Geschlechtsneutralen Kommunikation für Personalverantwortliche und Unternehmen

Wundern Sie sich manchmal auch, warum sich nur wenig Frauen

auf technisch ausgerichtete Stellen bei Ihrem Unternehmen bewerben?

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Anregungen zur geschlechtsneutralen Kommunikation für Personalverantwortliche und Unternehmen Wundern Sie sich manchmal auch, warum sich nur wenig Frauen auf technisch ausgerichtete Stellen bei Ihrem Unternehmen bewerben? Glauben Sie, dass dies immer noch eine Männerdomäne ist? Oder dass es für diese Berufe einfach keine Frauen gibt? Aktuelle Statistiken zeigen jedoch, dass sich in technisch orientierten Berufen immer mehr Frauen ausbilden lassen und dabei meist besser abschneiden als ihre männlichen Kollegen. Frauen in technischen Berufen sind demnach eine Bereicherung für jedes Unternehmen. Warum bewerben sich diese Frauen dann nicht bei Ihnen? Oft ist es leider so, dass die Ausschreibungen für technische Berufe - bewusst oder unbewusst - nur Männer ansprechen. Damit beschneiden Sie allerdings Ihre personalpolitischen Möglichkeiten. Um für die Zukunft wettbewerbsfähig zu sein, können Sie es sich nicht leisten, diese hochqualifizierten Fachkräfte zu ignorieren. Was können Sie also tun, um auch diese wertvollen Mitarbeiterinnen zu erreichen? Wenn Sie technische Berufe ausschreiben: Achten Sie darauf, dass Sie Frauen und Männer gleichermaßen und gleichberechtigt ansprechen? Nur der Zusatz ''m/w'' oder das angehängte ''-in'' reicht bei Weitem nicht aus! Richten Sie Ihre komplette Kommunikation geschlechtsneutral1 aus. Mit einer geschlechtsneutralen Stellen­aus­schreibung ist der erste Schritt getan. Darüber hinaus ist es wichtig, Ihre komplette Außenkommunikation in Sprache und Bild geschlechtsneutral umzusetzen. Schließlich möchten Sie ein positives Image von Ihrem Unternehmen vermitteln und ausdrücken, dass Frauen und Männer gleichermaßen als Arbeitskräfte bei Ihnen willkommen sind. Nicht zuletzt sollten Sie Ihre interne Kommunikation auf den Prüfstand bringen. Denn nur, wer sich persönlich angesprochen fühlt, bringt auch die volle Leistung. Eine solche Ansprache wird als ''geschlechtsgerecht '' bezeichnet. Wie das geht, was geschlechtsneutrale und geschlechtsgerechte Sprache und Bildmotive sind und welche Vorteile Sie davon haben, wenn Sie so kommunizieren, wollen wir Ihnen mit diesem Leitfaden aufzeigen. Mit Beispielen aus der Praxis machen wir deutlich, wie schnell es passieren kann, dass sich nicht alle angesprochen fühlen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie dies vermeiden können. Natürlich bietet Ihnen der Leitfaden keine umfassende Erklärung zum ''Gender Mainstreaming3'' - dem Fachbegriff für diese Thematik. Vielmehr will er Ihnen Anregungen für die Praxis geben, wie Sie zukünftig geschlechtsneutral kommunizieren können. Geschlechtsneutral heißt, dass Frauen und Männer gleichermaßen und gleichzeitig angesprochen werden. Geschlechtsgerecht bedeutet, dass Frauen und Männer jeweils auf die für sie passende Weise angesprochen werden. Gender kommt aus dem Englischen und bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechterrollen von Frauen und Männern. Diese sind - anders als das biologische Geschlecht (engl. ''sex'') - erlernt und damit auch veränderbar. Mainstreaming (englisch für ''Hauptstrom'') bedeutet, dass ein bestimmtes Denkmuster, das bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zu einem zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird. Bevor wir Ihnen konkrete Tipps zur geschlechtsneutralen Formulierung und zur Verwendung geschlechtsneutraler Bildmotive geben, möchten wir nochmals hervorheben, worin die Vorteile für Sie und Ihr Unternehmen liegen, wenn Sie sich zukünftig geschlechtsgerechter Kommunikation bedienen: Wenn sich alle angesprochen fühlen sollen, reicht ''Mitmeinen'' nicht aus. Oft findet sich am Anfang oder am Ende eines Textes der Zusatz, dass zur Vereinfachung der Lesbarkeit nur die männliche Form verwendet wird, selbstverständlich aber auch die Frauen gemeint sind. Oft ist die Verwendung von nur einer Form üblich - meist der männlichen. Durch den bereits genannten Zusatz - die Generalklausel - sollen Frauen mit eingeschlossen werden. Es kommt allerdings dann zu Widersprüchen und logischen Brüchen, wenn doch nur Frauen gemeint sind. Dadurch entstehen häufig unsinnige Formulierungen wie ''der weibliche Rechtspraktikant'' oder ''der weibliche Teilnehmer''. Einfacher und eindeutiger sind die Formulierungen ''Rechtspraktikantin'' und ''Teilnehmerin''. Logische und unmissverständliche Formulierungen erreichen Sie durch klare Ansprache. Benutzen Sie für die Ansprache von Frauen die weibliche Form und die männliche Form für Männer. Wenn Sie Frauen und Männer gleichzeitig ansprechen, verwenden Sie entweder die neutrale Form oder beide Ansprachen - so vermeiden Sie Widersprüche. Sie vermitteln ein positives und