Zugangswege junger Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beruf

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Zugangswege junger Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beruf Die Berufsbildungsforschungsinitiative des BMBF Zur Stärkung der Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des Berufsbildungssystems sowie zur Erhöhung der Integrationschancen von Jugendlichen an der ersten und zweiten Schwelle bedarf es einer konsistenten und konsequenten Berufsbildungspolitik. Mit Blick auf die Komplexität der für die Berufsbildungspolitik entscheidungsbeeinflussenden Faktoren und Rahmenbedingungen sollen die Erkenntnisse der Berufsbildungsforschung eine Grundlage für die politische Entscheidungsfindung sein. Die im Jahr 2006 gestartete Initiative des BMBF - unterstützt durch das Bundesinstitut für Berufsbildung - orientiert sich kontinuierlich in seiner inhaltlichen Ausrichtung an programmatischen bildungspolitischen Anforderungen. Das Ziel der im Rahmen der Berufsbildungsforschungsinitiative durchgeführten Forschungsvorhaben ist es, Informationen, Daten und Vorschläge in Form von Expertisen und empirischen Untersuchungen für bildungspolitisches Handeln zu generieren. Darüber hinaus soll diese Initiative zu einer Intensivierung der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik beitragen. Ziele der Studie und Bedeutung der Zugangswege im wissenschaftlichen Kontext. Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Rechtskreis der Schulstatistiken. Prozess der Schuldatengenerierung. Merkmale der Schuldaten. Daten zum sonderpädagogischem Förderbedarf. Sonderpädagogische Förderung an Förderschulen. Sonderpädagogische Förderung an allgemeinen Schulen. Ausbildungs- und Arbeitssituation von Menschen mit Behinderung. Der rechtliche Anspruch behinderter Menschen auf Teilhabe am Arbeitsleben - Eine Übersicht Allgemeine und besondere Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach dem SGB III für Menschen mit Behinderung. Eine gesetzlich geregelte Berufsausbildung für Menschen mit Behinderung im Anschluss an das Schulsystem. Übersicht über die statistisch ausgewiesenen Verbleibmöglichkeiten. Junge Menschen als Rehabilitanden im Maßnahmensystem der Bundesagentur für Arbeit. Ergänzende und weiterbildende Maßnahmen in den Berufsbildungswerken. Junge Menschen mit Behinderung oder Schwerbehinderung auf dem zweiten Arbeitsmarkt: Werkstätten für behinderte Menschen. Von der Schule in Integrationsprojekte: Eine alternative Form der Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt. Berufsbildungsstatistik. Eintritte von Rehabilitanden in Maßnahmen zur Rehabilitation (Ersteingliederung) 2009. Dieser Bericht stellt die Ergebnisse einer Studie zum Thema ''Zugangswege junger Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beruf'' vor, die das Forschungsteam FriedrichGärtner, Kaul, Klinkhammer, Menzel und Niehaus an der Universität zu Köln zwischen Januar 2010 und September 2010 durchgeführt hat. Die Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), das vom Bundesinstitut für Berufsbildung Bonn fachlich und administrativ unterstützt wird, verfolgt im Rahmen der Berufsbildungsforschungsinitiative (BBFI) unter der Leitlinie 2 ''Übergänge optimieren'' das Ziel, einen Überblick über vorstrukturierte Wege und Zugangschancen von jungen Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beschäftigung herzustellen. Methodisch wird die Studie von drei Säulen gestützt: Die vorstrukturierten Zugangswege werden über amtliche Daten des abgebenden Systems Schule und des aufnehmenden Systems Ausbildungsund Arbeitsmarkt aufgefächert. Ein weiterer empirischer Ansatz der Studie bildet eine qualitative Befragung in ausgewählten Unternehmen und Dienststellen zu Erfahrungen in der betrieblichen Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderungen. Die Ergebnisse dieser Primärerhebung und der Analyse der amtlichen Daten werden durch ein Review einschlägiger Projekte und Forschungen im Sinne einer systematischen Aufbereitung des Untersuchungsgegenstandes abgerundet. Darüber hinaus werden Experten aus Wissenschaft, Praxis und Politik einbezogen. I Ausgangslage und Problemstellung: Junge Menschen mit Behinderung haben hohe Hürden beim Übergang in Ausbildung und Beruf Die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Übergang von der Schule in die Berufsausbildung und die betriebliche Übernahme sind in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden. Ein nahtloser Wechsel in die betriebliche Ausbildung und auf den ersten Arbeitsmarkt stellt für viele Jugendliche mit Behinderung eher die Ausnahme dar. Für sie besteht trotz des tradierten Systems der beruflichen Bildung und Rehabilitation in der Bundesrepublik Deutschland mit hoher Ausdifferenzierung und Angebotsbreite das Risiko, eventuell langfristig beruflich benachteiligt oder von sozialer Exklusion betroffen zu sein. Sind die Mittel und Maßnahmen unzureichend? Um die Hürden im Übergang von der Schule in betriebliche Ausbildung aufdecken zu können, bedarf es im ersten Schritt einer genauen Analyse der Ausgangssituation (Wie viele Schulentlassene mit welchen Behinderung gibt es, die potenziell in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt eintreten können?) sowie der Zielsituation (Wie viele junge Menschen mit welchen Behinderungen treten in welchen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ein?). Darüber hinaus werden die Hürden und Unterstützungssysteme aus der Perspektive betrieblicher Akteure in qualita tiven Interviews erhoben, und über die Sichtung einschlägiger Projekte werden die Ergebnisse umfassend abgerundet. II Schulentlassene mit Behinderung als Aspiranten für den Ausbildungsmarkt: Nahezu 80 Prozent ohne Hauptschulabschluss Zur Abschätzung der Größenordnung und zur Bedarfsplanung ist die Kenntnis über die Personengruppe ''junge Menschen mit Behinderung'' notwendig. Die Frage, wie viele Schulentlassene mit Behinderung mit welchen Abschlüssen, die potenziell dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, es gibt, kann mit Statistiken des Schulsystems annähernd beantwortet werden. Im schulischen System wird allerdings nicht von Schülern und Schülerinnen mit Behinderung, sondern systemspezifisch von Schülern und Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf gesprochen. Hierbei werden unterschiedliche Förderschwerpunkte differenziert: Lernen (früher Lernbehinderte), Sehen (früher Sehbehinderte und Blinde), Hören (früher Schwerhörige und Gehörlose), Sprache (früher Sprachbehinderte), körperliche und motorische Entwicklung (früher Körperbehinderte), geistige Entwicklung (früher Geistigbehinderte) sowie emotionale und soziale Entwicklung (früher Erziehungsschwierige). Die Beschulung erfolgt integrativ an allgemeinen Schulen oder speziell an Förderschulen. Aufgrund der im Grundgesetz geregelten Kulturhoheit der Bundesländer wird in jedem der sechzehn Länder eine an der jeweiligen aktuellen Bundespolitik orientierte und zugleich länderspezifische Schulstatistik geführt. Somit handelt es sich auf Bundesebene um eine koordinierte Länderstatistik, die auf einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) basiert. Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Bemühungen der KMK um Mindestanforderungen bzw. Vorgaben eine Zusammenführung auf Bundesebene erleichtern, durch länderspezifische Vorgehensweisen jedoch vielfältige Probleme auftreten. Zudem gibt es Differenzen zwischen den Angaben in den Statistiken der KMK und des Statistischen Bundesamtes. Trotz dieser Restriktionen können Größenordnungen der Gruppe Schulentlassener mit sonderpädagogischem Förderbedarf abgeschätzt werden. Welche ausbildungsrelevanten Abschlüsse erreichen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, und wie hat sich das Bild über die Jahre hinweg geändert? Entgegen der stetig sinkenden absoluten Zahl der sonderpädagogisch geförderten Schülerinnen und Schüler an Förderschulen steigt deren Anteil an der Gesamtschülerzahl (derjenigen im Alter der Vollzeitschulpflicht) im Zeitraum von 1988 bis 2004 leicht an - in den neuen Bundesländern stärker als im alten Bundesgebiet. Seit dem Jahr 2004 bleibt dieser Anteil hingegen nahezu stabil. Im Schuljahr 2008/2009 wurden insgesamt 393.491 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Förderschulen unterrichtet, dies entspricht ca. 5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler im Alter der Vollzeitschulpflicht in Deutschland (Kultusministerkonferenz 2010). Die Verteilung auf die einzelnen Förderschwerpunkte veränderte sich in den letzten 20 Jahren kaum. Ungefähr die Hälfte der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen werden im Förderschwerpunkt ''Lernen'' unterrichtet. Im Schuljahr 2008/2009 waren rund 37 Prozent der Förderbedürftigen weiblich. Zu den schülerbezogenen Daten im Bereich Migrationshintergrund stellt die KMK fest, dass dieser teilweise schwer zu erfassen ist. Offensichtlich sind die KMK-Vorgaben zum Merkmal ''Migration'' (keine deutsche Staatsangehörigkeit, nicht deutsches Geburtsland oder nicht deutsche Verkehrssprache in Familie oder im häuslichen Umfeld, auch wenn der betroffene Schüler die deutsche Sprache beherrscht) nicht stringent und einheitlich umgesetzt. So sind insgesamt 14,4 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen als ausländische Schülerinnen und Schüler ausgewiesen (Kultusministerkonferenz 2010, Statistisches Bundesamt 2009). Ein Großteil verlässt die Förderschule ohne Hauptschulabschluss, rund 76 Prozent im Jahr 2008. Die Möglichkeit eines nachträglichen Erwerbs eines allgemeinbildenden Abschlusses an einer beruflichen Schule besteht in allen Länder. Wie viele Schülerinnen und Schüler einer Förderschule oder integrativ Beschulte ohne Hauptschulabschluss einen allgemeinbildenden Abschluss an einer beruflichen Schule nachträglich erwerben, ist in den Statistiken allerdings nicht ausgewiesen. Der Bereich der integrativen Beschulung zeigt seit dem Jahr 1999 eine stetige Zunahme. Im Schuljahr 2008/2009 wurden insgesamt 88.883 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen unterrichtet. Dies bedeutet einen Anteil an der Gesamtschülerzahl mit sonderpädagogischem Förderbedarf von 18,4 Prozent. Der Anteil von integrativ beschulten Schülerinnen und Schülern an der Gesamtschülerzahl im Alter der Vollzeitschulpflicht stieg im Zeitraum von 1999 bis 2008 ebenfalls leicht, aber stetig an (Kultusministerkonferenz 2010). Der Großteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen wird - wie auch an Förderschulen - im Förderschwerpunkt Lernen unterrichtet. Über das Geschlechterverhältnis bei integrativ beschulten Schülerinnen und Schülern kann aufgrund fehlender Daten der KMK und des Statistischen Bundesamtes keine Aussage getroffen werden. Der Anteil der ausländischen Schülerinnen und Schüler in integrativer Beschulung lag im Schuljahr 2008/2009 bei 8,6 Prozent (Kultusministerkonferenz 2010). Über die Zahl der Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgänger mit sonderpädagogischem Förderbedarf von allgemeinen Schulen kann aufgrund fehlender Daten ebenfalls keine Aussage getroffen werden. Aussagen zur Größenordnung der Personengruppe ''junge Menschen mit Behinderung'', die als Schulentlassene dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, können hinsichtlich der Größenordnung nur annähernd getroffen werden. Rund 5 Prozent der Gesamtschülerzahl bis Klasse 10 sind definiert als Schüler und Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Den größten Anteil stellen hierbei junge Männer mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Rund drei Viertel der Schüler und Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss. Mit den Restriktionen der amtlichen Statistiken sind weiter gehende Analysen, beispielsweise eine Ausdifferenzierung hinsichtlich der Merkmale Geschlecht, Migrationshintergrund und Schulabschluss, im Vergleich zwischen Bundesländern schwierig und im Vergleich zwischen den Förderorten allgemeine Schule versus Förderschule nicht möglich. Zudem enthalten die Schulstatistiken keine Angaben über den weiteren Verbleib der Schulentlassenen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. III Teilhabe junger Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben: Geringe Eintritte in betriebliche Ausbildung, breites Übergangssystem und wachsender zweiter Arbeitsmarkt Für eine Analyse der Zugangswege junger Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beschäftigung ist auf den rechtlichen Anspruch auf gesellschaftliche Partizipation und Teilhabe am Arbeitsleben zu verweisen. Dieser manifestiert sich im deutschen Recht an mehreren Stellen, angefangen bei dem Grundgesetz, welches über das Gleichstellungsgebot explizit Benachteiligungen für Menschen mit Behinderung vorgreifen soll, bis hin zu den speziellen Regelungen zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft über das SGB IX und den Regelungen zur Teilhabe am Arbeitsleben im SGB III. Ausgehend von diesen rechtlichen Grundlagen haben sich verschiedene Zugangswege etabliert, welche mit dem vorliegenden Forschungsbericht nachgezeichnet werden sollen. Dabei ist zu überprüfen, inwieweit diese Statistiken für unsere Fragestellung aussagekräftig und belastbar sind. Zu beachten ist allerdings, dass mit dem Wechsel vom System Schule in das rechtliche Rahmenwerk zur Regelung der Teilhabe am Arbeitsleben sich die Definitionen der Zielgruppe ändern. Es wird nicht mehr von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf gesprochen, sondern von Rehabilitanden, von Schwerbehinderten, von Menschen mit Behinderung, denen entsprechende gesetzliche Kategoriensysteme zugrunde liegen. Damit einhergehend verliert sich die Spur von den