Praktika nach dem Studienabschluss (Studie)

An der Befragung, deren Ergebnisse hier vorgestellt werden,

beteiligten sich insgesamt 674 Absolventinnen und Absolventen...

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Bildung und Qualifizierung Praktika nach dem Studienabschluss Tätigkeiten im Bereich Hochschuldidaktik (Fortbildung und Beratung), Lehrevaluation und Absolventenbefragungen. Generation Praktikum Der Übergang ins Normalarbeitsverhältnis direkt nach dem Studium Mehrfachpraktika Praktika bis zu drei Monaten sind am häufigsten, bis zu sechs Monaten nicht unüblich Die Fachrichtungen unterscheiden sich hinsichtlich Praktikumshäufigkeit und Vergütung Der Anteil unbezahlter Praktika schwankt zwischen null Prozent und zwei Dritteln Explizite Praktikumspläne gibt es nur bei einem von vier Praktika Typologie der Praktika: Sechs unterschiedliche Profile von Praktika nach Studienabschluss Letzter Praktikumstag Praktika dienen zumeist überwiegend den Praktikantinnen und Praktikanten Berufseinstieg und aktuelle Beschäftigungssituation Freiheitsgrade zur strukturellen und inhaltlichen Ausgestaltung von Praktika während und nach dem Studium, Volontariaten, Referendariaten und Hospitationen belassen Die Studie ''Generation Praktikum 2011'' hat ein kontrovers diskutiertes, bildungs-, arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch brisantes und angesichts einer spärlichen Informationslage bislang nur unzureichend verstandenes Phänomen untersucht: Praktika nach Studienabschluss. Wie kommt es dazu, dass ein nennenswerter Anteil der jährlich über 200.000 Hochschulabsolventinnen und -absolventen ein Praktikum antritt, anstatt sofort nach Studienabschluss in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis oder eine weiterführende Qualifikationsphase einzutreten? Sind Praktika nach Studienabschluss faire Angebote zur beruflichen Orientierung, zum Kontakteknüpfen und zum Erwerb praxisrelevanter Kompetenzen, oder sind sie ein Zeichen von Ausbeutung, von Missbrauch und Ausdruck einer etwaigen Tendenz, reguläre durch prekäre Arbeitsverhältnisse zu ersetzen? Und wie schätzen Praktikantinnen und Praktikanten selber ihre Situation ein: Welchen Handlungsbedarf sehen sie hinsichtlich der Regulierung von Praktika, welche ganz persönlichen Erkenntnisse und Erfahrungen nehmen sie aus ihren Praktikumserlebnissen mit, und wie wirkt sich ein Praktikum auf den weiteren Übergang ins Berufsleben aus? Die wichtigsten Ergebnisse in 14 Punkten. Die Datenbasis: 674 Absolventinnen und Absolventen, 417 absolvierte Praktika und praktikumsähnliche Beschäftigungen, 230 ausführliche Berichte über ''echte'' Praktika nach Studienabschluss. An der Befragung, deren Ergebnisse hier vorgestellt werden, beteiligten sich insgesamt 674 Absolventinnen und Absolventen des Abschlussjahres 2007 (Wintersemester 2006/07 bis Wintersemester 2007/08) aus vier regional verteilten deutschen Universitäten - Universität Hamburg, Universität Rostock, Freie Universität Berlin sowie Universität zu Köln. Sie bearbeiteten einen Online-Fragebogen, in dem sie ihre berufliche Biografie für die 3,5 Jahre zwischen Studienabschluss und dem Befragungszeitraum (Oktober bis Dezember 2010) nachzeichneten. Die Befragten aus einem breiten Spektrum von Fächergruppen (ausgenommen: Medizin und Lehramt) schilderten insgesamt 417 Episoden von Praktika und praktikumsähnlichen Beschäftigungsformen. Sie gaben hierbei Auskunft zu ihren Motiven, zu objektiven Rahmenbedingungen sowie zu subjektiven Bewertungs- und Erfahrungskriterien. Im Fokus dieser Studie stehen ''echte'' Praktika nach Studienabschluss, in zeitlicher Abgrenzung zu Praktika während des Studiumsverlaufs und in inhaltlicher Abgrenzung zu Hospitationen, Volontariaten, Referendariaten, Traineephasen und sonstigen praktikumsähnlichen Beschäftigungsverhältnissen. Die insgesamt 230 vorliegenden ausführlichen Berichte über ''echte'' Praktika nach Studienabschluss - außerhalb des Curriculums stehend, ohne formale Verpflichtung absolviert und zeitlich nach dem erfolgreichen Erbringen der letzten Studienleistung gelagert - sind der Kern dieser Studie. Die Studie ''Generation Praktika und praktikumsähnliche Beschäftigungen sind ein facettenreiches Phänomen. Praktika und praktikumsähnliche Beschäftigungsformen treten in vielfältigsten Formen im Kontext eines Hochschulstudiums auf. Die Befragten geben im Mittelwert zwischen 4 und 5 solcher Phasen vor, während oder nach dem Studium an. Bereits während des Studiums sind hierbei verschiedene Formen zu unterscheiden, von fest in das Curriculum integrierten Praktika im Studienverlauf (z.B. Laborpraktikum, Empiriepraktikum) bis hin zu verpflichtenden oder aber freiwillig absolvierten Praktika außerhalb der Hochschule (z.B. Pflichtpraktikum, Praktikumssemester, Praktika im Zusammenhang mit Abschlussarbeiten). Auch nach dem Studienabschluss bleibt das Phänomen vielfältig: Nach dem Abschluss sind praktikumsähnliche Beschäftigungsformen in manchen Berufsrichtungen eine reguläre Variante des Berufseinstiegs (z.B. Volontariate, Traineeprogramme), manchmal Fortführungen der noch während des Studiums absolvierten Praktika, oder sie sind kurze (bis 3 Monate) bis längere (über 1 Jahr) andauernde Phasen einer nicht-regulären, befristeten und mit dem Ziel einer beruflichen Orientierung verbundenen Tätigkeit in einem Unternehmen, in einer Organisation oder bei einem anderen Arbeitgeber. Diese Gruppe