Elterngeld-Monitor (Studie)

Im Rahmen des Projektes Elterngeld-Monitor wurden

die Wirkungen des Gesetzes zum Elterngeld und zur Elternzeit evaluiert...

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Elterngeld-Monitor Entwicklungen zur Zeit der Elterngeldeinführung und Änderung der Anreize durch das Elterngeld Einkommenssituation von Familien im Jahr nach der Geburt: Verbesserungen durch das Elterngeld Mehr Müttererwerbstätigkeit, früherer Wiedereinstieg: Entwicklungen und kausale Effekte durch das Elterngeld Bewertung und langfristige Einkommenseffekte Beteiligung der Väter an der Elternzeit Das Elterngeld hat die Einkommen von Familien nach der Geburt erhöht und dazu geführt, dass die Erwerbsbeteiligung von Müttern mit Kindern im zweiten Lebensjahr gestiegen ist. Es hat die Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung in der ersten Zeit nach der Geburt eines Kindes gestärkt. Es entfaltet damit die ihm vom Gesetzgeber zugedachten Wirkungen. Das Monitoring zeigt, dass es damit zugleich die Chancen von Müttern aller Einkommensgruppen angleicht, sich zunächst - und nun gemeinsam mit dem Partner - intensiv um ihre Kinder kümmern zu können und dennoch den Anschluss im Beruf nicht zu verlieren. Im Rahmen des Projektes ''Elterngeld-Monitor'' hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das DIW Berlin beauftragt, die Wirkungen des Gesetzes zum Elterngeld und zur Elternzeit (Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz - BEEG) zu evaluieren. Das Elterngeld wurde am 1. Januar 2007 eingeführt und hat das bis dahin geltende Erziehungsgeld abgelöst. Das Elterngeld ist eine neuartige Leistung. Es wird Müttern und Vätern gezahlt, die im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder einschränken, orientiert sich individuell an ihrem vor der Geburt erzielten Einkommen und beträgt maximal 1.800 Euro, minimal 300 Euro im Monat. Das Elterngeld ermöglicht damit allen Eltern, sich nach der Geburt eines Kindes ohne größere finanzielle Einbußen für die Familie Zeit zu nehmen, während das Erziehungsgeld als pauschalierte Transferleistung ganz überwiegend nur den Haushalten mit niedrigem Einkommen einen Schonraum über den gesamten möglichen Zeitraum gewährte. Das Elterngeld wird grundsätzlich bis zu 14 Monate nach der Geburt gewährt - im Gegensatz zum Erziehungsgeld, das bis zu zwei Jahre lang ausgezahlt werden konnte. Dauer und Höhe des Elterngeldes sollen dazu beitragen, dass es beiden Elternteilen nach der Betreuungszeit auch durch den früheren Wiedereinstieg der Mütter besser gelingt, ihre wirtschaftliche Existenz aus eigener Kraft und dauerhaft zu sichern. Durch seine Höhe will es - ebenfalls im Gegensatz zum Erziehungsgeld, das fast ausschließlich von Müttern bezogen wurde und dazu führte, dass Väter das Recht auf Elternzeit nicht nutzten - auch Väter in ihrem Wunsch unterstützen, sich mehr Zeit für die Familie zu nehmen, denn sie verdienen meist mehr als ihre Partnerinnen. Das Elterngeld versteht sich so auch als ein Schritt zur Gleichberechtigung von Müttern und Vätern in Familie und Beruf. Mit dem Elterngeld folgt der Gesetzgeber in neuer Form dem verfassungsrechtlich vorgegebenen staatlichen Auftrag, die Rahmenbedingungen dafür zu verbessern, dass Mütter wie Väter mit ihren Kindern ihre jeweils gewählten Formen des Miteinanderlebens und Füreinandersorgens verwirklichen können. Im Gegensatz zum Erziehungsgeld, das zuletzt umgerechnet 2,9 Milliarden Euro beanspruchte, kostet das Elterngeld den Staat jährlich 4,7 Milliarden Euro, unter Berücksichtigung der Anrechnungen des Elterngeldes auf Transferansprüche, die allein während des Bezugsjahres eintreten, sind seine effektiven fiskalischen Kosten allerdings deutlich niedriger auf rund 3,2 Milliarden Euro zu beziffern. Ein Teil des Elterngeldes trägt sich also schon selbst, ohne dass hierbei die langfristigen positiven Effekte im Hinblick auf die Müttererwerbstätigkeit berücksichtigt sind. Das Elterngeld hat ausweislich der Gesetzesbegründung drei wesentliche Ziele: Zum Ersten soll für Eltern in der Frühphase der Elternschaft ein Schonraum geschaffen werden, damit Familien ohne finanzielle Nöte in ihr Familienleben hineinfinden und