Schulentlassenen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Insgesamt ergeben sich für die Schulentlassenen mit Behinderung drei unterschiedliche Verbleibmöglichkeiten: So können sie als Auszubildende oder Beschäftigte mit oder ohne Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit auf den ersten Arbeitsmarkt gelangen, oder sie können zum einen in die nachschulischen Qualifizierungsmaßnahmen des Maßnahmensystems der Bundesagentur für Arbeit beispielsweise als Rehabilitanden einmünden, während sie zum anderen aber auch in den zweiten Arbeitsmarkt in eine der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) eintreten können. Eines der fast alle Maßnahmen und Verbleibmöglichkeiten übergreifenden politischen Ziele für junge Menschen mit Behinderung ist die Möglichkeit eines berufsqualifizierenden Abschlusses im Sinne des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO). Diese Ausbildungen können in einigen Fällen direkt im Anschluss an das Schulsystem begonnen werden, erfolgen aber in der Regel für Menschen mit Behinderung über das zwischengelagerte Maßnahmen- und Förderungssystem der Bundesagentur für Arbeit. Über verschiedene statistische Quellen lassen sich diese Zugangswege nur annähernd nachzeichnen. Eine Annäherung für den Zugangsweg von der Schule in die betriebliche Ausbildung ist u. a. über das Anzeigeverfahren im Sinne des SGB IX für die Ausgleichsabgabe - und damit nur für die Gruppe der schwerbehinderten Menschen - zu erreichen. Weitere Angaben zu diesem Personenkreis werden der Statistik zu den ''Eingliederungs- und Arbeitgeberzuschüssen für schwerbehinderte Menschen'' der Bundesagentur für Arbeit entnommen. In Abgrenzung dazu werden neu abgeschlossene Ausbildungsverträge speziell für Menschen mit Behinderung in der Berufsbildungsstatistik des Bundesinstituts für Berufsbildung erkennbar. So kann für den ersten Arbeitsmarkt festgehalten werden, dass die Zahl der Auszubildenden mit Schwerbehinderung in den Jahren zwischen 2005 und 2008 von ca. 5.500 auf ca. 6.000 leicht zugenommen hat. Für eine Analyse der Abgänge aus dem Schulsystem und Eintritte in das Ausbildungssystem sind insbesondere die jüngeren Auszubildenden mit Schwerbehinderung von Interesse. Hier zeigt sich im gleichen Zeitraum ein Anstieg von ca. 2.600 auf ca. 2.700 Auszubildende im Alter unter 20 Jahren. An dieser Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit, basierend auf dem Anzeigeverfahren nach SBG IX, wird beispielhaft ersichtlich, dass zwar Aussagen über die Größenordnung der Jugendlichen mit Schwerbehinderung in betrieblicher Ausbildung, nicht aber über die Zugangswege getroffen werden können. Bei den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zu den ''Eingliederungs- und Arbeitgeberzuschüssen für schwerbehinderte Menschen'' zeigt sich, dass insbesondere die Ausbildungszuschüsse für schwerbehinderte Menschen (ca. 1.600) und behinderte Menschen (ca. 3.200) sowie die Probebeschäftigung (ca. 4.000) die größten Jahreseintritte zu verzeichnen haben. Insgesamt wurden im Jahr 2009 demnach 9.849 Auszubildende unter 25 Jahren mit Schwerbehinderung über die Ausbildungszuschüsse gefördert. Deutlich wird, dass finanzielle Zuwendungen aus öffentlicher Hand ein tragendes Element der Ausbildung und Beschäftigung junger Menschen mit Behinderung sind. Ausführlichere Statistiken liegen über die Berufsbildungsstatistik des Bundesinstituts für Berufsbildung zu den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen speziell für Menschen mit Behinderung (§ 66 BBiG und § 42m HwO) vor. Dies ist insbesondere auf die höhere Datenqualität durch die Umstellung auf Individualdaten zurückzuführen. Allerdings fehlen auch hier noch wichtige Merkmale, um insbesondere auf Schulentlassene verweisen zu können. Aktuell kann festgehalten werden, dass 2009 ca. 14.000 Menschen eine Ausbildung speziell für Menschen mit Behinderung begonnen haben. Diese Zahl ließe sich über eine Erweiterung auf die Merkmale ''Alter'' und ''Schulentlassung'' weiter eingrenzen. Diese drei Statistiken werfen Schlaglichter auf das Gesamtbild der Teilhabe junger Menschen mit Behinderung an der betrieblichen Ausbildung, weitere Aspekte können mit den vorhandenen amtlichen Statistiken nicht aufgezeichnet werden. Über das breite Übergangssystem gibt folgende amtliche Datensammlung zur Förderung der beruflichen Rehabilitation Auskunft. Dem Ausbildungssystem auf dem ersten Arbeitsmarkt angelagert ist das System zur ''Förderung der Rehabilitation'' der Bundesagentur für Arbeit, welches in der gleichnamigen Statistik ausgewiesen ist. Mit einem Fokus auf Schulentlassene sind hier insbesondere die Eintritte in Maßnahmen zur Ersteingliederung in den Arbeitsmarkt von Interesse. Die sich speziell an Menschen mit Behinderung richtenden Maßnahmen sind als ''rehaspezifisch'' aufgeführt. So haben im Berichtsjahr 2009 ca. 17.200 junge Menschen eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) begonnen. Bei den rehaspezifischen besonderen Maßnahmen zur Ausbildungsförderung (Reha-bMA) liegen die Eintritte bei ca. 19.600 Rehabilitanden. Besondere Maßnahmen zur Weiterbildung (Reha-bMW) erhielten im Jahr 2009 erstmalig ca. 2.400 Rehabilitanden. Mit der Statistik zur ''Förderung der Rehabilitation'' ist es schwierig, den Zugang in das Maßnahmensystem nachzuzeichnen, da kein Bezug zur Gruppe der Schulentlassenen mit sonderpädagogischem Förderbedarf hergestellt werden kann (vgl. Kapitel 4.3). Neben den beschriebenen Zugängen in ein betriebliches Ausbildungsverhältnis oder in das ausdifferenzierte Übergangssystem besteht die Möglichkeit, direkt von der Schule in den zweiten Arbeitsmarkt in eine Werkstatt für behinderte Menschen zu wechseln. Die Schwierigkeit, die direkten Wege der Schulentlassenen über die Statistiken abbilden zu können, zeigt sich insbesondere bei dem Vergleich der von der Bundesagentur für Arbeit verzeichneten Ersteintritte (ca. 13.000) in eine WfbM mit der Anzahl der Ersteintritte von Schulentlassenen mit Behinderung (ca. 4.700), die eine Studie der Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik (ISB 2008) benennt. Die auf die Schulentlassenen bezogenen genaueren Angaben der ISB-Studie sind auf eine weitaus differenziertere Datenbasis zurückzuführen. Es zeigt sich, dass für eine qualitativ hochwertige Analyse der Zugangswege junger Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beschäftigung die amtlichen Statistiken derzeit nicht geeignet sind. So kann beispielsweise für die unterstützte Beschäftigung mit den amtlichen Statistiken vorerst auch nur auf die vermittelten Plätze von ca. 2.300 Menschen mit Behinderung verwiesen werden. Insgesamt kann festgehalten werden, dass mit den vorliegenden Statistiken die Wege junger Menschen mit Behinderung von der Schule in das Maßnahmen-, Ausbildungs- und Arbeitsmarktsystem nicht analysiert werden können. Die Analyse der Zielsituation (Wie viele junge Menschen mit welchen Behinderungen treten in welchen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ein?) kann im Abgleich mit der Analyse der Ausgangssituation (Wie viele Schulentlassene mit welchen Behinderung gibt es, die potenziell in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt eintreten können?) nicht über die amtlichen Statistiken erfolgen. Somit sind keine Aussagen über Zugangswege, sondern nur bedingt über Förderorte möglich. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse sind Empfehlungen für die Optimierung der Datenerhebungslage auszusprechen. Neben den amtlichen Statistiken als Datenquellen zur Analyse der Zugangswege sind eine Vielzahl von Darstellungen zur Optimierung der Zugänge veröffentlicht, die im Folgenden ausgewertet werden. Iv Projekte, Einzelvorhaben und Forschung zum Übergangssystem: Punktuell und unkoordiniert Der Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf stellt eine Schlüsselpassage für Jugendliche mit Behinderung dar. In dieser Phase werden wichtige Akzente gesetzt, die Einfluss auf den weiteren Lebensweg haben. Aufgrund des fehlenden Schulabschlusses, wie in der Analyse der Schulstatistiken deutlich geworden ist, ist dieser Übergang für viele Jugendliche mit Behinderung mit Schwierigkeiten verbunden. Diese Problematik wird öffentlich diskutiert, und eine Vielzahl von Studien und Projekten widmet sich diesem Thema. Um einen Überblick zu erhalten, werden verschiedene Datenbanken, Berichte und Bibliografien ausgewertet. Der Recherchezeitraum wird aufgrund der Veränderungen der deutschen Behindertenpolitik und des Paradigmenwandels durch das SGB IX, welches am 1. Juli 2001 in Kraft trat, auf den 1. Januar 2001 bis 1. März 2010 eingegrenzt. Ein grundsätzliches Ergebnis der gesichteten Publikationen ist, dass die Studien und Projekte vorwiegend die Zielgruppe Menschen mit Lernbehinderung und geistiger Behinderung im Fokus haben und regional begrenzt sind. Zwei Handlungsgebiete stehen im Vordergrund: Bereich Ausbildungs- und Berufsvorbereitung, Bereich Übergang Schule - Ausbildung - Beruf. Die Ergebnisse der Studien und Projekte zum Bereich Ausbildungs- und Berufsvorbereitung lassen sich in die Themengebiete Kompetenztraining und -entwicklung, Praktika sowie Kooperation und Vernetzung der relevanten Akteure unterteilen. Die Ergebnisse für das Forschungsgebiet Übergang Schule - Ausbildung - Beruf können in den Bereichen Netzwerke, pädagogische Begleitung, Frauen am Übergang und unterstütztes Arbeitstraining unterschieden werden. In den analysierten Projekten hat sich vor allem Folgendes ergeben: Eine berufsorientierte Beratung sollte einen Prozesscharakter haben und kein einmaliges Angebot darstellen. Zudem sollte dieser Prozess möglichst frühzeitig beginnen. Als zentrales Instrument der beruflichen Orientierung werden Praxiserfahrungen (z.B. Praktika) beschrieben, die gut vorbereitet, begleitet und ausgewertet werden sollten. Für den Übergang in Ausbildung und Beruf wird zudem ein Maßnahmenkomplex vorgeschlagen, der neben dem Jugendlichen als Mittelpunkt weitere Akteure umfasst. Nur deren Vernetzung oder Kooperation kann perspektivisch das Übergangsmanagement von jungen Menschen mit Behinderung verbessern. Insgesamt zeigt sich, dass die Forschung auf diesem Gebiet mit spezifischen Fragestellungen und Zielgruppen zu wichtigen Ergebnissen kommt, aber bislang recht unkoordiniert an einzelnen Institutionen stattfindet und bundesweit kaum miteinander vernetzt ist. v Betriebe und Rekrutierung Auszubildender mit Behinderung: Keine Standards und fehlende Aktivierung Zu den spezifischen Bedingungen der Übergangsprozesse von Jugendlichen mit Behinderung liegen bislang punktuell zuverlässige, aber keine umfassenden Erkenntnisse vor, wie die Analyse der amtlichen Statistiken und die Sekundäranalyse der Veröffentlichungen zu Studien und Projekten zeigen. So ist empirisch nicht nachzuzeichnen, welche Wege die Betroffenen gehen, bevor sie in einer beruflichen Ausbildung oder in einem Beschäftigungsverhältnis ankommen und welche Akteure sie dabei in welcher Weise unterstützen. Aus der Perspektive der Ausbildungsanbieter ist ebenfalls nicht erforscht, wie die Rekrutierungsprozesse von Auszubildenden und speziell von Auszubildenden mit Behinderung standardisiert sind und welche Maßnahmen zur Integration und Inklusion in betriebliche Strukturen angewendet werden. Deshalb wird im Rahmen dieser Studie mit einer explorativ angelegten qualitativen Befragung erhoben, wie Jugendliche mit Behinderung erfolgreich einen Bewerbungsprozess durchlaufen und welche Barrieren sie dabei überwinden müssen. Aus Sicht der Ausbildungsbetriebe wird der Fokus auf die Identifizierung der Rahmenbedingungen gelegt, die den Rekrutierungsverlauf bestimmen. Dabei wird insbesondere erforscht, wie es ausbildungswilligen Unternehmen gelingen kann, behinderte Jugendliche in Ausbildung zu bringen. Insgesamt werden in vier strukturell unterschiedlichen Betrieben 14 Personen interviewt, die über Erfahrungen im Rekrutierungs- und Ausbildungsprozess verfügen, darunter vier Jugendliche mit Behinderung. Die Ergebnisse dieser Befragung zeigen, dass aus der Perspektive der Jugendlichen der Zugang in Ausbildung vor allem von ihrem eigenen Engagement im Bewerbungsverhalten abhängt. Das häufig erfolglose Bemühen um einen Ausbildungsvertrag wird nicht selten als Auswirkung der eigenen Behinderung gesehen. So haben die befragten Auszubildenden oft die Erfahrung gemacht, dass sie aufgrund von behinderungsbedingten Einschränkungen im Wettbewerb mit anderen Jugendlichen im Auswahlverfahren unterlegen sind, obwohl sie sich fachlich als gleichwertig einschätzten. Häufig werden vonseiten des Ausbildungsbetriebes keine besonderen Maßnahmen vorgenommen, um z.B. die Einstellungstests auf die individuellen Bedürfnisse der behinderten Jugendlichen anzupassen oder Konzessionen bei Auswahlkriterien einzugehen. Aus der Sicht der befragten betrieblichen Akteure sind Jugendliche mit Behinderung häufig weder den kognitiven noch den körperlichen Anforderungen der Ausbildung und Beschäftigung in ihrem Unternehmen gewachsen. Vor allem vonseiten des Personalwesens wird beklagt, dass keine oder nur wenige geeignete Bewerbungen von Jugendlichen mit Behinderung eingehen. Allerdings sind vor allem die Großunternehmen offensichtlich kaum bereit oder in der Lage, ihre Zugangsvoraussetzungen an die jeweiligen Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen, sodass viele Bewerber schon an den Barrieren der Auswahlverfahren scheitern. Um den Zugang von Jugendlichen mit Behinderung in Ausbildung grundlegend zu erleichtern, ist aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse vor allem eine Verbesserung des Übergangsmanagements erforderlich. Dabei sind vor allem auch die Unternehmen und Dienststellen gefragt, Möglichkeiten