Rechtslage, gesundheitliche Risiken und Präventionsmöglichkeiten bei Schichtarbeit

In diesem Report werden die rechtlichen Rahmenbedingungen

sowie die Charakteristika und die Häufigkeit von Schichtarbeit dargestellt...

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Schichtarbeit Das Thema ''Schichtarbeit'' rückt zunehmend in den Fokus der Präventionsarbeit der gesetzlichen Unfallversicherung. Dies ist sicherlich auch bedingt durch die Zunahme von Schichtarbeit aufgrund durchgehender Produktionsabläufe und aufgrund des erhöhten Bedarfs am ''Rund-um-dieUhr-Service'' im Dienstleistungsbereich. Zudem zeigen immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen die möglichen negativen Konsequenzen der Schichtarbeit auf. Im vorliegenden Report werden die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Charakteristika und die Häufigkeit von Schichtarbeit dargestellt. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu medizinischen und sozialen Effekten der Schichtarbeit und ihre Auswirkungen auf Arbeitsunfälle werden anhand von Literaturanalysen aufbereitet. Darüber hinaus werden Empfehlungen zum Umgang mit Schichtarbeit vorgestellt. Forschungslücken und Konsequenzen für die Präventionsarbeit werden diskutiert. Die Arbeitszeit der Nacht- und Schichtarbeitnehmer ist laut gesetzlicher Regelungen nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen. Somit ist die Qualität der gesetzlichen Regelung abhängig von der Qualität und den Erkenntnissen der Arbeitswissenschaften. Hier lässt sich festhalten, dass sich Schichtarbeit auf physiologische Prozesse wie z.B. Schlaf auswirkt. Die Untersuchungsergebnisse sind aber hinsichtlich der Auswirkungen auf Übergewicht, Magen-/Darm-Erkrankungen, Herz-/Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs nicht immer eindeutig. Schichtarbeit hat auch deutliche Konsequenzen für das Sozial- und Privatleben. Als ausreichend gesichert kann gelten, dass die Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit das Unfallrisiko beeinflussen. Umsetzung der Arbeitszeitrichtlinie zum Schutz der Nacht- und Schichtarbeiter Arbeitszeitgesetz Arbeitszeitregelungen Arbeitsschutz im internationalen Vergleich Zahlreiche Beschäftigte im Gesundheitswesen, im Handel und Gastgewerbe sowie in anderen Branchen arbeiten in einer 24-Stunden-Arbeits- und -Dienstleistungswelt. Ökonomische und gesellschaftliche Veränderungen führen dazu, dass dabei die Arbeitszeiten immer weiter in die Abendund Nachtstunden und Wochenenden ausgedehnt werden. Schichtarbeit kann zahlreiche Auswirkungen auf die Betroffenen haben. Schichtarbeiter, insbesondere Nachtschichtarbeiter, leiden oft unter Schlafstörungen, da ihr Tagesrhythmus weiterhin zu einem großen Teil von Faktoren wie Tageslicht bzw. sozialen und familiären Kontakten bestimmt wird. Schlafstörungen können auch zu einer Reihe von unspezifischen gesundheitlichen Effekten führen, zu denen neben Konzentrationsschwäche, Nervosität und vorzeitiger Ermüdung auch Appetitlosigkeit und Magenbeschwerden gehören. Verschiedene epidemiologische Studien diskutieren, ob Schichtarbeit an der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und psychischen Störungen beteiligt ist. Die möglichen Auswirkungen der Schichtarbeit sind somit vielfältiger Natur und bedürfen einer entsprechend komplexen Präventionsarbeit. Im vorliegenden Report wurden die gesetzlichen Regelungen zum Thema Schichtarbeit untersucht und der aktuelle Sachverstand hinsichtlich arbeitsschutzrelevanter Fragestellungen wurde zusammengetragen. Um das komplexe Phänomen ''Schicht arbeit'' angemessen bearbeiten zu können, waren alle drei Forschungsinstitute der DGUV - Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA), Institut für Arbeitsschutz (IFA) und Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) - sowie die Stabsstelle Prävention der DGUV an der Erstellung des Reports beteiligt. Aus den Ergebnissen der Recherchen leiteten die Autoren den möglichen Handlungsbedarf für Unfallversicherungsträger und Gesetzgeber ab und identifizierten die Forschungslücken. Der Report richtet sich an Präventionsexperten, Aufsichtspersonen, Sozialpartner, Wissenschaftler und Unternehmen mit Schichtarbeit. Sie können den Report als Referenz und Handlungshilfe nutzen. So bietet der Report eine aktuelle Übersicht zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, bietet aber auch einen Überblick über vorhandene