der nicht durch Studienordnungen festgelegten, nach Studienabschluss aufgenommenen Beschäftigungsformen steht im Fokus der Befragung, über deren Ergebnisse hier berichtet wird. Die vorliegende Studie knüpft an die 2007 veröffentlichte Studie ''Generation Praktikum? Prekäre Beschäftigungsformen von Hochschulabsolventinnen und -absolventen'' (''Generation Praktikum 2007'') an. Sie vertieft und erweitert die bislang vorliegenden Daten in qualitativer Hinsicht und wirft einen Blick auf die Frage, welche politischen Handlungsmöglichkeiten aus Sicht der ''Betroffenen'' erforderlich und sinnvoll erscheinen. Praktika vor, während und nach dem Studium sind Teil der Studienrealität. Die Mehrzahl der Studierenden kommt im Vorfeld, im Laufe oder nach Anschluss ihres Studiums mit mehreren Praktika und praktikumsähnlichen Tätigkeiten in Kontakt: Durchschnittlich vier bis fünf Praktika werden je Absolvent oder Absolventin im Vorfeld, im Verlaufe und im Anschluss an ein Studium absolviert. Der Schwerpunkt und der größte quantitative Anteil dieser Praktika liegt bereits in der Zeit während des Studiums, als fest in den Veranstaltungsplan integrierte Praktika, als verpflichtende oder aber als freiwillige Praktika, die den Studienablauf begleiten. Praktika und praktikumsähnliche Beschäftigungsformen wie Hospitationen, Referendariate, Volontariate und andere nach erfolgreichem Studienabschluss aufgenommene Beschäftigungsphasen stellen ein beachtenswertes Phänomen dar - knapp 40 Prozent der hier befragten Absolventinnen und Absolventen berichten über eine solche Phase in ihrer bisherigen beruflichen Biografie. 28 Prozent treten unmittelbar nach ihrem Studienabschluss, als erste anschließende berufsbezogene Tätigkeit, ein Praktikum, ein Volontariat, eine Hospitation oder eine andere praktikumsähnliche Beschäftigung an. 29 Prozent berichten mit Blick auf die gesamte 3,5 Jahre währenden Zeitspanne zwischen Studienabschluss und Befragungszeitpunkt über mindestens ein ''echtes'' Praktikum. Aus methodischen Gründen ist der Anteil der Befragten mit Praktikumserfahrungen in der hier untersuchten Stichprobe allerdings gegenüber Repräsentativbefragungen erhöht. Der ''wahre'' Anteil an ''echten'' Praktikantinnen und Praktikanten nach Studienabschluss dürfte, ausgehend von den Ergebnissen vorliegender Repräsentativbefragungen (HIS 2007, INIFES 2008) in der hier untersuchten Zeitspanne und den hier untersuchten Fächergruppen unter Universitätsabsolventinnen und -absolventen bei knapp unter 20 Prozent liegen. Praktika nach Studienabschluss ähneln inhaltlich Praktika, die während des Studiums absolviert werden - werden jedoch mit einer anderen Motivation aufgenommen. Die von den Befragten geschilderten Praktika nach Studienabschluss ähneln in ihrer Dauer, ihrem Verlauf und dem resultierenden Lerngewinn denjenigen Praktika, die während des Studiums außerhalb der Hochschule absolviert werden und unterscheiden sich hierin von Hospitationen, Volontariaten und anderen praktikumsähnlichen Beschäftigungsverhältnissen nach Studienabschluss. Die Motivation zur Aufnahme eines Praktikums nach Studienabschluss ist jedoch sehr viel stärker von der Hoffnung auf anschließende Übernahme und von ''Verlegenheitsmotiven'' wie dem Wunsch, Zeit zu überbrücken oder keine andere Wahl für den Berufseinstieg zu sehen, geprägt. Bezahlte Praktika nach Studienabschluss werden mit durchschnittlich 3,77 Euro pro Stunde vergütet - aber 40 Prozent sind gänzlich unbezahlt. Praktika nach Studienabschluss werden ähnlich vergütet wie jene Praktika, die bereits während des Studiums außerhalb der Hochschule absolviert werden. Der rechnerische Bruttostundenlohn im Falle der vergüteten Praktika liegt bei 3,77 Euro. 40 Prozent der Praktika nach Studienabschluss werden allerdings überhaupt nicht vergütet. Die Praktika nach Studienabschluss unterscheiden sich damit erheblich von den stärker formalisierten Volontariaten, Hospitationen, Referendariaten und sonstigen auf den Berufseinstieg vorbereitenden Praxisphasen nach Studienabschluss. Es sind starke regionale, fach- und branchenspezifische Unterschiede zu beobachten. Praktikantinnen und Praktikanten sind auf zusätzliche finanzielle Unterstützung angewiesen. Im Vergleich zur Vorgängerbefragung ''Generation Praktikum 2007'' ist der Anteil der nicht vergüteten Praktika leicht zurückgegangen, parallel jedoch auch die durchschnittliche Vergütung der bezahlten Praktika nach Studienabschluss. Nach wie vor werden die Praktikantinnen und Praktikanten mehrheitlich von ihren Eltern bei der Sicherung des Lebensunterhalts während des Praktikums unterstützt (56 Prozent). Stärker als in der Befragung vor drei Jahren, nehmen Praktikantinnen und Praktikanten nach Studienabschluss jedoch zusätzlich auch finanzielle Unterstützung ihrer Partnerin bzw. ihres Partners in Anspruch (23 Prozent), setzen eigene Ersparnisse ein (43 Prozent) oder sind auf Sozialleistungen (22 Prozent) angewiesen. Praktika nach Studienabschluss sind unter Absolventinnen häufiger als unter Absolventen. Die Wahrscheinlichkeit, im Anschluss an das Studium ein Praktikum oder ein praktikumsähnliches Beschäftigungsverhältnis (Hospitation, Referendariat, Volontariat, Traineephase etc.) aufzunehmen, liegt bei Absolventinnen höher als bei ihren männlichen Kommilitonen. Unter den hier befragten Absolventinnen gaben 32 Prozent an, direkt im Anschluss an das Studium ein Praktikum oder ein praktikumsähnliches