zu schaffen und sich mit Schulen zu vernetzen, damit Jugendliche bereits in der Schulzeit die Möglichkeit haben, die Arbeitswelt unter dem Gesichtspunkt der dualen Berufsausbildung kennenzulernen. Im weiteren Prozess sollten andere Instanzen systematisch in den Prozess eingebunden werden, sodass den Jugendlichen die ihnen zustehenden Unterstützungsleistungen zugänglich sind. Darüber hinaus werden im Kapitel 7 Empfehlungen ausgesprochen zur Harmonisierung und Optimierung der amtlichen Statistiken, zum Aufbau von Längsschnittdatensätzen und zur Koordination und Vernetzung von Akteuren der Forschungslandschaft, um Verlässlichkeit, Langfristigkeit, Transparenz, Stabilität und Systematik in der Erforschung der Zugangswege sicherstellen zu können. Neben den Ansätzen zu Strukturen und Designs kommt es zudem darauf an, dass die jungen Menschen mit Behinderung an den Übergangsprozessen selbstbestimmt beteiligt sind sowie an den Forschungsprozessen partizipieren. Die Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), das vom Bundesinstitut für Berufsbildung Bonn fachlich und administrativ unterstützt wird, verfolgt im Rahmen der Berufsbildungsforschungsinitiative (BBFI) unter der Leitlinie 2 ''Übergänge optimieren'' das Ziel, einen Überblick über vorstrukturierte Wege und Zugangschancen von jungen Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beschäftigung herzustellen. Der im vorliegenden Bericht für den Übergang junger Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beruf verwendete Begriff ''Zugangswege'' legt nahe, dass sich nach der Schule für die Jugendlichen mit den unterschiedlichsten Problemlagen kein einheitlicher Weg offenbart, sondern dass sich vielfältige Verbleibmöglichkeiten und Herausforderungen ergeben können (Niehaus 1999, Ginnold 2000, BMBF 2005, Ginnold 2009). Viele Abgängerinnen und Abgänger von Förderschulen absolvieren eine der berufsvorbereitenden Maßnahmen, ohne dass ihnen dadurch jedoch ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in Aussicht gestellt ist (Friedmann/Schröder 2000, Orthmann 2001, Hiller/Merz 2002, Radatz/Ginnold 2003, Orthmann 2005). Ob die dauerhafte Integration in Ausbildung und Beruf gelingt, hängt einerseits von Entwicklungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ab, ist andererseits aber auch in hohem Maße durch die individuellen Problemlagen der Jugendlichen bedingt (Fasching/Niehaus 2004). Ein nahtloser Wechsel in die betriebliche Ausbildung und auf den ersten Arbeitsmarkt stellt also für viele Jugendliche mit Behinderung eher die Ausnahme dar. Zur Erklärung der Problematik können verschiedene Personen- und Kontextmerkmale sowie deren Wechselwirkungen herangezogen werden, die im wissenschaftlichen Kontext nicht unter dem Begriff ''Zugangswege'', sondern eher unter dem Terminus ''Arbeitsmarktsegregation'', ''Transition'' und ''kritisches Lebensereignis'' diskutiert werden. Theoretische Ansätze zur Modellierung dieses Übergangs stammen daher einerseits aus der Psychologie und der Pädagogik, wobei der Übergang im Kontext des individuellen Lebenslaufes und der Bewältigungsstrategien der betroffenen Person betrachtet wird, und andererseits aus der Soziologie, die darüber hinaus sozialrechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen mit einbezieht. Die Zielgruppe der Jugendlichen mit Behinderung wird in der empirischen Analyse dieser theoretischen Ansätze allerdings nur marginal berücksichtigt. Aus psychologischer Sicht ist die Integration in das Arbeitsund Berufsleben beispielsweise als Entwicklungsaufgabe zu bezeichnen (Havighurst 1981), die sich der Person normativ in einem bestimmten Lebensabschnitt stellt und deren Lösung sowohl über die eigene Zufriedenheit als auch über die Aner kennung durch die Gesellschaft entscheidet. Ein verwandter Ansatz ist der der kritischen Lebensereignisse (Fillip 1995, Felkendorff/Lischer 2005). Die genannten Forschungszweige beschäftigen sich einerseits mit den Ursachen für eine individuelle Weiterentwicklung (Petzold 1999, Montada 2002) und andererseits mit den Gründen für das Scheitern einer Person an einem solchen Übergang (Olbrich 1995) und den daraus resultierenden Folgen (Kieselbach/Beelmann 2006a, Kieselbach/Beelmann 2006b). Ein Konzept, das aus der Pädagogik stammt und eine Unterstützung bei der Bewältigung kritischer Übergangsphasen und damit verbundener Herausforderungen bieten soll, ist das Übergangsmanagement (Brandel et al. 2010). Es zielt einerseits auf die Vernetzung zentraler Akteure und Institutionen und die Erhöhung von Transparenz an den entscheidenden Schnittstellen ab, andererseits auf die individuelle Förderung personaler und sozialer Kompetenzen der Jugendlichen (Eckert 2007, Arnold/Lempp 2008). Neben diesen auf das Individuum bezogenen Ansätzen kann der Begriff ''Zugangswege'' auch einer Perspektive mit soziologischer Fragestellung nach gesellschaftlichen Phänomenen zugeordnet werden (Imdorf 2001, Imdorf 2005, Reißig 2008). Unter dem Leitbegriff der Transition lassen sich Gemeinsamkeiten von Menschen mit besonderen Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf nachzeichnen (Müller 2006, Welzer 1993). Lebensverlaufsstudien verdeutlichen, dass individuelle Merkmale wie Bildungshintergrund, Nationalität und der ökonomische Status der Eltern einen Einfluss auf die Chancen eines erfolgreichen Übergangs von der Schule in den Beruf haben können (Hillmert 2006). Für Menschen mit Behinderung könnten Segregationsprozesse (vgl. Imdorf 2005) beispielsweise in Berufe mit niedrigerem Einkommen, eingeschränkter Entscheidungsbefugnis und wenig sozialem Prestige führen, weil sie unter Umständen für weniger leistungsfähig gehalten werden. Wie deutlich wurde, lässt sich die Problematik der Zugangswege junger Menschen mit Behinderung von der Schule in Ausbildung und Beruf nicht einem bestimmten Forschungsgebiet zuweisen, sondern ist interdisziplinär unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Die Zugangswege konzentrieren sich auf die unterschiedlichen Pfade und Instrumente bei der Integration von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt, welche es mit diesem Bericht über die amtlichen Statistiken und weitere vorhandene Daten empirisch darzulegen gilt. Die theoretischen Modellannahmen zum Themenkreis sind derzeit zur Personengruppe der Jugendlichen mit Behinderung noch nicht ausreichend empirisch überprüft. Inwiefern Daten, die in Surveys und amtlichen Statistiken vorliegen, belastbar sind, wird im Folgenden untersucht und Empfehlungen zu einer stärker theoriegeleiteten Datengewinnung ausgesprochen. Die Fragestellung der Studie nach den Zugangswegen behinderter Jugendlicher in Ausbildung und Beruf wird als multiund interdisziplinäre Herausforderung adäquat nur über multimethodale Zugänge beantwortbar sein. Im Rahmen der zur Verfügung gestellten zeitlichen und finanziellen Ressourcen