Steuertipps für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse (Hessen)

Dieses Faltblatt informiert Sie kurz

und übersichtlich über die steuerlich geltenden Regelungen...

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Steuertipps für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwerkerleistungen in privaten Haushalten im privaten Haushalt fallen viele Kosten an. Sie als Arbeitgeber bzw. Auftraggeber können davon bestimmte Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwerkerleistungen steuerlich absetzen. Die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen soll insbesondere älteren Menschen helfen, die im Alltag der persönlichen Unterstützung durch Dritte bedürfen, zum Beispiel zur Pflege und Betreuung. Die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen begünstigt Aufwendungen für Arbeiten, die meist von den regionalen mittelständischen Handwerksbetrieben in Ihrem Haushalt erbracht werden. Dieses Faltblatt informiert Sie kurz und übersichtlich über die steuerlichen Regelungen und die Anspruchsvoraussetzungen. 1. Welche Maßnahmen werden gefördert? Privatpersonen mit Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen oder für Handwerkerleistungen können hierfür eine Steuerermäßigung erhalten. Begünstigt sind haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen, die im eigenen Haushalt oder - bei Pflege- und Betreuungsleistungen - im Haushalt der gepflegten oder betreuten Person ausgeübt oder erbracht werden. Der Haushalt muss im Inland oder in einem anderen Land der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums liegen. a) Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und haushaltsnahe Dienstleistungen Haushaltsnah sind Tätigkeiten, die einen engen Bezug zum Haushalt haben und gewöhnlich durch dort wohnende Personen erbracht werden und für die fremde Dritte beschäftigt werden oder für die eine Dienstleistungsagentur oder ein selbständiger Dienstleister in Anspruch genommen wird. Dazu gehören z.B.: die Zubereitung von Mahlzeiten in der hauseigenen Küche, die Reinigung der Wohnung (z.B. Fensterreinigung), Gartenpflegearbeiten (z.B. Rasenmähen oder Heckenschneiden) oder die häusliche Pflege, Versorgung und Betreuung von kranken, älteren und pflegebedürftigen Menschen. Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen zählt auch die einer Hilfe im Haushalt vergleichbare Tätigkeit bei Unterbringung in einem Heim. Begünstigt sind z.B. die anteiligen Aufwendungen für die Reinigung des Zimmers, die Reinigung der Gemeinschaftsflächen sowie das Zubereiten/Servieren von Mahlzeiten. Das Vorhandensein eines eigenen Haushalts im Heim ist insoweit nicht erforderlich. Bitte beachten Sie: Nicht begünstigt sind privater Unterricht (z.B. Sprachunterricht oder Nachhilfe), sportliche Aktivitäten oder andere Freizeitbetätigungen. Ebenso wird für personenbezogene Dienstleistungen (z.B. Frisör- oder Kosmetikerleistungen) keine Steuerermäßigung gewährt, es sei denn diese Dienstleistungen gehören zu den Pflege- und Betreuungsleistungen und sind im Leistungskatalog der Pflegeversicherung aufgeführt. Die Höhe der steuerlichen Förderung hängt von der Art der Beschäftigung ab, in deren Rahmen die haushaltsnahe Tätigkeit erbracht wird. Bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen (den so genannten Minijobs): Die Steuerermäßigung beträgt 20 Prozent der begünstigten Aufwendungen, höchstens 510 Euro jährlich. Bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen oder bei Erbringung durch selbständige Dienstleister oder Dienstleistungsagenturen: Die Steuerermäßigung beträgt 20 Prozent der begünstigten Aufwendungen, höchstens 4.000 Euro jährlich. b) Handwerkerleistungen Steuerlich begünstigt sind alle handwerklichen Tätigkeiten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die in einem inländischen, in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum liegenden Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden. Hierzu zählen z.B.: Arbeiten an Innen- und Außenwänden oder am Dach, Modernisierung des Badezimmers, Erneuerung von Bodenbelägen, Türen