Beschäftigungsverhältnis aufgenommen zu haben, während der Anteil unter den männlichen Befragten bei 24 Prozent lag. Auf die gesamte betrachtete Zeitspanne nach dem Studienabschluss, also insgesamt rund 3,5 Jahre gesehen, sind Praktika unter Absolventinnen ebenfalls häufiger als unter Absolventen, und ein höherer Anteil der Absolventinnen als der Absolventen nimmt mehr als ein Praktikum auf. Im Vergleich zur vorangehenden Befragung ''Generation Praktikum 2007'' nähern sich diese Anteile jedoch einander an. Bei der Bewertung dieser Ergebnisse ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Geschlechterverhältnis sich je nach Studienrichtung unterscheidet. Der Anteil weiblicher Studierender ist in mehreren Fachrichtungen, bei denen vergleichsweise selten Praktika nach Studienabschluss erfolgen (z.B. Elektrotechnik, Informatik), unterdurchschnittlich und in mehreren Fachrichtungen mit häufiger vorkommenden Praktika (z.B. Biologie, Psychologie, Sprach- und Kulturwissenschaften) überdurchschnittlich ausgeprägt. Jedes sechste Praktikum ist nach den Maßstäben des DGB Index Gute Arbeit ein ''schlechtes'' Praktikum, fast jedes zweite ein ''gutes'' Praktikum. Die Beschreibung der erlebten Praktika nach Studienabschluss anhand ausgewählter Dimensionen des ''DGB Index Gute Arbeit'' zeigt, dass Ressourcen und Belastungen bei einem Großteil der Praktika - nämlich jeweils 44 Prozent - günstig ausgeprägt sind: Unterstützende Ressourcen sind gegeben, störende Belastungen werden aufgefangen oder treten nicht auf. Auf der anderen Seite sind 14 Prozent der Praktika von mangelnden Ressourcen im Sinne ''schlechter Arbeit'' geprägt, und bei 18 Prozent der Praktika treten erhebliche Belastungen auf, die nicht aufgefangen werden und somit als ''schlechte Arbeit'' erlebt werden. Informationsfluss, Kreativität und Kollegialität sind die bei Praktika insgesamt besonders stark ausgeprägten Ressourcen, während mangelnde Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten und die erlebte Arbeitsintensität wesentliche Belastungsfaktoren darstellen und bei unterschiedlichen Praktikumstypen auftreten können. Unter dem Strich sind auf Basis der erhobenen Teildimensionen des DGB Index Gute Arbeit 44 Prozent der Praktika nach Studienabschluss ''gute Praktika'', 40 Prozent ''mittelmäßige Praktika'' und 16 Prozent ''schlechte Praktika''. Die im Gesamtindex Gute Arbeit (für reguläre Beschäftigungsverhältnisse) am höchsten priorisierten Index-Kategorien Sicherheit und Einkommen (vgl. Fuchs 2007) wurden hierbei allerdings nicht erhoben, ''gutes Praktikum'' ist damit nicht gleichzusetzen mit ''gute Arbeit''. Die Praktikumstypen I ''Training on the Job'', II ''faires Lernangebot'' und III ''Learning by Doing'' sind ''gute'' Praktika und machen 55 Prozent der Praktika aus. Auf Basis der ebenfalls erhobenen qualitativen Beschreibungsmerkmale wurde eine Typologie der Praktika vorgenommen, die sechs Typen von Praktika nach Studienabschluss ergab. Drei dieser sechs Typen, entsprechend 55 Prozent der beschriebenen Praktika, empfinden die Befragten als überwiegend hilfreich: Der Typ I (''Training on the Job'', 16 Prozent) ähnelt einer Hospitation, einem Referendariat oder einem Volontariat, indem die Praktikantinnen und Praktika analog zu Trainees, die direkt in einen Beruf einsteigen, weitestgehend vollwertige Arbeit leisten und hierfür neben der Lernchance eine zumindest annähernd als angemessen empfundene Vergütung erhalten. Praktika des Typs II (''faires Lernangebot'', 15 Prozent) sind hingegen schlecht bezahlt, allerdings gut und strukturiert betreut, an den Lerninteressen der Praktikantinnen und Praktikanten orientiert und stellen das Lernen in den Vordergrund. Der Praktikumstyp III (''Learning by Doing'', 24 Prozent) verläuft unstrukturiert und ohne expliziten Praktikumsplan, jedoch mit einer konkreten, spannenden Praktikumsaufgabe und ermöglicht den Teilnehmenden, die sie interessierenden Bereiche kennen zu lernen und sich in praktischen Tätigkeiten, zum Beispiel im Rahmen eines konkreten Projekts, auszuprobieren. Diese drei Praktikumstypen werden überwiegend positiv eingeschätzt. Die Praktikumstypen IV ''Vollzeit-Nebenjob'', V ''unklare Rollen'' und VI ''billige Arbeitskraft'' sind ''mittelmäßige'' bis ''schlechte'' Praktika. 45 Prozent der von uns erfassten Praktika weisen Defizite auf: Beim Praktikumstyp III (''Vollzeit-Nebenjob'', 24 Prozent der Praktika) leisten die Praktikantinnen und Praktikanten vollwertige Arbeit, bestenfalls bezahlt auf Nebenjob-Niveau, und das Lernen steht nicht explizit im Vordergrund - allerdings lässt sich auf der anderen Seite der Praktikumslauf insoweit an die eigenen Wünsche und Interessen anpassen, dass die Praktikantinnen und Praktikanten ''nebenbei'' viel lernen und ihr Praktikum daher immer noch überwiegend als hilfreich für die berufliche Zukunft erleben. Im Praktikumstyp V (''unklare Rollen'', 11 Prozent) herrscht offenbar kein gegenseitiges Verständnis über die Erwartungen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Die Praktikantin oder der Praktikant ist anwesend, ohne wirklich beteiligt zu sein. Die Rollen scheinen hier unklar zu sein. Verlauf und Ergebnisse bleiben diffus und der Ertrag enttäuschend, ohne jedoch den Geschmack von ''Ausbeutung'' zu haben. Beim Praktikumstyp VI (''billige Arbeitskraft'', 10 Prozent) steht das Lerninteresse der Teilnehmenden ganz im Hintergrund - entgegen deren