Handlungshilfen. Nacht- und Schichtarbeit sind nach unserer Rechtsordnung dem Grunde nach zulässig - dies belegt sowohl ein Blick in europäisches wie nationales Recht. Geprägt werden Nacht- und Schichtarbeit im Wesentlichen durch die Aspekte ''Dauer, Lage, Verteilung und Rhythmus der Arbeitszeit''. Die Ausgestaltung von Nacht- und Schichtarbeit im Einzelnen ist folglich eine Frage von ''Arbeitszeitregelung''. Das Recht, Arbeits(zeit)regelungen vorzunehmen, steht gemäß § 106 Gewerbeordnung dem Arbeitgeber zu: ''Der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen.'' Seit seiner Schaffung ist das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) der (richtige) Standort arbeitsrechtlicher Bestimmungen - die Gewerbeordnung hingegen enthielt schon immer öffentlich-rechtliche Regelungen. Dennoch hat der Gesetzgeber bei Änderung der Gewerbeordnung zum 1. Januar 2003 den ausdrücklichen Hinweis auf das Direktionsrecht in der Gewerbeordnung belassen und damit an der an sich systemwidrigen Aufsplittung festgehalten. Die Kodifikation des arbeitgeberseitigen Direktionsrechts hat jedoch nur deklaratorische Bedeutung, da das Weisungsrecht des Arbeitgebers (quasi als Pendant zur Fürsorgepflicht) dem Arbeitsvertrag immanent ist. Es erschließt sich von selbst, dass das einseitige Leistungsbestimmungsrecht des Arbeitgebers nicht unbegrenzt greifen kann. Demgemäß heißt es in § 106 Gewerbeordnung weiter: ''das Recht zur Arbeitszeitregelung besteht nur, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anzuwendenden Tarifvertrages oder gesetzlicher Vorschriften festgelegt sind.'' Arbeitszeitrecht ist ein besonderer Teil des Arbeitsschutzrechts, welches natürlich auch und insbesondere für Nacht- und Schichtarbeiter gilt. So hat bereits das Bundesverfassungsgericht 1 (BVerfG) in seinem Grundsatzurteil betont, dass ''Nachtarbeit grundsätzlich für jeden Menschen schädlich ist.'' In dieser Entscheidung, die das zum damaligen Zeitpunkt geltende Nachtarbeitsverbot für Arbeitnehmerinnen als diskriminierend verworfen hat, bekräftigte das Bundesverfassungsgericht die Verpflichtung des Gesetzgebers, insbesondere wegen des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz (GG), Neuregelungen zum Schutz der Arbeitnehmer vor den gesundheitsschädlichen Folgen der Nachtarbeit zu erlassen. Im Weiteren wird aufgezeigt, welche rechtlichen Regelungen (i.w.S.) aktuell sowohl auf der europarechtlichen Ebene wie auch im nationalen Bereich existieren. Es geht um Regelungen, die dem Schutz der Nachtarbeiter, aber auch dem Schutz der Schichtarbeiter dienen, indem sie das Recht des Arbeitgebers auf Gestaltung der Arbeitszeit einschränken und/oder (Rechts-) Folgen für den Fall zulässiger/unzulässiger Nacht- bzw. Schichtarbeit festschreiben Merkmale der Schichtarbeit Schichtprämie Schichtarbeit und gesundheitliche Effekte Schlaf-Wach-Zyklus des Menschen Schlafstörungen Während die direkten Auswirkungen der Schichtarbeit auf die physische und psychische Gesundheit der Arbeitenden mittlerweile intensiv erforscht werden, zeigt sich ein anderes Bild, wenn man versucht, den Blickwinkel darüber hinaus zu öffnen. Dass Schichtarbeit dem gesellschaftlichen Rhythmus zuwider läuft und es in Folge dessen für Schichtarbeiter schwieriger ist, öffentlichen Freizeitangeboten nachzugehen oder auch Termine mit ''Normalzeit-Arbeitenden'' zu vereinbaren, findet in den meisten Abhandlungen zu diesem Thema noch seine Erwähnung. Forschungen, die über diese deskriptive Erfassung einer erhöhten Gefahr sozialer Desynchronisation hinaus gehen und sich etwa mit spezifischen Bewältigungsstrategien befassen, sind dagegen schwer zu finden (Beermann, 2008). Geradezu aussichtslos gestaltet sich die Situation für diejenigen, welche nach Langzeitstudien Ausschau halten, in denen die sozialen Folgen für Familien- und Freizeitleben von Arbeitenden im Schichtbetrieb erforscht werden. Im Rahmen dieses Kapitels sollen die indirekten Auswirkungen der Schichtarbeit näher betrachtet und dort, wo dies nach dem derzeitigen Stand der Forschung nicht möglich ist, existierende Lücken aufgezeigt werden. Das Arbeiten zu flexiblen Zeiten hat jedoch nicht nur Nach-, sondern auch Vorteile. Je nach individueller Lebenslage können letztere ausschlaggebend für die Aufnahme eines Berufes mit Schichtarbeit sein und sollten daher ebenfalls Beachtung finden ...

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