sich vorrangig der Betreuung ihrer Kinder widmen können. Zum Zweiten ist es ein erklärtes Ziel des Elterngeldes, dahingehend zu wirken, dass es beiden Elternteilen gelingt, ihre wirtschaftliche Existenz mittel- und langfristig eigenständig zu sichern, insbesondere auch durch einen schnelleren beruflichen Wiedereinstieg durch mehr Mütter. Das dritte Ziel des Elterngeldes ist es schließlich, die Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung zu stärken. Das Monitoring widmet sich der Frage, ob und inwieweit das Elterngeld diese drei Ziele erreicht hat. Im Einzelnen interessieren dabei vor allem die Auswirkungen des Elterngeldes auf die Einkommenshöhe von Familien im ersten Lebensjahr des Kindes, das Erwerbsverhalten von Müttern nach der Geburt eines Kindes und die Väterbeteiligung in Zusammenhang mit dem beruflichen Wiedereinstieg der Mütter. Mögliche Entwicklungen der Fertilität sind nicht Gegenstand der Untersuchung, sie sind nicht Gesetzesziel. Zudem lehrt der internationale Vergleich, dass familienpolitische Faktoren zwar grundsätzlich auf die Fertilität wirken können, entsprechende Effekte aber häufig mit erheblicher Zeitverzögerung eintreten bzw. gemessen werden können. 3 Für entsprechende Untersuchungen müssten Daten verfügbar sein, welche die Kohortenfertilität der vom Elterngeld betroffenen Kohorten messen. Das Elterngeld bietet Eltern, die vor der Geburt nicht oder in geringerem Umfang erwerbstätig waren oder nur ein geringes Einkommen erzielt haben, einen Sockelbetrag und eine Geringverdienerkomponente. Der Sockelbetrag umfasst 300 Euro und steht denjenigen Eltern zu, die vor der Geburt nicht erwerbstätig waren. Die Geringverdienerkomponente bewirkt, dass die Ersatzrate des Elterngelds bei einem Verdienst von unter 1.000 Euro mehr als 67 Prozent beträgt und bis zu 100 Prozent ansteigen kann. Knapp ein Fünftel aller Familien mit Elterngeldbezug profitiert von dieser Geringverdienerkomponente. Zudem erhält rund ein Viertel aller Familien ein höheres Elterngeld aufgrund des Geschwisterbonus. Es zeigt sich auch: Der Anteil der Haushalte, die neben dem Elterngeld Transfereinkommen beziehen, ist durch die Einführung des Elterngeldes von 38,4 Prozent um fast zwei Prozentpunkte auf 36,6 Prozent gesunken. Geschwisterbonus Die Partnermonate im Zusammenwirken mit dem Einkommensersatz sind eine zentrale Komponente des Elterngeldes, da sie gezielt Anreize setzen, dass beide Elternteile Elternzeit in Anspruch nehmen. Seit Einführung des Elterngeldes ist der Anteil der Väter, die sich mit mindestens zwei Monaten an der Betreuung ihrer Kinder beteiligen, kontinuierlich gestiegen und liegt mittlerweile laut Elterngeldstatistik bei bundesweit durchschnittlich 25 Prozent. Väter nehmen im Schnitt dreieinhalb Monate lang das Elterngeld in Anspruch. Ein Viertel von ihnen nimmt eine längere Auszeit für die Familie. Die Analysen zeigen, dass Väter die Elternzeit auch tatsächlich nutzen, um ihr Kind zu betreuen: Im Durchschnitt verbringen Väter in Elternzeit an einem Werktag sieben Stunden mit ihrem Kind, während Väter, die nicht in Elternzeit sind, ihr Kind weniger als drei Stunden pro Tag betreuen. Für das Wochenende finden sich keine signifikanten Unterschiede bei der Kinderbetreuung zwischen Vätern mit und ohne Elternzeit. Ergänzt man diese Information um Daten zur Kinderbetreuung durch die Mutter, sieht man, dass Mütter, deren Partner in Elternzeit sind, werktags weniger Zeit mit Kinderbetreuung verbringen (rund sieben Stunden) als Mütter, deren Partner nicht in Elternzeit (rund 12 Stunden) ist. Dies spricht dafür, dass Mütter in der Zeit, in der ihr Partner in Elternzeit ist, erwerbstätig sind. Denn in der Tat haben Mütter, deren Partner in Elternzeit ist, eine mehr als doppelt so hohe Erwerbsquote (36 Prozent) wie Mütter, deren Partner (gerade) nicht in Elternzeit ist (17 Prozent). Dieser signifikante Unterschied deutet darauf hin, dass viele Mütter, deren Partner in Elternzeit ist, diese Zeit für den Wiedereinstieg in den Beruf nutzen und beide Partner einander unterstützen. Das Elterngeld hat die Einkommen von Familien nach der Geburt erhöht und dazu geführt, dass die Erwerbsbeteiligung von Müttern mit