oder Fenstern, Pflasterarbeiten auf dem Wohngrundstück, Reparatur oder Wartung von Haushaltsgegenständen vor Ort (z.B. Fernseher oder Waschmaschine) oder die Leistungen des Schornsteinfegers. Die steuerliche Förderung beträgt 20 Prozent der Aufwendungen, höchstens 1.200 Euro jährlich. Bitte beachten Sie: Aufwendungen, die im Rahmen einer Neubaumaßnahme anfallen, können nicht von der Steuerschuld abgezogen werden. Dazu zählen alle Baumaßnahmen, die im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushalts bis zu dessen Fertigstellung anfallen. Außerdem wird die Steuervergünstigung nicht gewährt, wenn die Maßnahme bereits durch ein zinsverbilligtes Darlehen oder einen steuerfreien Zuschuss öffentlich gefördert wurde. Weitergehende Informationen: Auf den Internetseiten des Hessischen Ministeriums der Finanzen (www.finanzen.hessen.de) steht Ihnen unter der Rubrik ''Presse/Publikationen'' eine umfangreiche tabellarische Übersicht begünstigter und nicht begünstigter haushaltsnaher Dienst- und Handwerkerleistungen zum Abruf zur Verfügung. 2. Wer kann die Förderung in Anspruch nehmen? Die Steuerermäßigungen kann in Anspruch nehmen, wer Arbeitgeber des geringfügigen oder sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses bzw. Auftraggeber der haushaltsnahen Dienstleistung oder Handwerkerleistung ist. Eine Inanspruchnahme der Steuerermäßigungen ist außerdem möglich, wenn sich der eigenständige und abgeschlossene Haushalt in einem Heim (z.B. Altenheim oder Pflegeheim) oder Wohnstift befindet. Wohnungseigentümer bzw. Mieter können von der Steuerermäßigung profitieren, sofern die auf den einzelnen Wohnungseigentümer und Mieter entfallenden Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen sowie für Handwerkerleistungen entweder in der Jahresabrechnung gesondert aufgeführt oder durch eine Bescheinigung des Verwalters oder Vermieters nachgewiesen sind. Weitergehende Informationen: Auf den Internetseiten des Hessischen Ministeriums der Finanzen (www.finanzen.hessen.de) steht Ihnen unter der Rubrik ''Presse/Publikationen'' das Muster einer Bescheinigung für Verwalter bzw. Vermieter zum Abruf bereit. 3. In welchem Umfang wird gefördert? Bei einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis (so genannter Minijob) zählt das Arbeitsentgelt zuzüglich der hierauf entfallenden pauschalen Abgaben zu den begünstigten Aufwendungen. Die von der zentralen Einzugsstelle (Minijob-Zentrale) zum Jahresende erteilte Bescheinigung dient als Nachweis für die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung. Bei einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zählen der Bruttoarbeitslohn sowie die Sozial- und Unfallversicherungsbeiträge zu den begünstigten Aufwendungen. Das Beschäftigungsverhältnis und die Zahlung sind durch geeignete Unterlagen nachzuweisen (z.B. Lohnunterlagen, Beitragsabrechnungen etc.). Bei haushaltsnahen Dienst-, Pflege- und Handwerkerleistungen sind nur die Arbeitskosten (also der Arbeitslohn) einschließlich der in Rechnung gestellten Maschinen- und Fahrtkosten sowie des hierauf entfallenden Teils der Umsatzsteuer begünstigt. Der Anteil der Arbeitskosten muss grundsätzlich anhand der Angaben in der Rechnung gesondert ermittelt werden können. Wichtig: Materialkosten oder sonstige im Zusammenhang mit der Leistung gelieferte Waren (z.B. Fliesen, Tapeten, Farbe, Pflastersteine oder Pflegebett) bleiben außer Ansatz. Die Steuerermäßigung kann zudem nur in Anspruch genommen werden, soweit die Aufwendungen nicht Betriebsausgaben oder Werbungskosten darstellen und soweit diese nicht vorrangig als Sonderausgaben oder aussergewöhnliche Belastungen berücksichtigt worden sind. Außerdem ist eine Berücksichtigung ausgeschlossen, wenn die Aufwendungen dem Grunde nach Kinderbetreuungskosten darstellen. Aufwendungen, die in Verbindung mit Versicherungsschadensfällen entstehen, können nur gefördert werden, soweit sie nicht von dritter Seite erstattet werden. Beispiel: Bei einem teilweise zu eigenen Wohnzwecken genutzten und teilweise fremdvermieteten Haus werden die Fenster ausgetauscht. Eine Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen kann nur für den zu eigenen Wohnzwecken genutzten Teil des Gebäudes in Anspruch genommen werden. Es sind die Arbeitskosten sowie die Fahrtkosten des Handwerkers einschließlich des hierauf entfallenden Teils der Umsatzsteuer begünstigt. Für die auf den vermieteten Teil entfallenden Aufwendungen kommt ein Werbungskostenabzug bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung in Betracht. 