften gehabt zu haben (GIB, 2012). Dabei zeigt sich, dass die Unternehmen je nach Beschäftigtenzahl unterschiedlich stark von Rekrutierungsschwierigkeiten auf den einzelnen Qualifikationsniveaus betroffen sind (s. Abbildung 1-1: Rekrutierungsprobleme nach Unternehmensgröße und Qualifikation). Für Unternehmen ist die Verfügbarkeit von Arbeitskräften entscheidend für die geschäftliche Tätigkeit. Ohne Personal lassen sich Produktionsprozesse nicht oder nicht effizient gestalten und Dienstleistungen nicht anbieten. Besonders große Bedeutung hat die Verfügbarkeit von Fachkräften. Darunter werden allgemein die Arbeitskräfte verstanden, die eine abgeschlossen Berufsausbildung oder einen höherwertigen Berufsabschluss aufweisen. Fachkräfte bilden das Fundament der deutschen Wirtschaft. Im Jahr 2011 waren knapp 83 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland Fachkräfte, der Rest wies keinen beruflichen Bildungsabschluss auf (Statistisches Bundesamt, 2012). Fachkräfteengpässe entstehen, wenn in einer Region und in einem Beruf die Nachfrage nach Fachkräften das Angebot an Fachkräften kurzfristig übersteigt. Von einem Mangel an Fachkräften wird dagegen erst dann gesprochen, wenn dauerhaft Engpässe vorliegen. Ein Fachkräftemangel kann somit erst durch eine Zeitreihenbetrachtung festgestellt werden. Zur Bestimmung eines Engpasses reicht die Untersuchung eines Zeitpunktes aus. Aus diesem Grund werden in dieser Publikation ausschließlich Engpässe betrachtet. Zum einen zeigt sich, dass mittlere und große Unternehmen häufiger Rekrutierungsprobleme bei Personen mit abgeschlossenem Studium haben. Dies traf auf 58,1 Prozent der mittelgroßen und 56,1 Prozent der großen Unternehmen zu. Bei kleinen Unternehmen waren lediglich 31,6 Prozent von Problemen in diesem Qualifikationsniveau betroffen. Dies ist in erster Linie dadurch zu erklären, dass in kleinen Unternehmen weniger akademisches Personal beschäftigt ist und damit auch seltener Personen mit (Fach-)Hochschulabschluss rekrutiert werden müssen. Zum anderen sieht man hinsichtlich der Rekrutierung von Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung, dass kleine Unternehmen mit 65,5 Prozent deutlich häufiger von Problemen betroffen waren als mittlere Unternehmen (49,2 Prozent) und große Unternehmen (32,6 Prozent). Die meisten Probleme bei der Rekrutierung von Personen mit Fortbildungsabschluss (Meister-, Techniker- oder Fachschulabschluss) hatten mittelgroße Unternehmen (65,6 Prozent), während die kleinen Unternehmen (50,6 Prozent) und die großen Unternehmen (53,9 Prozent) seltener betroffen waren. Auch andere Erhebungen zur Fachkräftesituation be­stätigen, dass Unternehmen in Deutschland in vielen Fällen bereits von Engpässen betroffen sind. So gab gut ein Drittel der befragten Unternehmen im DIHK-Mittelstandsreport 2012 an, dass das größte Risiko für die Unternehmensentwicklung in den nächsten 12 Monaten im Fachkräftemangel liegt (DIHK, 2012). Dabei war der Abstand zwischen KMU und Großunternehmen sehr gering. Auch im europäischen Vergleich sehen sich deutsche Unternehmen aufgrund fehlender Fachkräfte relativ stark in ihrem Wachstum behindert. 15 Prozent der deutschen Unternehmen schätzten dies im Jahr 2010 als wichtigstes Hemmnis für ihr Wachstum bis zum Jahr 2013 ein (Demary/Erdmann, 2012). Dies ist der zweithöchste Wert in Europa. Nur schwedische Unternehmen beurteilten die schlechte Verfügbarkeit von Fachkräften noch häufiger als wachstumshemmend. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat die Statistik zu den Arbeitslosen sowie den gemeldeten offenen Stellen nach Berufen im Laufe des Jahres 2012 von der Klassifikation der Berufe 1988 (KldB 1988) auf die Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) umgestellt. Die vorliegende Studie basiert auf der KldB 2010. Die Ergebnisse der Engpassanalyse sind daher nicht mehr mit den vorigen Engpassanalysen vergleichbar. Die Einführung der KldB 2010 hat die Zuordnung von Berufen zu einzelnen Kategorien verändert, aber auch methodische Anpassungen notwendig gemacht. Die KldB 1988 in ihrer Ursprungversion basiert auf einer Klassifikation der Berufe von 1970 und ihrer Weiterentwicklung von 1975 (Bundesagentur für Arbeit, 2011a). Daher gab es in der Vergangenheit Schwierigkeiten, neu entstandene Berufe und Berufsfelder adäquat zuzuordnen. Ein Beispiel dafür sind Informatikberufe, die ohne weitere Differenzierung beispielsweise nach dem Qualifikationsniveau der Berufsgattung ''Datenverarbeitungsfachleute'' zugerechnet wurden. Die Zuordnung erfolgte dabei nicht systematisch. Diese Problematik wird durch die KldB 2010 behoben. Die KldB 2010 ist eine Neuentwicklung der Klassifikation der Berufe, die nicht auf vorherigen Versionen aufbaut, sondern Berufe theoriegeleitet strukturiert und zuordnet (BA, 2011b). Dabei werden zwei Dimensionen unterschieden: die so genannte Berufsfachlichkeit und das Anforderungsniveau