Wünschen und Interessen wird hier vollwertige, fest eingeplante Arbeit verlangt, ohne eine entsprechende Gegenleistung, weder finanziell noch hinsichtlich Lernchancen oder Freiheitsgraden zu bieten. Gute und schlechte Praktika gibt es überall, auch in allen Branchen. Die sechs ermittelten Praktikumstypen wie auch die auf dem ''DGB-Index Gute Arbeit'' basierende Analyse der Ressourcen und Belastungsfaktoren weisen keine eindeutige Beziehung zu den formalen Rahmenbedingungen des jeweiligen Praktikums auf: Lange Praktika sind nicht generell lehrreicher, bezahlte Praktika sind nicht generell fairer, und Praktika in der einen oder der anderen Branche sind nicht generell vom Typ V (''unklare Rollen'') oder VI (''billige Arbeitskraft'') oder aber einem der drei positiven Praktikumstypen zuzurechnen. Vielmehr finden sich sowohl die ''guten'' als auch die ''schlechten'' Praktika in allen Branchen und Konstellationen. Praktika nach Studienabschluss sind nur selten ein Karrieresprungbrett, aber auch kein Karrierehindernis - und am Ende überwiegt der Optimismus. Rund die Hälfte der Praktikantinnen und Praktikanten geht mit der Hoffnung in ein Praktikum nach Studienabschluss, dass sich ein Angebot auf Übernahme anschließen möge. Rund 20 Prozent der das Praktikum anbietenden Organisationen, Unternehmen, Verbände und Einrichtungen stellen eine solche Übernahme tatsächlich zu Beginn des Praktikums in Aussicht. Am Ende des Praktikums werden entsprechende Übernahmeangebote in reguläre Beschäftigungsverhältnisse ebenfalls rund 20 Prozent der Praktikantinnen und Praktikanten ausgesprochen. Darüber hinaus werden rund 20 Prozent anderweitige Fortführungen jenseits regulärer Anstellung angeboten. Die realen Aussichten auf Übernahme liegen somit eher im Bereich der Zusagen und Ankündigungen der Praktikumsgeber als in der Höhe der Hoffnungen derjenigen, die ein Praktikum nach Studienabschluss antreten. 3 ½ Jahre nach Studienabschluss ist die überwältigende Mehrheit der Befragten - ob mit oder ohne zwischenzeitliches Praktikum - in eine relativ stabile berufliche Beschäftigungssituation gelangt: Rund zehn Prozent derjenigen ohne zwischenzeitliches Praktikum und rund 15 Prozent derjenigen, die nach Studienabschluss ein Praktikum aufgenommen haben, sind zum Befragungszeitpunkt arbeitssuchend, befinden sich aktuell in einem Praktikum oder praktikumsähnlichen Beschäftigungsverhältnis oder gehen derzeit kurzfristigen Arbeitsverhältnissen nach. Diejenigen, die nach Studienabschluss ein Praktikum absolviert haben, geben dabei eine objektiv (z.B. Bruttoeinkommen, Befristung, Profil der Beschäftigungsverhältnisse) und subjektiv (z.B. berufliche Zufriedenheit, empfundene Prekarität) etwas ungünstigere Beschreibung ihrer aktuellen beruflichen Situation an als die Befragten ohne zwischenzeitliches Praktikum. Eine deutliche Mehrheit hat jedoch ''trotz'' des Einstiegs über ein Praktikum inzwischen eine subjektiv zufriedenstellende Position erreicht, und der Blick in die Zukunft fällt in beiden Gruppen, mit und ohne zwischenzeitliche Praktika, gleichermaßen optimistisch aus: Nicht ungetrübt und ausnahmslos, aber doch überwiegend optimistisch. Vollwertige Arbeit bei nicht vollwertiger Bezahlung ist nicht gleichbedeutend mit erlebter Unfairness. Fast durchweg empfinden die Praktikantinnen und Praktikanten ihre Arbeit während des Praktikums nach Studienabschluss als vollwertigen Beitrag, der zumeist auch fest in den Betriebsablauf integriert ist, jedoch keine angemessene finanzielle Entlohnung findet. Allerdings erwarten sie offenbar in dieser Situation auch keine der geleisteten Arbeit entsprechende Bezahlung und sehen Praktika nicht ernsthaft als Gelegenheit, um Geld zu verdienen. Wenn ihnen das Praktikum hinreichende Lernchancen bietet, den Erfahrungsschatz bereichert, Gelegenheiten zum Kompetenzerwerb und zur beruflichen Orientierung bietet und den inhaltlichen Interessen und Wünschen der Praktikantinnen und Praktikanten entspricht, überwiegen für sie die Vorteile eines Praktikums deutlich gegenüber den Nachteilen, und sie sehen sich unter dem Strich trotz der Einschätzung als prekärer Beschäftigungssituation fair behandelt (69 Prozent Zustimmung). Dort, wo diese Bedingungen der Fairness nicht gegeben sind oder wo das Praktikum einseitig den Interessen des Praktikumgebers dient, überwiegt der Eindruck, nicht fair behandelt zu werden. Entgegen der möglichen Erwartung, dass Personen, die nach Studienabschluss (z.B. anstelle ihres ''eigentlich'' erhofften direkten Einstiegs) ein Praktikum absolviert haben, diese Beschäftigungsform kritischer, prekärer, ausbeuterischer einschätzen sollten, fällt ihre Gesamteinschätzung sehr sachlich und im Vergleich zu den Personen ohne entsprechende Praktikumserfahrung in einigen Punkten sogar positiver aus. So finden 21 Prozent der Befragten ohne Praktikumserfahrung, dass Praktika reguläre Arbeit verhindern - unter den Befragten mit Praktikumserfahrung schließen sich jedoch nur 15 Prozent dieser These an. Kontrolle der missbräuchlichen Schaffung von Praktikumsplätzen, formale Standards sowie Mindestvergütung werden einhellig gefordert. Die Befragten befürworten mehrheitlich eine Vielzahl (tarif-)politischer Handlungsmöglichkeiten. 