wird auf vorhandene amtliche Daten und publizierte Forschungsergebnisse sowie explorierte Erfahrungen und Expertenwissen zurückgegriffen. Dabei ist zu überprüfen, inwieweit diese Statistiken und Forschungsergebnisse für unsere Fragestellung überhaupt aussagekräftig und belastbar sind. Methodisch wird die Studie von drei Säulen gestützt: Die vorstrukturierten Zugangswege sollen über amtliche Daten des abgebenden Systems Schule und des aufnehmenden Systems Ausbildungs- und Arbeitsmarkt aufgefächert werden. Ein weiterer empirischer Ansatz der Studie bildet eine qualitative Befragung in ausgewählten Unternehmen und Dienststellen zu Erfahrungen in der betrieblichen Rekrutierung von jungen Menschen mit Behinderungen. Die Ergebnisse dieser Primärerhebung und der Analyse der amtlichen Daten werden durch ein Review einschlägiger Projekte und Forschungen im Sinne einer umfassenden Aufbereitung des Untersuchungsgegenstandes abgerundet. Darüber hinaus werden Experten aus Wissenschaft, Praxis und Politik einbezogen. Säule 1a: Erfassung der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf als Aspiranten für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt Für den Bereich des ''abgebenden'' schulischen Systems für junge Menschen mit Behinderung werden die vorhandenen Länder- und Bundesstatistiken gesichtet. In jedem der sechzehn Länder wird aufgrund der im Grundgesetz geregelten Kulturhoheit der Bundesländer eine an der jeweiligen aktuellen Bundespolitik orientierte und damit länderspezifische Schulstatistik geführt. Eine länderspezifische gesetzliche Grundlage gilt dabei jeweils als Rechtsgrundlage. Die Ständige Konferenz der Kultusminister hat für Ländervergleiche sowie für Bundeszwecke einheitliche Begriffe und Definitionen sowie ein einheitliches Mindesterhebungsprogramm für die Schulstatistiken vorgegeben. Somit handelt es sich auf Bundesebene um eine koordinierte Länderstatistik, die auf einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) (in Verbindung mit § 3 Abs. 2 BstatG) basiert (Statistisches Bundesamt 2008). Für die in Kapitel 3 aufgeführten Analysen der sonderpädagogischen Förderung im Schulbereich werden daher die Daten der bundesweiten Schulstatistik der Kultusministerkonferenz genutzt, da diese aktuelle (und zudem gegenüber den veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes aktualisierte) Daten1 zur Verfügung stellt. Säule 1b: Erfassung der Jugendlichen mit Behinderung in Ausbildung und Beruf Für eine Betrachtung der Schulentlassenen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Ausbildung und Beruf und als mögliche Rehabilitanden in dem Maßnahmensystem der Bundesagentur für Arbeit wird der Blick auf die entsprechenden Statistiken zu den einzelnen Verbleibmöglichkeiten ausgeweitet. Dazu wird der rechtliche Anspruch junger Menschen mit Behinderung auf gesellschaftliche Partizipation und Teilhabe am Arbeitsleben über das SGB IX in Verbindung mit dem SGB II und SGB III abgeleitet. Informationen zu der Anzahl junger Menschen mit Behinderung in Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt sind über die Statistik der Bundesagentur für Arbeit ''Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung'' verfügbar. Dafür wird auf das Anzeigeverfahren im Sinne des SGB IX für die Ausgleichsabgabe zurückgegriffen, welches als Grundlage für diese Datenbasis verstanden werden kann. Angaben zu den einzelnen Förderleistungen an junge Menschen mit Behinderung oder an den Arbeitgeber direkt sind der Statistik zu den ''Eingliederungsund Arbeitgeberzuschüssen für schwerbehinderte Menschen'' der Bundesagentur für Arbeit entnommen. Einen Überblick über die Teilnehmenden in den spezifischen Maßnahmen zur Rehabilitation gibt die Statistik ''Förderung der Rehabilitation'' der Bundesagentur für Arbeit. Da sich die einzelnen Verbleibmöglichkeiten weitaus differenzierter gestalten, als es sich über die amtlichen Statistiken nachzeichnen lässt, wird darüber hinaus mit Seyd und Mentz (2007) eine detailliertere Sekundäranalyse über die Teilnehmenden in Berufsbildungswerken (BBW) folgen. Entsprechend kann für die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) mit Rückgriff auf eine Studie der Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik (ISB 2008) auf explizite Zugangszahlen direkt aus dem Schulsystem verwiesen werden. Darüber hinaus werden die unterstützte Beschäftigung (UB), die speziellen Berufsausbildungen für Menschen mit Vom Sekretariat der Kultusministerkonferenz werden die unterschiedlichen Zahlen in den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes und der Kultusministerkonferenz wie folgt begründet: ''Die Fußnote des Statistischen Bundesamtes weist darauf hin, dass die Länder Niedersachsen und Saarland nicht enthalten sind sowie bei den übrigen Ländern Nachweise der Schularten und Bildungsbereiche nicht vollständig sind. Diese Daten sind in den Summen der statistischen Veröffentlichung der Kultusministerkonferenz mit eingeschlossen'' Behinderung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO) sowie die Integrationsprojekte mit entsprechenden Statistiken der Leistungserbringer dargestellt. Säule 2: Sekundäranalyse einschlägiger Studien und Projekte Anhand einer Sekundärdatenanalyse einschlägiger Studien und Projekte gilt es einen Überblick über die Forschungslandschaft zum Übergang junger Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beruf in Deutschland zu bekommen. Hierfür werden verschiedene Datenbanken, Bibliografien und Berichte ausgewertet. Die Recherche wird aufgrund der Veränderungen der deutschen Behindertenpolitik und des Paradigmenwandels durch das SGB IX, welches am 1. Juli 2001 in Kraft trat, auf den Zeitraum vom 1. Januar 2001 bis 1. März 2010 eingegrenzt. Unter Forschung sollen empirische Studien, Projektberichte und Ergebnisse von Modellprojekte verstanden werden. Die Erkenntnisse der Studien, Projekte und Forschungsvorhaben aus den Bereichen ausbildungs- und berufsvorbereitende Maßnahmen sowie zum Übergang Schule - Ausbildung - Beruf werden in Kapitel 5 beispielhaft dargestellt und Kategorien zugeordnet. Säule 3: Exploration der Zugangswege aus der Perspektive der Betriebe und der Auszubildenden mit Behinderung Um die individuellen Übergangsprozesse aus der Sicht der Beteiligten abbilden zu können, werden in einer qualitativen Erhebung sowohl Auszubildende mit Behinderung als auch die zuständigen betrieblichen Akteure zu ihren konkreten Bewerbungs- bzw. Rekrutierungserfahrungen befragt. Insgesamt sollen in vier strukturell unterschiedlichen Ausbildungsbetrieben Interviews mit dem Ziel der Rekonstruktion der Übergangsprozesse geführt werden. Dabei sollen aus der Sicht der behinderten Jugendlichen Barrieren des Bewerbungsverfahrens sowie Strategien zur Überwindung dieser Barrieren analysiert werden. Aus der Perspektive der Betriebe sollen die unterschiedlichen