der Tätigkeit. Die Berufsfachlichkeit bezeichnet die spezifischen Fachkompetenzen, die notwendig sind, um einen Beruf ausüben zu können. Diese werden in der Aus- und Weiterbildung und während der Ausübung des Berufes erworben. Sie sind nicht personenbezogen, sondern abhängig von den Tätigkeiten beziehungsweise vom Beruf. Jeder Beruf lässt sich anhand seiner Berufsfachlichkeit charakterisieren. Das Anforderungsniveau bezieht sich auf die Komplexität der Tätigkeit und berücksichtigt das Kenntnisund Fertigkeitsniveau, das für die Ausübung eines Berufes erforderlich ist. Auch das Anforderungsniveau ist arbeitsplatz- beziehungsweise berufsbezogen. Das bedeutet, jeder Beruf kann eindeutig einem Anforderungsniveau zugeordnet werden. Es werden vier Anforderungsniveaus unterschieden, die eng an den formalen beruflichen Bildungsabschlüssen ausgerichtet sind. Dies ist darin begründet, dass das Anforderungsniveau eines Berufes in Deutschland oftmals direkt mit den erreichten Abschlüssen verknüpft ist (Tabelle 2-1). An dieser Stelle wird darauf hingewiesen, dass sich die Bezeichnung des Anforderungsniveaus 2 ''Fachkräfte'' und die in der allgemeinen Diskussion verwendete Definition von Fachkräften unterscheiden. Anforderungsniveau 2 umfasst typischerweise Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Fachkräfte im Allgemeinen dagegen sind definiert als Personen mit mindestens abgeschlossener Berufsausbildung. Sie schließen also neben Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung auch Personen mit Fortbildungsoder Hochschulabschluss ein. Im fortlaufenden Text dieser Analyse wird die Bezeichnung Fachkraft in ihrer allgemeinen Definition verwendet. Handelt es sich um Personen des Anforderungsniveaus 2, wird im Text die Bezeichnung ''beruflich Qualifizierte'' gewählt, bei der Nennung von Berufsgattungen in den Grafiken werden jedoch die Bezeichnungen der BA übernommen, die für das Anforderungsniveau 2 häufig den Zusatz ''Fachkraft'' haben. Für Personen des Anforderungsniveaus werden die Begriffe ''Spezialistinnen und Spezialisten'' und ''Personen mit Fortbildungsabschluss'' verwendet. Personen des Anforderungsniveaus 4 werden auch als ''Akademikerinnen und Akademiker'' bezeichnet, um zu verdeutlichen, dass Expertinnen und Experten ausschließlich akademisch Qualifizierte sind. Berufe mit ähnlicher Berufsfachlichkeit und gleicher Komplexität werden in der KldB 2010 zu so genannten Berufsgattungen zusammengefasst. Hinter der Zuordnung steckt ein aufwändiges Verfahren, das die Erstellung von Kompetenzkatalogen, eine Clusterung ähnlicher Berufe sowie die Verwendung eines Ähnlichkeitsmaßes für Berufe umfasst (BA, 2011b). Das Resultat ist eine berufs-, arbeitsplatz- und kompetenzorientierte Struktur der Berufe. Einzelberufe werden jedoch nicht mehr ausgewiesen: Die kleinste Klassifikationseinheit sind die 1.286 Berufsgattungen, die etwa 24.000 Einzelberufe umfassen (Demary/Koppel, 2012). So zählen beispielsweise Altenpfleger zur Berufsgattung ''Altenpflege (ohne Spezialisierung) - Fachkraft''. Zu dieser Gattung gehören auch die Berufe Seniorenbetreuer und Altenpflegeassistenten. Die Berufsgattungen der KldB 2010 werden zu 700 Berufsuntergruppen zusammengefasst (s. Tabelle 2-2: Hierarchischer Aufbau der KldB 2010). Diese wiederum lassen sich in 144 Berufsgruppen beziehungsweise 37 Berufshauptgruppen gliedern. Die oberste Hierarchieebene der KldB 2010 bilden die zehn Berufsbereiche. Für die Engpassanalyse werden Monatsdaten der BA zu Arbeitslosen und gemeldeten offenen Stellen für Berufsgattungen verwendet. Der betrachtete Zeitpunkt ist der Dezember 2012. Die Engpassrelation für eine Berufsgattung ergibt sich aus Arbeitslose gemeldete offene Stellen Um nur die Berufsgattungen zu betrachten, die für die deutsche Wirtschaft zahlenmäßig besonders relevant sind, werden nur Berufsgattungen verwendet, in denen die Anzahl der Arbeitslosen bundesweit mindestens 100 beträgt. Die Anzahl an Berufsgattungen, für die dies der Fall ist, variiert monatlich. Im Dezember 2012 lag sie bei 661 (mit Helferberufen) beziehungsweise 606 (ohne Helferberufe), das entspricht 49,4 Prozent aller Berufsgattungen (ohne Helferberufe). Die Betrachtung bezieht sich auf Gesamtdeutschland. Die Summe der gemeldeten Arbeitslosen in einer Be­rufsgattung bildet das gesamtwirtschaftliche Arbeitsangebot dieser Berufsgattung gut ab. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und nicht erwerbstätig sind, bei der BA arbeitslos melden. Anders stellt sich dies bei der Nachfrage nach Arbeitskräften in einer Berufsgattung dar: Die bei der BA gemeldeten offenen Stellen erfassen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nicht komplett. Dies liegt daran, dass Unternehmen ihre Vakanzen typischerweise nicht immer an die BA melden, sondern oftmals andere Suchkanäle, wie beispielsweise Zeitungsanzeigen oder Online-Stellenportale, nutzen ...

Publikation öffnen