78 Prozent sind für eine regelmäßige Kontrolle, ob Praktikumsplätze reguläre Beschäftigungsverhältnisse ersetzen, und 76 Prozent sprechen sich für die Festsetzung einer Mindestvergütung für Praktika nach Studienabschluss aus - also auch für ein Verbot der unentgeltlichen Praktika, welche einen Anteil von 40 Prozent aller Praktika nach Studienabschluss ausmachen. Während eine Reihe formaler Festlegungen ebenfalls befürwortet wird, soll die konkrete Ausgestaltung von Praktika nach Ansicht einer Mehrheit der Befragten dennoch vor allem den Akteuren vor Ort überlassen bleiben. 32 Prozent fordern ein generelles Verbot von Praktika für Personen mit erfolgreichem Studienabschluss (stattdessen z.B. befristete Verträge), 43 Prozent lehnen dies ab. Die Vielfalt der als positiv herausgestellten Praktikumstypen und das Fehlen eindeutiger formaler Kriterien für ''schlechte'' Praktika (z.B. hinsichtlich Dauer, Frage der Bezahlung, Branche, fachlicher Hintergrund, Vorliegen eines Praktikumsplans etc.) erschweren eine Festlegung auf die ''einzig richtigen'', die ''überall passenden'' politischen, gesetzgeberischen und/oder tarifvertraglichen Regelungen. Diese sollten sich vor allem gegen die beiden problematischsten Praktikumstypen V (''unklare Rollen'') und VI (''billige Arbeitskraft'') richten, beide mit jeweils rund 10 Prozent der Praktika nach Studienabschluss, aber auch zu einer Weiterentwicklung der anderen Praktikumstypen, besonders dem zweischneidigen Typ IV (''Vollzeit-Nebenjob'', 24 Prozent aller Praktika) dienen. Dass ein solches gesellschaftliches und politisches Handeln erforderlich ist und auch den Interessen der ''Betroffenen'' entspricht, ob mit oder ohne Praktikumserfahrung, belegen die Ergebnisse der vorliegenden Studie. Die besondere Herausforderung besteht darin, Risiken und Missbrauchsfälle wirksam und innerhalb einer absehbaren Zeitspanne einzudämmen, ohne andererseits die Chancen und die vielfältigen Fomen der als hilfreich, förderlich, unterstützend erlebten positiven Konstellationen allzu sehr einzuschränken. Unter dem Schlagwort ''Generation Praktikum'' begann vor einigen Jahren eine polarisierende Diskussion in Medien, Politik und Gesellschaft: Die einen sahen und sehen Anzeichen für einen unaufhaltsamen Trend zu immer prekäreren, kurzfristigeren, an Ausbeutung grenzenden Beschäftigungsverhältnissen junger hochqualifizierter Menschen. Praktika, insbesondere Praktika nach Studienabschluss, sind nach dieser Sichtweise nur eines von vielen Beispielen für eine gesellschaftliche Entwicklung zum Nachteil der ins Erwerbsleben eintretenden Individuen: Kurzzeitige Beschäftigungsverhältnisse mit voller Arbeitszeit, voller geleisteter Arbeitsqualität - und nicht einmal halber Bezahlung und noch weniger Perspektive für die Zeit danach. Vielfältige Indizien untermauern diese Sichtweise, darunter zahllose Fallberichte, die Ergebnisse einiger systematischer Erhebungen und auch die Daten zu gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen wie beispielsweise einem Anstieg der Beschäftigtenzahlen in Zeitarbeitsunternehmen, einem höheren Anteil befristeter im Vergleich zu unbefristeten Arbeitsverhältnissen oder einer Entwicklung hin zu mehr Teilzeitbeschäftigung. Die anderen führen nicht weniger schwungvoll an, dass an Praktika schlichtweg nicht dieselben Anforderungen wie an reguläre Arbeitsverhältnisse gestellt werden dürften, dass es sich um ein quantitativ untergeordnetes Phänomen handele, eine respektable Lern- und Einstiegschance im gegenseitigen Interesse und dass einzelne problematische Auswüchse nicht auf das Gesamtbild der insgesamt positiven Institution ''Praktikum'' verallgemeinert werden dürften. Auch hier gibt es Studien, Eindrücke und Fallbeispiele, die diese Position glaubhaft untermauern: Praktika beträfen demnach ohnehin nur eine Minderheit und seien für diese wenigen eine gute Möglichkeit, um sich zu orientieren, um Kontakte zu knüpfen und um praxisrelevantes Wissen zu erwerben, mit dem Ergebnis, anschließend einen erfolgreichen Start in weiterführende Beschäftigungsverhältnisse zu erreichen. Dies gelte auch für Praktika nach Studienabschluss, welche folglich eine gute Chance seien, etwaige Defizite des vorangehenden Studiums (z.B. ungünstige Fächerwahl, Mangel an berufsfeldrelevanten Kompetenzen, nicht für eine direkte Einstellung ausreichende Noten) auszugleichen. Gemutmaßt wurde bisweilen sogar, dass das mediale Schlagwort ''Generation Praktikum'' nicht viel mehr als ein von den Medien selbst produzierter Mythos sei, da gerade in der Medienbranche Praktika nach Studienabschluss quantitativ häufiger und zudem häufiger problematisch seien und da die beteiligten Journalistinnen und Journalisten die Chance ergriffen hätten, um auf diesem Wege über diese oftmals als prekär erlebte Facette ihres eigenen persönlichen Berufseinstiegs zu berichten. Wo also liegt die Wahrheit? Wo sind Praktika nach Studienabschluss auf dem Kontinuum mit den Extrempolen ''Fairness'' und ''Ausbeutung'' einzuordnen? Sind sie hilfreich oder schädlich, sind sie richtig oder falsch, sind sie gut oder böse? Zu einem Konsens ist es seit dem Aufleben der Diskussion vor gut fünf Jahren nicht gekommen: Weder herrscht Einigkeit darüber, als wie bedeutsam das Phänomen ''in Wahrheit'' und ''ganz objektiv'' anzusehen sei noch darüber, wie mit den vielfältigen Erscheinungsformen von Praktika umzugehen ist. Hierzu trägt bei, dass mit dem Begriff ''Praktikum'' häufig eine Vielzahl unterschiedlicher Beschäftigungsverhältnisse zusammengefasst wird, die sich hinsichtlich ihrer Struktur (Befristung auf einen Zeitraum von einigen Monaten, Abgrenzung