Rekrutierungsstandards im Hinblick auf Bewerberinnen und Bewerber mit Behinderung untersucht werden. Basierend auf der im Grundgesetz geregelten Kulturhoheit der Bundesländer wird in jedem der sechzehn Länder eine an der jeweiligen aktuellen Bundespolitik orientierte und damit länderspezifische Schulstatistik geführt. Als Rechtsgrundlage gilt jeweils eine länderspezifische gesetzliche Grundlage. Für Ländervergleiche sowie für Bundeszwecke hat die Ständige Konferenz der Kultusminister jedoch einheitliche Begriffe und Definitionen sowie ein einheitliches Mindesterhebungsprogramm vorgegeben. Somit handelt es sich auf Bundesebene um eine koordinierte Länderstatistik, die auf einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) (in Verbindung mit § 3 Abs. 2 BstatG) basiert (Statistisches Bundesamt 2008). Trotz der Vereinheitlichungsbemühungen ist die statistische Erfassung der Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Bundesländern teilweise recht unterschiedlich. Um Ländervergleiche zu ermöglichen, hat die Ständige Konferenz der Kultusminister einheitliche Begrifflichkeiten sowie Definitionen und ein einheitliches Mindesterhebungsprogramm festgelegt. Dies soll in den für dieses Forschungsprojekt entscheidenden Auszügen hier zunächst dargestellt werden. Das Statistische Bundesamt ist laut § 3 Abs. 2 BstatG zum einen dazu verpflichtet, ''Bundesstatistiken zu erheben und aufzubereiten, wenn und soweit es in diesem oder einem sonstigen Bundesgesetz bestimmt ist oder die beteiligten Länder zustimmen'' (§ 3 Abs. 2 BstatG). Zum anderen sollen Zusatzaufbereitungen für Bundeszwecke und Sonderaufbereitungen durchgeführt werden, sofern diese nicht durch die statistischen Ämter der Länder selbst vorgenommen werden (§ 3 Abs. 2 BstatG). Hauptnutzer dieser Statistik sind u. a. das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Kultusministerkonferenz, Landesministerien, Eurostat, Verbände, Hochschulen, Institute (Statistisches Bundesamt 2008). Die Erfassung der statistischen Daten erfolgt i. d. R. vier Wochen nach Unterrichtsbeginn. Aufgrund des unterschiedlichen Schulbeginns in den einzelnen Bundesländern variiert der Stichtag - es kann jedoch festgehalten werden, dass die Erhebung zumeist in den Monaten September und Oktober erfolgt (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008). Die von den Schulen erhobenen Daten werden an die zuständigen Statistischen Landesämter weitergeleitet und dort gesammelt, geprüft und aufbereitet. Die Weiterleitung an das Statistische Bundesamt erfolgt jährlich am 01.06. (für allgemeinbildende Schulen) bzw. am 01.07. (für berufliche Schulen) (ebd.). Zusätzlich werden die Daten jeweils am 31.07. auch von den Schulressorts an das Sekretariat der Kultusministerkonferenz weitergeleitet, welche die Informationen für die Zwecke der KMK aufbereitet und veröffentlicht. Schülerbezogene Daten untergliedern sich in die Bereiche ''besuchte Schulart'', ''Migrationshintergrund'', ''Art des Abschlusses'' und ''schulische Herkunft'', die nun im Einzelnen dargestellt und erläutert werden sollen. Die Ausweisung und Abgrenzung der besuchten Schulart erfolgt gemäß dem Hamburger Abkommen und den hieraus folgenden Vereinbarungen der KMK. Die Ausweisung der Schulart wird bestimmt durch die Übersicht über die in der KMK nachgewiesenen Schularten und deren Zuordnung zu den Bildungsbereichen (dem sogenannten Zuordnungskatalog entsprechend) vom 13.05.1985 in der jeweils gültigen Fassung. Die Zuordnungen erfolgen zu den folgenden Oberkategorien (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008): häuslichen Umfeld (auch wenn der betroffene Schüler die deutsche Sprache beherrscht). Bei der Erfassung der Daten zu Schulabgängern, -absolventen und Qualifikationen geht es vornehmlich darum, wie viele Schülerinnen und Schüler eine Schulart verlassen und welche Abschlüsse dabei erzielt werden (unabhängig von Übergängen in andere Schularten). Zu den Abgängerinnen und Abgängern werden diejenigen Schülerinnen und Schüler gezählt, die die Schulart nach Vollendung der Vollschulpflichtzeit4 am Ende oder im Laufe des Berichtsjahres ohne Abschluss verlassen haben und nicht auf eine andere allgemeinbildende Schule gewechselt sind. Hingegen werden Schülerinnen und Schüler, die eine Schulart mit einem Abschluss verlassen haben, als Absolventen bezeichnet. Darin eingeschlossen sind ebenfalls diejenigen, die auf eine andere allgemeinbildende Schulart gewechselt sind, um einen zusätzlichen Abschluss zu erwerben (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008). ''Qualifikationen'' können sowohl mit als auch ohne Abschluss erlangt werden. Dabei werden folgende Bereiche unterschieden (ebd.): Schultypen zu den einzelnen Schulartkategorien zusammengefasst. Die KMK veröffentlicht jährlich einen Katalog, in dem dargestellt wird, welcher Schultyp zu welcher Schulartkategorie gezählt wird. Der jeweils aktuelle Katalog kann über die Internetpräsenz der KMK abgefragt werden. Zu den schülerbezogenen Daten im Bereich Migrationshintergrund stellt die KMK fest, dass dieser teilweise schwer zu erfassen ist. Daher hat sich die KMK auf drei Merkmale verständigt, die eine Zuordnung ermöglichen sollen. Demnach ist bei einem Schüler ein Migrationshintergrund anzunehmen, wenn eines der drei folgenden Merkmale zutrifft (ebd.): keine deutsche Staatsangehörigkeit, nicht deutsches Geburtsland oder nicht deutsche Verkehrssprache in Familie oder im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung Hauptschulabschluss mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss) Fachhochschulreife allgemeine Hochschulreife Abschlüsse, die in den einzelnen Bundesländern vergeben werden, hier jedoch nicht aufgelistet sind, werden dem höchsten genannten Abschluss zugeordnet, der im erzielten Abschluss eingeschlossen ist (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008). Bei der Erfassung der schulischen Herkunft bzw. schulischen Vorbildung ist die zum Erhebungsstichtag des vorangegangenen Schuljahres besuchte Schulart maßgeblich (ebd.). Nachdem die allgemeinen Vorgaben der Kultusministerkonferenz für alle Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen dargestellt wurden, soll nun im Folgenden auf Die Vollschulpflichtzeit beträgt in nahezu allen Bundesländern neun Jahre. In Bayern, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt beträgt sie zehn Jahre (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008). die zusätzlichen Festlegungen für die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eingegangen werden. ''Als Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung werden diejenigen Schüler/innen statistisch erfasst, die tatsächlich sonderpädagogisch gefördert werden, unabhängig davon, ob ein sonderpädagogischer Förderbedarf förmlich festgestellt wurde oder nicht'' (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008: 