zukunftsfähiges Image Ihres Unternehmens Unser Sprachgebrauch ist immer noch in hohem Maße von der traditionellen Vorstellung geprägt, dass es sich bei Tätigkeiten, die mit Status und Ansehen verbunden sind, um Männerdomänen handelt. So kennen wir Funktions- und Berufsbezeichnungen meist nur in der männlichen Form, zum Beispiel Entscheidungsträger, Amtsinhaber, Doktor oder Professor. Aber auch umgekehrt finden sich viele Beispiele: Berufe wie Krankenschwester - der Name ist hier Programm -, Sekretärin und Erzieherin bestehen meist in der weiblichen Form und sind in der traditionellen Vorstellung auch klassische Frauenberufe. Wenn Sie sich aber im wirklichen Leben umsehen, stellen Sie schnell fest, dass dadurch eine antiquierte Gesellschaft wiedergegeben wird. Mittlerweile gibt es genauso viele Akademikerinnen wie Akademiker, zunehmend mehr weibliche Führungskräfte und auch in den ''klassischen Frauenberufen'' finden sich mittlerweile mehr Männer. Nur eine geschlechtsgerechte Kommunikation ist eine zeitgemäße Kommunikation und wirklichkeitsgetreu. Passen Sie Ihre Sprache den gesellschaftlichen Gegebenheiten an. Dann wird Ihr Unternehmen positiv und zukunftsfähig wahrgenommen. Vorteil 4 Sie haben eine grössere Auswahl an qualifizierten Arbeitskräften Die meisten Stellenanzeigen richten sich - auf den ersten Blick - nur an Männer. Dieser erste Blick aber entscheidet, ob eine bewusste Wahrnehmung überhaupt stattfindet. Frauen werden sich hier unbewusst abwenden, weil sie sich nicht angesprochen fühlen. Fatal: Dieses Missverständnis kann durch Zusätze im Anzeigentext nicht mehr richtig gestellt werden! Die Folge: Nur sehr wenige oder gar keine Frauen werden sich auf eine solche Stellenanzeige hin bewerben und es gehen Ihnen somit wertvolle Bewerberinnen verloren. Möchten Sie ALLE qualifizierten Arbeitskräfte ansprechen, dann muss Ihre Stellenausschreibung schon auf den ERSTEN Blick geschlechtsneutral sein. Nur so können Sie sicher sein, dass sich auf Ihre Stellenanzeige auch wirklich alle qualifizierten Kräfte bewerben! Das vorangegangene Kapitel hat gezeigt, dass Unternehmenskommunikation, wenn sie innovativ und zukunftsfähig sein soll, geschlechtsneutral bzw. geschlechtsgerecht sein muss. Außerdem vermeidet eine solche Kommunikation Widersprüche und logische Brüche. Und - vielleicht für Ihr Unternehmen der wichtigste Punkt - nur mit dieser Art der Kommunikation sprechen Sie potenzielle und bereits beschäftigte Arbeitskräfte gleichermaßen an und bekommen so die besten und leistungsfähigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter! Kommunikation setzt sich im Wesentlichen aus zwei Komponenten zusammen: Bilder und Sprache. Beide Bereiche müssen so aufbereitet werden, dass sie Männer UND Frauen ansprechen. Sollte aus Platzgründen oder aufgrund einer guten Lesbarkeit die Verwendung der vollständigen Paarform (vgl. Punkt 1) nicht möglich sein, so empfehlen wir die Verwendung des sogenannten Binnen-Is, zum Beispiel MitarbeiterIn. Das Binnen-I stellt die einfache, effiziente und platzsparende Form einer Verkürzung dar. Formulierungen wie Lehrer/-in bzw. Lehrer(in) sind keine adäquaten Schreibweisen, da sie die weibliche Form als Anhängsel, Abweichung oder weniger wichtig darstellen. Auch die bereits vorgestellten Generalklauseln (vgl. Vorteil 1) erfüllen nicht den Anspruch einer geschlechtsgerechten Kommunikation. Hier ist das Binnen-I der einzig gangbare und empfehlenswerte Weg. Ein korrekter formaler Sprachgebrauch ist schon einmal die halbe Miete. Damit die Botschaft ''Wir sind offen für Frauen'' auch wirklich ankommt, ist es wichtig, ebenso die inhaltliche Komponente einer Prüfung zu unterziehen. Insbesondere bei technisch orientierten Berufen befinden wir uns in folgender Ausgangslage: Technik ist in unserer Vorstellungswelt noch immer eine Männerdomäne. Frauen und Männer haben eine unterschiedliche Einstellung gegenüber Technik. Vereinfacht ausgedrückt: Während Männer die Technik beherrschen möchten, wollen sich Frauen ihrer bedienen. Dies führt dazu, dass technische Berufe meist als für Männer prädestiniert beschrieben werden, weil man davon ausgeht, dass Männer ein sozusagen ''angeborenes'' Interesse für Technik besitzen. in der Beschreibung dieser Berufe oder Stellen meist die Technik stark hervorgehoben wird. oft Inhalte vermittelt werden, die implizieren, dass die Technik beherrscht oder sogar besiegt werden muss. In solchen Beschreibungen finden sich Frauen allerdings nicht wieder und fühlen sich daher auch nicht angesprochen. Die Folge: Es bewerben sich wenig Frauen auf technische Stellen und, was noch viel schlimmer ist, es bewerben sich fast keine Mädchen für technisch ausgerichtete Ausbildungsplätze. Wenn Sie das für Ihr Unternehmen ändern wollen, sollten Sie folgende Anregungen für die inhaltliche Gestaltung von Stellen- und Ausbildungsbeschreibungen beachten ...

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