Faktoren bei der Rückkehr in den Beruf

Kulturelle und strukturelle Faktoren bei der Rückkehr in den Beruf.

Ostdeutsche, westdeutsche und ost-west-mobile Mütter im Vergleich...

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Kulturelle und strukturelle Faktoren bei der Rückkehr in den Beruf Mütter im Vergleich Am Beispiel des wiedervereinigten Deutschlands zeigt dieser Beitrag, welche Unterschiede in den Erwerbsunterbrechungsdauern von Müttern in Ost- und Westdeutschland bestehen. Empirisch betrachten wir das Rückkehrverhalten nach Erstgeburten im Zeitraum von 1992 bis 2009. In dieser Zeit gelten in Ost- und Westdeutschland gleiche Elternzeit- und Elterngeldgesetze, während sich kulturelle Orientierungen hinsichtlich der Mutterrolle unterscheiden. Unser Vergleich erlaubt deshalb Rückschlüsse auf die relative Bedeutung von strukturellen und kulturellen Faktoren, die individuelle Erwerbsunterbrechungen von Müttern rahmen. Ost-west-mobile Mütter, die im Osten geboren und aufgewachsen sind, aber ihr erstes Kind in Westdeutschland bekommen, nehmen hier eine analytische Schlüsselrolle ein. Wir testen drei kulturell bedingte Mechanismen, die das Verhalten der ost-west-mobilen Mütter, relativ zu den nichtmobilen Müttern vorhersagen: Selektion, Adaption und Sozialisation. Unsere Ergebnisse auf Basis des BASiD-Datensatzes zeigen, dass ost-west-mobile Mütter schneller als westdeutsche und langsamer als ostdeutsche Mütter in den Beruf zurückkehren. Wir finden erste Hinweise auf eine fortschreitende kulturelle Adaption bei den ostwest Mobilen. Je länger ost-west-mobile Mütter vor der Geburt ihres Kindes in Westdeutschland gelebt haben, umso mehr gleichen ihre Unterbrechungsdauern denen der westdeutschen Mütter. Innerhalb der Gruppe von Müttern, die in Ostdeutschland aufgewachsen sind, finden wir Hinweise auf sozialisationsbedingte Gemeinsamkeiten, die erst nach Kontrolle struktureller Kontextunterschiede sichtbar werden. Schlagwörter: Berufsmobilität, Mütter, Erwerbskarriere, Lebenslauf, Ereignisanalyse Untersuchungen über die individuellen Gründe, von den neuen in die alten Bundesländer bzw. umgekehrt zu ziehen, zeigen, dass ein großer Teil der Umzüge beruflich motiviert ist (Albani et al. 2006, Brähler/Mohr 2010). Mehr als 40 Prozent der ostwest- bzw. west-ost Mobilen geben berufliche Gründe als Umzugsmotivation an. Für ca. 30 Prozent der Befragten sind diese Wohnortswechsel privat motiviert und für 25 bis 30 Prozent gelten sowohl berufliche wie private Gründe (Brähler/Mohr 2010). Junge, unverheiratete und gut ausgebildete Menschen haben eine gegenüber dem Bundesdurchschnitt erhöhte Mobilitätswahrscheinlichkeit (Büchel/Schwarze 1994, Mai 2006). Die große Anzahl an Ost-West-Wanderungen von Frauen und von jungen Leuten wird zum einen in den mangelnden Beschäftigungsperspektiven in den neuen Bundesländern und zum anderen in der hohen Erwerbsorientierung ostdeutscher Frauen gesehen (Ralf/Roloff/Micheel 2007). Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass Wanderungen zwischen Ost- und Westdeutschland, speziell für Frauen mit psychischen und sozialen Belastungen verbunden sind (Albani et al. 2006). Ost-west-mobile Frauen geben an, weniger soziale Unterstützung zu erfahren und leiden häufiger an psychischen Beschwerden als west-ost-mobile oder immobile Frauen (Albani et al. 2006). Die zahlenmäßig häufigeren Wanderungen von Frauen von Ost nach West stehen im Folgenden im Fokus unserer theoretischen Überlegungen und empirischen Analysen. Für die Analyse der Forschungsfragen greifen wir auf die prozessproduzierten Daten der Deutschen Rentenversicherung (RV) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) zurück, die im Rahmen des Drittmittelprojekts ''Biografiedaten ausgewählter Sozialversicherungsträger in Deutschland (BASiD)'' zu einem Datensatz für die Forschung zusammengespielt worden sind. 7 Die BASiD-Daten beruhen auf den Meldungen zur Sozialversicherung und den Geschäftsprozessen beider Institutionen. Basisdatensatz ist die Versichertenkontenstichprobe der RV, die alle rentenrelevanten Informationen zu den Versicherten umfasst. Die Versichertenkontenstichprobe ist eine geschichtete Zufallsstichprobe mit disproportionalen Auswahlwahrscheinlichkeiten nach Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Versicherungszweig des aktuellen Kontoführers und Altersjahrgang, die 1983 aus dem sogenannten Stammsatzbestand gezogen wurde und seitdem als Panel fortgeschrieben wird (Stegmann 2008, Richter/Himmelreicher 2008, Hochfellner/Voigt/Budzak/Steppich 2009, Hochfellner/Müller/Wurdack 2011). Die Grundgesamtheit umfasst alle Versicherte zwischen 15 und 67 Jahren der RV, deren Versichertenkonto am 31.12. des Berichtsjahres 2007 nicht still- oder totgelegt ist (das betrifft z.B. Konten, die mehrfach vergeben wurden, vgl. Richter/Himmelreicher 2008), die versicherte Person nicht verstorben ist und rentenrechtliche Zeiten oder Boni aus dem Versorgungsausgleich enthält. Im Forschungsdatenzentrum (FDZ) der BA im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wurden die Daten der Versichertenkontenstichprobe mit den Daten der Bundesagentur für Arbeit verknüpft. 8 Der Datensatz umfasst Zeiten in Beschäftigung sowie dazu gehörige Betriebsinformationen, Zeiten in Arbeitslosigkeit, personenbezogene Merkmale sowie zahlreiche rentenrelevante Informationen wie z.B. Kindererziehungszeiten, Geburtsdaten der Kinder, Krankheitszeiten oder Informationen über Fremdrentenzeiten. Die Kinderbetreuungsquote wurde nur aller vier Jahre erhoben. Um die dazwischen liegenden Jahre adäquat zu füllen, wurde von einem linearen Ausbau der Kinderbetreuungsquote ausgegangen und für die Zwischenjahre die entsprechende Differenzen gebildet. Alter bei Geburt Erwerbsumfang Arbeitsmarkterfahrung Arbeitslosigkeitserfahrung Tagesentgelt Arbeitslosenquote Kinderbetreuungsquote ...

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