4. Welche Nachweise sind erforderlich? Sie müssen für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten haben und die Zahlung muss per Überweisung, durch Einzugsermächtigung oder im Wege des Online-Bankings beglichen worden sein. Es ist ausreichend, wenn Sie diese Nachweise auf Verlangen des Finanzamtes vorlegen können. Barzahlungen, Baranzahlungen oder Barteilzahlungen können steuerlich nicht berücksichtigt werden. 5. Wie kann die Förderung geltend gemacht werden? Die Förderung können Sie in der Einkommensteuererklärung beantragen. Die Aufwendungen können aber auch bereits im Lohnsteuerabzugsverfahren durch einen Freibetrag berücksichtigt werden, wenn Sie hierfür bei Ihrem Wohnsitzfinanzamt einen ''Antrag auf Lohnsteuerermäßigung'' stellen. 6. Tabellarische Übersicht über die Fördermöglichkeiten Haushaltsnahe Minijobber Haushaltsnahe sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen und Pflege- und Betreuungsleistungen Summe dieser Aufwendungen Handwerkerleistungen Leben Alleinstehende, Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner ganzjährig in einem Haushalt zusammen, können die vorgenannten Höchstbeträge insgesamt nur einmal in Anspruch genommen werden. 7. Berechnungsbeispiele Beispiel 1 Eine Reinigungskraft wird im Rahmen eines Minijobs ganzjährig in der zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung des A beschäftigt. Dafür zahlt A monatlich 300 Euro. Da es sich um ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis handelt, beträgt die Steuerermäßigung 20% der Aufwendungen, höchstens 510 Euro jährlich. 3.600 Euro Gesamtaufwendungen (12 x 300 Euro) davon 20% Steuerermäßigung 720 Euro ? Höchstbetrag 510 Euro Die zu zahlende Einkommensteuer des A ermäßigt sich um 510 Euro. Beispiel 2 Ein Parkettleger verlegt im Flur der zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung des A einen neuen Bodenbelag. Seine Rechnung beläuft sich auf 3.000 Euro zuzüglich 19% Umsatzsteuer in Höhe von 570 Euro. Der Anteil der Arbeitskosten beträgt 50%. Da es sich um eine Handwerkerleistung handelt, beträgt die Steuerermäßigung 20% der Aufwendungen, höchstens 1.200 Euro jährlich. 1.500 Euro Arbeitskosten (50% von 3.000 Euro ) zuzüglich 19% Umsatzsteuer 285 Euro Gesamtaufwendungen 1.785 Euro davon 20% Steuerermäßigung 357 Euro Die zu zahlende Einkommensteuer des A ermäßigt sich um 357 Euro. Beispiel 3 A hat seine pflegebedürftige Mutter in seinen Haushalt aufgenommen. Seine Aufwendungen für einen Pflegedienst betragen nach Abzug der Leistungen aus der Pflegeversicherung 18.000 Euro jährlich. Die Aufwendungen haben sich bei ihm wegen der Anrechnung der zumutbaren (Eigen-)Belastung nur zu 14.000 Euro als außergewöhnliche Belastungen ausgewirkt. Zudem hat A monatlich noch 550 Euro an seine ganzjährig sozialversicherungspflichtig angestellte Haushälterin gezahlt. Da es sich um Aufwendungen für einen mit der Erbringung von Pflege- und Betreuungsleistungen beauftragten Dienstleister sowie für ein haushaltsnahes sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis handelt, gilt ein einheitlicher Höchstbetrag von 20% dieser Aufwendungen, höchstens 4.000 Euro jährlich. Pflegeaufwendungen 18.000 Euro abzüglich außergewöhnliche Belastung 14.000 Euro verbleibender Betrag 4.000 Euro zuzüglich Arbeitslohn (12 x 550 Euro) 6.600 Euro Gesamtaufwendungen 10.600 Euro davon 20% Steuerermäßigung 2.120 Euro Die zu zahlende Einkommensteuer des A ermäßigt sich um 2.120 Euro. Die Steuerermäßigung ist ausgeschlossen, soweit die Aufwendungen bereits als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt worden sind ...

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