zu regulärer Beschäftigung, geringe Bezahlung, spezieller Status der Beschäftigten) ähneln, inhaltlich und funktional aber eine durchaus unterschiedliche Bedeutung haben: Kurzpraktika nach einem Schulabschluss, mit der Idee eines ersten Kennenlernens eines Berufsfeldes, haben eine andere Funktion als Praktika, die einen festen Bestandteil eines Hochschulstudiums darstellen und curricular integriert sind, und diese sind wiederum von anderer Bedeutung als jene Praktika, die nach Studienabschluss aufgenommen werden und offenbar kein Teil des Studiums an sich sind - aber was dann? Im Fokus der vorliegenden Untersuchung: Praktika nach Studienabschluss Diese spezielle Gruppe von Praktika, nämlich Praktika nach Studienabschluss, steht im Fokus der vorliegenden Studie. Junge hochqualifizierte Menschen, die erfolgreich ein Studium an einer Universität abgeschlossen haben und den Einstieg in das Berufsleben anstreben, machen ein Praktikum. Warum? Sie haben im Laufe ihres Studiums häufig bereits in das Curriculum eingebettete Praktika absolviert oder studienbegleitend, verpflichtend oder freiwillig, an mehrwöchigen bis mehrmonatigen Praktika in Unternehmen, Organisationen und anderen Einrichtungen teilgenommen und sollten daher als Absolventinnen und Absolventen orientiert, kompetent und qualifiziert sein. Sie sollten, in der Bologna-Begrifflichkeit gesprochen, ''employable'' sein, um eine befristete oder unbefristete reguläre Arbeitsstelle anzutreten oder um sich nochmal weiterzuqualifizieren, im Rahmen eines weiterführenden Studiums, einer Promotion oder einer fachgebundenen Zusatzausbildung. Und dennoch treten viele von ihnen zunächst ein Praktikum an. Aus welchen Gründen geschieht dies? Wird die Entscheidung, ein Praktikum nach Studienabschluss anzutreten, aus einer Not, einer Verzweiflung oder einer Hoffnung heraus geboren, ist es eine freiwillige Entscheidung, dienen solche Praktika der zeitlich-finanziellen Überbrückung oder dem Nachholen eines Kompetenzerwerbs, der im vorangehenden Studium zu kurz kam? Eine Reihe von Studien haben sich in den vergangenen Jahren dem Thema ''Praktika nach Studienabschluss'' gewidmet, jede von ihnen mit einem bestimmten inhaltlichen Fokus und einer methodisch und konzeptionell bedingten Aussagekraft. Die von der DGB Jugend initiierte und von der Hans-Böckler-Stiftung getragene Studie ''Generation Praktikum'' (nachfolgend: ''Generation Praktikum 2007'' bzw. ''GP 2007'') untersuchte erstmals ganz gezielt das Phänomen der Praktika und praktikumsähnlichen Beschäftigungen nach Studienabschluss. 499 Absolventinnen und Absolventen zweier Universitäten wurden rund 3,5 Jahre nach ihrem Abschluss dazu befragt, ob sie in der Zwischenzeit Praktika absolviert hatten und falls ja, aus welchen Gründen, zu welchen Bedingungen und mit welchen Erfahrungen. Aufgrund der methodischen Gestaltung der Studie, insbesondere dem Verweis auf das Thema ''Praktika nach Studienabschluss'' und der freiwilligen Teilnahme, war von einer Repräsentativität der Ergebnisse hinsichtlich des objektiven Anteils an Praktikantinnen und Praktikanten nicht auszugehen - in der Stichprobe fand sich entsprechend ein hoher Anteil von 40 Prozent an Personen mit einem Praktikum oder mehreren Praktika nach Studienabschluss. Hinsichtlich der Fächerverteilung, der Dauer und Vergütung der absolvierten Praktika spiegelte ''Generation Praktikum 2007'' dennoch die aus den Repräsentativbefragungen vorliegenden Befunde wider und konnte somit das Bild hinsichtlich einzelner, in der damaligen Studie erstmals überhaupt angesprochener qualitativer Aspekte wie zum Beispiel der rückwirkenden Bewertung dieser Praktika in der Erwerbsbiografie erweitern. Die Ergebnisse dieser ersten Studie und die von ihr ausgelösten Diskussionen waren ein wesentlicher Anlass, zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine zweite, insbesondere in qualitativer Hinsicht vertiefende Studie durchzuführen, deren Ergebnisse hier vorgestellt werden. Von der Hochschul Informations System GmbH (HIS 2007), die regelmäßig flächendeckende Befragungen unter Absolventinnen und Absolventen durchführt, stammt eine spezielle Auswertung zum Thema ''Praktika nach Studienabschluss'', welches als eines von mehreren Themen in der laufenden Repräsentativbefragung berücksichtigt wurde. Die Auswertung basiert auf mehreren Tausend Datensätzen von Absolventinnen und Absolventen des Wintersemesters 2004/05 und Sommersemesters 2005, welche im Jahr 2006 befragt wurden - also einige Monate bis rund ein Jahr nach Studienabschluss. Später stattfindende Praktika wie auch die Bewertung eben dieser Praktika mit Blick auf die anschließende Berufsbiografie sind daher methodenbedingt nicht berücksichtigt. Die Studie kommt zu einem Gesamtanteil von 12 Prozent (Fachhochschule) bzw. 15 Prozent (Universität) aller Absolventinnen und Absolventen, die nach Studienabschluss bis zum Befragungszeitpunkt ein Praktikum absolviert haben, mit einer Spannweite zwischen weniger als 5 Prozent (z.B. Pharmazie, Lehramt Realschule sowie Elektrotechnik) und über 20 Prozent (z.B. Psychologie, Architektur, Wirtschaftswissenschaften) sowie dem ''Extremfall'' der Gruppe der Magisterstudiengänge mit 34 Prozent, unter deren Absolventinnen und Absolventen folglich rund ein Drittel und damit keineswegs nur eine Minderheit nach dem Studium ein Praktikum aufnimmt. Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin führte das Internationale Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES 2008) eine ebenfalls repräsentative Befragung unter Personen zwischen 18 und 34 Jahren mit abgeschlossener Ausbildung durch. Befragt wurden 2.616 Absolventinnen und Absolventen aller Ausbildungsabschlüsse (schulisch, berufsausbildend, hochschulisch) zu ihrem Berufseinstieg. In der Teilstichprobe der Hochschulabsolventinnen und -absolventen befanden sich 376 Personen, die zum Teil vor wenigen Monaten, zum Teil vor mehreren Jahren ihr Studium an einer Hochschule (Fachhochschule oder Universität) abgeschlossen hatten. Von diesen gaben wiederum 24 Prozent an, in der Zeit nach ihrem Studium ein Praktikum oder eine praktikumsähnliche Beschäftigungsform (z.B. auch: Hospitation, Volontariat, Trainee-Programm) aufgenommen zu haben, auf ''echte'' Praktika nach Studienabschluss entfiel dort ein Anteil von 18 Prozent. Das Bayerische Institut für Hochschulforschung hat im Zuge des ''Bayerischen Absolventenpanels'' zum Absolventenjahrgang 2004 den Berufseinstieg in der Phase zwischen Studienabschluss und 15 Monate danach detailliert nachgezeichnet (''IHF 2009''). In den Übergangsprofilen mehrerer Fächergruppen (u.a. Wirtschaftswissenschaften, Germanistik, Soziologie) zeigte sich, dass Praktika nach Studienabschluss sich häufig nicht unmittelbar und zeitlich direkt an das Studium anschließen, sondern erst einige Monate nach dem jeweiligen Studienabschluss ihren maximalen Anteil von je nach Fächergruppe zwischen fast Null und über 20 Prozent erreichen. Die häufig in vergleichbaren Erhebungen gestellte Frage nach der ''ersten'' Beschäftigung im Anschluss an das Studium erfasst somit nur einen Teil derjenigen, die während ihrer häufig mehrere Jahre umfassenden Berufseinstiegsphase jemals ein Praktikum oder eine praktikumsähnliche Beschäftigung aufnehmen. Die Daten offenbaren zudem erhebliche Unterschiede zwischen den Fächergruppen. So sprechen die Autoren bei den Sprach-, Kultur- und Sozialwissenschaften von einem ''großen und hartnäckigen ‚Rest’ von problematischen Beschäftigungsverhältnissen'' (IHF 2009, S. 54), während in anderen Fächergruppen Praktika nach Studienabschluss nur eine Randerscheinung darstellen. Rein quantitativ gesehen, ist ein Praktikum nach Studienabschluss gemäß der bislang vorliegenden Studien also nicht der Regelfall, aber auch nicht die Ausnahme. Die auf empirischen Erhebungen basierende Schätzung ihrer aktuellen Häufigkeit schwankt zwischen vier Prozent (Absolventenstudie des INCHER Kassel: Schomburg, 2009, allerdings mit einer eher ''verdeckten'' Frage nach Praktika), rund 15-20 Prozent (HIS 2007, INIFES 2008, IHF 2009) und über einem Drittel (GP 2007, allerdings mit einer sehr ''offensichtlichen'' Thematisierung der Praktika). Die ermittelten Häufigkeiten variieren in Abhängigkeit von der befragten Zielgruppe, der Erhebungsmethodik, dem Erhebungszeitpunkt, aber auch der konkreten Definition, welche Beschäftigungsformen genau unter dem Begriff ''Praktikum nach Studienabschluss'' gefasst werden: So sind Hospitationen, Volontariate und Trainee-Phasen durchaus als ''praktikumsähnliche'' Beschäftigungsverhältnisse anzusehen (zeitlich befristet, zu regulärer Beschäftigung hin abgegrenzt, mit einem speziellen Status ausgestattet) und werden, je nach Studie, zusammen mit ''echten'' Praktika nach Studienabschluss erfasst oder separat hiervon erhoben - mit Auswirkungen auf die ermittelten Prozentanteile und die darauf basierenden Schlussfolgerungen. Ebenfalls zeigt sich, dass die Spannweite der Häufigkeit dieser ''echten'' Praktika im engeren Sinne zwischen Studienrichtungen dramatische Ausmaße annimmt: Fächer wie Elektrotechnik, Pharmazie und Lehramt bei rund fünf Prozent und weniger, auf der anderen Seite Architektur, Psychologie, Sprach- und Kulturwissenschaften bei 20 und mehr Prozent, bis zu über einem Drittel bei den Magisterstudiengängen. Nicht berücksichtigt sind bei diesen Angaben zu ''echten'' Praktika nach Studienabschluss andere praktikumsähnliche Beschäftigungsverhältnisse wie Hospitationen, Volontariate, Referendariate, Internships oder Trainee-Phasen, welche in einigen Studienrichtungen Teil des regulären Berufseinstiegs sind und von der Art der Beschäftigung einige Parallelen zu Praktika aufweisen: Befristet, vom Status her ''nicht vollwertig'', von der Intention her dem Lernen dienlich. Die INIFESStudie (2008) kommt beispielsweise zu dem Schluss, dass nur rund 30 Prozent der Absolventinnen und Absolventen mit Hochschulabschluss den Einstieg in ein ''Normalarbeitsverhältnis'' erleben - mehr als zwei Drittel berichten hingegen von einer oder mehreren Phase ''atypischer'' Arbeitsverhältnisse, darunter 24 Prozent von Praktika und praktikumsähnlichen Beschäftigungsverhältnissen nach dem Studienabschluss. Die ''echten'' Praktika nach Studienabschluss sind damit eine einzelne Facette eines vielfältigen Phänomens, welches keineswegs nur eine Minderheit der Absolventinnen und Absolventen betrifft. Zu den objektiven Merkmalen ''echter'' Praktika nach Studienabschluss (d.h. im engeren Sinne der Definition, ohne Volontariate, ohne Trainee-Phasen etc.) liegen einige grobe Daten vor: Von denjenigen, die nach Studienabschluss überhaupt Praktika absolvieren, nimmt rund ein Drittel mehr als ein Praktikum auf (INIFES 2008, S. 23, GP 2007, S. 11, HIS 2007, S. 4: ''nur'' ein Fünftel, vgl. allerdings den bigraphisch frühen Befragungszeitpunkt). Ungefähr