30).5 Schülerinnen und Schüler, die sonderpädagogisch gefördert werden, können entweder eine Förderschule (früher Sonderschule6) oder eine allgemeine Schule7 besuchen. Demnach können sie in zwei Gruppen unterteilt werden (ebd.): Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung an Förderschulen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung an allgemeinen Schulen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Förderschulen Ein zusätzliches Merkmal, welches im Bereich der Förderschulen erfasst wird, ist der Förderschwerpunkt des Kindes bzw. des Jugendlichen. Zu diesen Förderschwerpunkten zählen (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008): Lernen (früher Lernbehinderte) Sehen (früher Sehbehinderte und Blinde) Hören (früher Schwerhörige und Gehörlose) Sprache (früher Sprachbehinderte) körperliche und motorische Entwicklung (früher Körperbehinderte) geistige Entwicklung (früher Geistigbehinderte) emotionale und soziale Entwicklung (früher Erziehungsschwierige) Beispielsweise werden Schülerinnen und Schüler, die an Schulen für Kranke unterrichtet werden, zumeist nur in der Zeit ihrer Erkrankung an einer Schule für Kranke (oft an Krankenhäuser angegliedert) betreut - oftmals auch ohne ein förmliches Feststellungsverfahren (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008). Der Begriff Sonderschule wird in einzelnen Bundesländern immer noch verwendet. Als allgemeine Schule werden alle allgemeinbildenden Schulen außer Förderschulen bezeichnet (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008). Für den Fall, dass mehrere Förderschwerpunkte zutreffend sind, soll laut Vorgaben der KMK diejenige sonderpädagogische Förderung für die statistische Erfassung maßgebend sein, die den größten zeitlichen Anteil ausmacht (ebd.). Zusätzlich wird jedoch in den Statistiken der KMK und des Statistischen Bundesamtes diese Kategorie unter der Bezeichnung ''Förderschwerpunkt übergreifend'' separat aufgeführt. Zusätzlich wurde in den Vorgaben der KMK die Kategorie ''keinem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt zugeordnet'' aufgenommen. Diese wird immer dann verwendet, wenn es sich um sonderpädagogischen Förderbedarf handelt, der jedoch noch nicht näher spezifiziert ist (ebd.). Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung an allgemeinen Schulen Mit der Empfehlung zur sonderpädagogischen Förderung in den Schulen in der Bundesrepublik Deutschland vom 06.05.1994 haben die einzelnen Bundesländer vereinbart, sonderpädagogische Förderung auch an allgemeinen Schulen durchzuführen. Seit dem Jahr 1999 werden integriert sonderpädagogisch geförderte Schülerinnen und Schüler überregional statistisch ausgewiesen (Kultusministerkonferenz 2010). Die Zuordnung der Schülerinnen und Schüler in der Schulstatistik nach Schularten erfolgt dabei wie bei den Schülerinnen und Schülern an Förderschulen. Sie werden einem Förderschwerpunkt zugeordnet, und dabei ist nicht der Bildungsgang bzw. der angestrebte Abschluss entscheidend (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008). Anzumerken ist noch, dass eine Unterscheidung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf - laut den Vorgaben der KMK - im Bereich der Waldorf-Schulen nicht möglich ist. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass eine Analyse laut den Vorgaben der KMK nach folgenden Kriterien möglich ist: Sonderpädagogische Förderung an Förderschulen Anzahl der Schülerinnen und Schüler Verteilung auf die Förderschwerpunkte Migrationshintergrund Anzahl von Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgängern nach Abschluss (jedoch keine Spezifikation nach Förderschwerpunkten) Hinweise auf die Förderschwerpunkte der Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgänger bietet bei Abschlussart ''ohne Hauptschulabschluss'' die Qualifikation ''Abschluss der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen'' und ''Abschluss der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung''. Sonderpädagogische Förderung an allgemeinen Schulen Anzahl der Schülerinnen und Schüler Schulart Förderschwerpunkte nicht nach Klassen- bzw. Jahrgangsstufe nicht nach Absolventen/Abgängern Im Folgenden sollen die Daten der Schulstatistik der Kultusministerkonferenz aufgeführt, ihr Informationsgehalt dargestellt und anschließend die Genauigkeit diskutiert werden. 3.4 Auswertungen der Schulstatistiken Als Basis für die Schulstatistik verwenden die KMK und das Statistische Bundesamt die Daten der Statistischen Landesämter. Für die hier vorliegende Darstellung des Schulbereichs von jungen Menschen mit Behinderung werden vorzugsweise die Daten der Kultusministerkonferenz genutzt, da diese aktuelle (und zudem gegenüber den veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes aktualisierte) Daten zur Verfügung stellt. Im Turnus von zwei Jahren wird von der Kultusministerkonferenz eine Datensammlung u. a. für den Themenbereich der sonderpädagogische Förderung an allgemeinbildenden Schulen und deren zahlenmäßige Entwicklung veröffentlicht (Kultusministerkonferenz 2010). Im Datenbericht der Kultusministerkonferenz werden alle Schularten des allgemeinbildenden Schulwesens mit einbezogen. In der hier vorliegenden Darstellung und Auswertung stehen dabei die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Vordergrund - unabhängig davon, ob sie an einer Förderschule oder allgemeinen Schule unterrichtet werden. Somit kann auch der Umfang der integrativen Beschulung in Deutschland abgebildet werden (ebd.). 3.4.1 Sonderpädagogische Förderung an Förderschulen In der Tabelle 1 wird die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in Förderschulen unterteilt nach ihren Förderschwerpunkten für den Zeitraum von 1999 bis 2008 dargestellt. Bis zum Jahr 2002 ist zunächst ein Anstieg zu verzeichnen. Ab dem Jahr 2003 sinkt die Anzahl von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Förderschulen stetig. Auffällig dabei ist, dass über den gesamten Zeitraum die meisten Schülerinnen und Schüler im Förderschwerpunkt Lernen gefördert wurden. Erst mit Abstand folgt der Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (Kultusministerkonferenz 2010). Es ist hier noch anzumerken, dass Änderungen in der Anzahl der Schülerinnen und Schüler in einzelnen Förderschwerpunkten teilweise durch methodische Veränderungen bei der Zuordnung (z.B. seit 2006/2007 in Sachsen) oder auch durch Umwandlungen von Schulen erklärt werden können. So führte beispielsweise in Bayern die zunehmende Umwandlung von Schulen zur Lernförderung und Schulen zur Sprachförderung in sonderpädagogische Förderzentren zu einem Rückgang der Zahl der Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten Lernen und Sprache bei einem gleichzeitigen Anstieg der Zahl der Schüler mit übergreifendem Förderschwerpunkt ...

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