Frauen in Führungspositionen (Entgeltunterschiede)

Zunächst wurde analysiert, ob weibliche Vorstände genauso viel verdienen

wie vergleichbare männliche Kollegen

oder ob ein sogenannter Gender Pay Gap existiert...

Publikation öffnen

Frauen in Führungspositionen: Entgeltunterschiede bei Vorständen Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Vorstandsvergütung (Gender Pay Gap). Entgeltlücke in der Vorstandsvergütung. Einfluss des Geschlechts auf die Vergütungsstruktur. Varianz der Vergütung. Methodik der Untersuchung zum Gender Pay Gap. Die vorliegende Studie geht der Frage nach, inwiefern sich das Geschlecht von Vorstandsmitgliedern bzw. Aufsichtsratsmitgliedern auf die Höhe und die Struktur von Vorstandsvergütungen und die zu verantwortenden Ressorts in deutschen börsennotierten Unternehmen auswirkt. Die Analyse hierzu ist in drei Teile untergliedert: Zunächst wurde analysiert, ob weibliche Vorstände genauso viel verdienen wie vergleichbare männliche Kollegen oder ob ein sogenannter Gender Pay Gap existiert. Des Weiteren wurde untersucht, ob die Gender-Diversity des Aufsichtsrats die Vergütung der jeweils zu kontrollierenden Vorstände beeinflusst. Im letzten Teil dieser Studie wurde geprüft, ob es generelle Unterschiede hinsichtlich der Ressortzuteilung zwischen weiblichen und männlichen Vorständen gibt. Die nachfolgenden Analysen basieren auf den Daten von Unternehmen des deutschen Prime Standards der Jahre 2005 bis 2010. Dieser umfasst die DAX-Familie (die 160 wichtigsten börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften, unterteilt in: DAX, MDAX, SDAX, TecDAX) und weitere börsennotierte Unternehmen, die sich den Transparenzvorschriften des Prime Standards unterwerfen. Dieser Studie liegen somit insgesamt ca. 1.600 Unternehmensjahre zugrunde. Die Höhe der Vergütung wird in Form der individuellen Gesamtvergütung der einzelnen Vorstandsmitglieder im jeweiligen Jahr gemessen. Die Vergütungsstruktur wird durch den jeweiligen Anteil variabler Vergütungsbestandteile an der Gesamtvergütung abgebildet. Die Studie wurde vom Institut für Unternehmensführung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) (Leitung: Prof. Dr. Hagen Lindstädt) und der Professur für Management und Controlling an der Georg-August-Universität Göttingen (Leitung: Prof. Dr. Michael Wolff) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt. Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen: 1. In deutschen Aktiengesellschaften des Prime Standards existiert eine geschlechtsspezifische Entgeltlücke in Bezug auf die Vorstandsvergütungshöhe: Eine Frau im Vorstand verdient demnach durchschnittlich 20,8% weniger als ein vergleichbarer männlicher Vorstand. Es handelt sich dabei um einen ''bereinigten'' Pay Gap, da die Lohnlücke unter Berücksichtigung von wesentlichen Einflussgrößen der Vorstandsvergütung (persönliche Charakteristika, Unternehmensmerkmale, Corporate-Governance-Eigenschaften) ermittelt wurde. Zudem ist die Ähnlichkeit der Ressorts der weiblichen und männlichen Vorstände der Grundgesamtheit durch die Herangehensweise mit einem Matched Sample gegeben, weswegen auch der Einfluss der zu verantwortenden Bereiche im Pay Gap berücksichtigt ist. 2. Das Geschlecht des Vorstands hat keinen Einfluss auf die Struktur der Vergütung: Weibliche Vorstände erhalten aus struktureller Perspektive ähnliche Vergütungspakete (Verhältnis von variablen zu fixen Vergütungsbestandteilen) wie ihre männlichen Kollegen. 3. Mögliche Ursachen für den identifizierten Pay Gap könnten sein: ein geringeres Interesse aufseiten der Aufsichtsräte, Frauen für die Vorstandsfunktion zu gewinnen, basierend auf einer geringeren Wertschätzung, Das Thema Gender Pay Gap in Führungspositionen ist seit Langem auch in der wissenschaftlichen Diskussion relevant. Zahlreiche Studien kommen dabei - mit großer Vielfalt an Methoden und Untersuchungsobjekten (siehe Abbildung 1) - zu dem Schluss, dass ein Unterschied zwischen den Vergütungshöhen von Frauen und Männer existiert - sowohl allgemein als auch mit dem Fokus auf Führungspositionen. Diese Studienergebnisse können jedoch nicht ohne Weiteres auf deutsche Vorstände übertragen werden. Erstens beschränken sich viele Studien mit hoher wissenschaftlicher Qualität vornehmlich auf Daten aus den USA und Großbritannien. Vor dem Hintergrund des dort vorherrschenden monistischen Systems existieren andere Rahmenbedingungen, als diese im deutschen Raum mit dem dualistischen System vorzufinden sind.1 Zweitens ist bei der Untersuchung einer möglichen Entgeltlücke von Vorständen die Verschiedenheit der jeweils verantworteten Ressorts zu berücksichtigen. Ein Vorstandsvorsitzender verdient im Allgemeinen mehr Geld als ein einfaches Vorstandsmitglied. Des Weiteren ist anzunehmen, dass ein Vorstand mit mehreren Ressorts eine höhere Vergütung erhält als ein Vorstand mit lediglich einem Zuständigkeitsbereich. Durch die verwendete Methodik eines doppelten Matchings in dieser Studie wird diese Problematik adressiert. Drittens analysieren viele deutsche Studien auf diesem Gebiet nur die Unterschiede der Vergütungshöhe zwischen Frauen und Männer im Allgemeinen, ohne den Fokus auf die Vorstandsbezüge zu richten. Die allgemeinen Ergebnisse sind unter anderem wegen der verschiedenen Vergütungsstrukturen nicht exakt auf die Vorstandsebene übertragbar. Die vorliegende Studie soll diese identifizierten Lücken schließen und einen wichtigen Beitrag für die Erforschung der Vergütungsunterschiede auf Vorstandsebene leisten ...

Publikation öffnen