Kindern im zweiten Lebensjahr gestiegen ist. Es hat die Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung in der ersten Zeit nach der Geburt eines Kindes gestärkt. Es entfaltet damit die ihm vom Gesetzgeber zugedachten Wirkungen. Das Monitoring zeigt, dass es damit zugleich die Chancen von Müttern aller Einkommensgruppen angleicht, sich zunächst - und nun gemeinsam mit dem Partner - intensiv um ihre Kinder kümmern zu können und dennoch den Anschluss im Beruf nicht zu verlieren. Im ersten Jahr ist das Haushaltsnettoeinkommen für Familien seit Einführung des Elterngeldes im Durchschnitt um rund 400 Euro pro Monat gestiegen. Die Erwerbsquoten von Müttern mit Kindern im ersten Lebensjahr sind um rund zwei Prozentpunkte gesunken. Ein Schonraum existierte vor 2007 faktisch nur für Mütter und Kinder mit geringeren Einkommen. Durch die Einführung des Elterngeldes profitieren nun auch Kinder von Müttern mit höherem Einkommen von der engen Betreuung durch Mutter und/oder Vater. Die Väter in Elternzeit nutzen nun die Zeit für die Kinderbetreuung und erleichtern ihren Partnerinnen eine frühere Rückkehr in die Erwerbstätigkeit. Mütter, deren Partner in Elternzeit ist, haben eine mehr als doppelt so hohe Erwerbsquote (36 Prozent) wie Mütter, deren Partner (gerade) nicht in Elternzeit ist (17 Prozent). Im zweiten Lebensjahr des Kindes dagegen entfaltet das Elterngeld seine Anreize zur Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit für alle Eltern, und zwar insbesondere für Mütter mit niedrigen Einkommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Mütter, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben, wieder eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, ist aufgrund des Elterngeldes signifikant gestiegen. Die höchsten Effekte finden sich hier für Mütter mit niedrigem Einkommen (plus 2,5 Prozentpunkte) und für Mütter in Ostdeutschland (plus zwei Prozentpunkte). Doch sogar für die Mütter mit höheren Erwerbseinkommen hat sich durch das Elterngeld die Wahrscheinlichkeit etwas erhöht, im zweiten Jahr nach der Geburt wieder erwerbstätig zu sein, obwohl es für sie bereits mit dem Erziehungsgeld, das ihnen im zweiten Jahr nicht zugutekam, erhebliche Rückkehranreize gab. Insgesamt ist aufgrund des Elterngeldes der Anteil der Frauen, die im 2. Lebensjahr ihres Kindes eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, um rund 4 Prozent (3,6 Prozent) gestiegen. In der Gesamtbetrachtung beider Jahre zeigt sich: Obwohl aufgrund des Elterngeldes mehr Mütter im ersten Jahr zu Hause bleiben, wird dieser Effekt durch die positiven Erwerbsanreize im zweiten Lebensjahr für viele Gruppen überkompensiert. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn das gesamte Arbeitsvolumen betrachtet wird. Das Elterngeld erreicht damit sein Ziel, dazu beizutragen, dass sich mehr Mütter eine dauerhafte, eigene wirtschaftliche Existenz sichern können. Eine kürzere Erwerbsunterbrechung führt im Lebensverlauf zu längeren Erwerbsbiografien von Frauen und damit zu höheren Einkommen, zu besseren Karrierechancen und insgesamt einer besseren Alterssicherung. Im Vergleich zu anderen tatsächlichen oder diskutierten Reformen im Bereich der Familienund Sozialpolitik können die Effekte, die mit der Einführung des Elterngeldes verbunden sind, als relativ groß eingeordnet werden. Studien, die auf ähnlichen Methoden basieren und radikale Reformen im Bereich der Kindertagesbetreuung untersuchen (Abschaffung aller Elternbeiträge für Kindertagesbetreuungseinrichtungen bzw. Ausbau der Betreuungsplätze für 100 Prozent der Kinder unter drei Jahren) finden für solche Reformen Steigerungen der Partizipationsquote von Müttern mit Kindern unter drei Jahren in ähnlicher Größenordnung. Hinzu kommt, dass hier nur kurzfristige Effekte identifiziert und mögliche grundlegende Änderungen der Präferenzen nicht abgebildet werden können. Ein möglicher längerfristiger sozialer Prozess, selbst wenn er nach so einer kurzen Zeit schon vorhanden wäre, kann mit den angewandten Methoden nicht identifiziert werden. In diesem Sinne sind die hier präsentierten Ergebnisse als Untergrenze zu verstehen ...

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