die Hälfte dieser Praktika dauert bis zu 3 Monate, rund zwei Drittel sind bis zu 6 Monaten Dauer ausgelegt. Über ein Drittel der Praktika ist unvergütet (HIS 2007: 34 Prozent, GP 2007: 52 Prozent). Alle vorliegenden Studien berichten übereinstimmend, dass der Anteil jener, die ein Praktikum aufnehmen, unter den weiblicher Absolventinnen deutlich höher liegt als bei ihren männlichen Kommilitonen, wobei derzeit noch keine Erkenntnisse vorliegen, ob dies ein unmittelbarer Effekt des Geschlechts ist oder aber ob sich der relative Nachteil der weiblichen Praktikantinnen indirekt, beispielsweise durch die ungleich verteilten Fächerwahlen ergibt. Der so genannte ''Klebeeffekt'', also die Übernahme nach Abschluss des Praktikums, macht nach den Ergebnissen der INIFES-Studie (2008, S. 33) rund 20 Prozent aus. Laut ''Generation Praktikum 2007'' (GP 2007, S. 19) hoffen 35 Prozent der Praktikantinnen und Praktikanten auf eine Übernahme, 16 Prozent wird diese Möglichkeit in Aussicht gestellt, und bei 23 Prozent folgt tatsächlich eine spätere Übernahme. Die qualitative, subjektive Seite von Praktika nach Studienabschluss spielte in den bisherigen Erhebungen eine eher untergeordnete Rolle. Der Fokus bisheriger Untersuchungen liegt auf dem quantitativen Ausmaß und objektiven Merkmalen. Die Fragen, welche motivationalen Faktoren zur Aufnahme eines Praktikums nach Studienabschluss führen, ob die Erwartungen und Hoffnungen der Praktikantinnen und Praktikanten erfüllt wurden und wie sie Praktikumsverlauf und -ergebnissse bewerten, wurden bislang nur auf einer sehr aggregierten Ebene betrachtet. So berichtet die HIS-Studie (2007) hinsichtlich der Aufnahmemotivation, dass das Sammeln von Erfahrungen (''rund drei Viertel''), der erhoffte Einstieg in eine Beschäftigung (''gut die Hälfte''), der Wunsch nach einer speziellen Qualifizierung (44 Prozent), das Fehlen einer Arbeitsstelle (34 Prozent) sowie die Hoffnung auf eine anschließende Übernahme (19 Prozent) die ausschlaggebenden Gründe gewesen seien. Hinsichtlich der subjektiven, qualitativen Bewertung des Praktikumsablaufs liegen aus den bisherigen Studien ebenfalls nur grob zusammenfassende Ergebnisse vor: Rund die Hälfte berichtet über Mängel in der Betreuung (HIS 2007, S. 5, ''Praktikumsplan''), jeweils rund zwei Drittel schätzen die Arbeitsaufgaben ebenso wie den Lerngehalt des Praktikums positiv ein. Ausgenutzt fühlt sich nach den Ergebnissen der HIS-Studie (2007, S. 6) rund ein Fünftel derjenigen, die über ein Praktikum berichten, die INIFES-Studie (2008, S. 30) führt hier über ein Drittel an, wobei diese Frage nur bei denjenigen gestellt wurde, die eine Vergütung für ihr Praktikum erhielten. Die bislang vorliegenden Befunde deuten an, dass es eine sehr große quantitative wie auch qualitative Spannweite der Praktika nach Studienabschluss gibt, und dass viele unterschiedliche Dimensionen bei der Frage zusammenwirken, ob ein solches Praktikum aus Sicht der Praktikantinnen und Praktikanten fair oder unfair, hilfreich oder unnütz, erfolgreich oder erfolglos verläuft. Ebenso scheint seitens der praktikumsgebenden Organisationen, Unternehmen und Institutionen ebenfalls eine Bandbreite zu bestehen, zwischen der aufrichtigen und durch aktive Betreuung unterlegten Absicht, für einen vorübergehenden Zeitraum Einblicke in das betreffende Arbeitsgebiet zu geben und der Idee, qualifizierte Absolventinnen und Absolventen durch Praktikumsangebote anzulocken, ihre Arbeitskraft und Kreativität unverbindlich zu nutzen, ohne jedoch entsprechende Gegenleistungen in Form von Vergütung, Lerngewinnen oder weiterführenden Perspektiven zu bieten. Durch die zwischenzeitliche Finanz- und Wirtschaftskrise und den in ihrer Folge potenziell erschwerten direkten Berufseinstiegen von Absolventinnen und Absolventen liegt der Gedanke nahe, dass Praktikumsgeber diese spezifische Situation ausnutzen könnten, um vermehrt Praktikantinnen und Praktikanten einzusetzen, statt reguläre (ggf. befristete) Beschäftigungsangebote zu machen. Andererseits sind hierzu auch Gegenbewegungen erkennbar, die einem solchen - mutmaßlichen oder realen - Trend direkt oder indirekt entgegenwirken. Beispielsweise wurde die Initiative ''Fair Company'' ins Leben gerufen, bei der sich Anbieter von Praktika, vorrangig Unternehmen, auf freiwilliger Basis dazu verpflichten, Grundsätze wie eine lerngerechte Planung von Praktika und eine Mindestvergütung einzuhalten. Die derzeit weiter voranschreitende Umstellung von Studienprogrammen auf die Struktur von Bachelor und Master im Rahmen des Bologna-Prozesses soll die Berufsfähigkeit (''Employability'') von Absolventinnen und Absolventen stärker in den Vordergrund rücken, sodass praxisrelevante und beruflich orientierende Kompetenzen mehr als bislang bereits während des Studiums vermittelt werden (sollen). Falls dieses Vorhaben gelingt, könnten solche Praktika nach Studienabschluss, die vor allem mit dem Motiv aufgenommen werden, sich beruflich zu orientieren oder praxisrelevante Kompetenzen zu erwerben, langfristig an Bedeutung einbüßen - eben weil diese Kompetenzen und Erfahrungen bereits im Laufe des Studiums erworben werden konnten. Schließlich, als drittes Beispiel, hat das Europäische Parlament im Jahre 2010 eine Resolution verabschiedet, in der die Mitgliedsländer aufgefordert werden, allgemeine Mindeststandards für Praktika festzulegen. Diese umfassen eine Mindestvergütung, die Begrenzung der Dauer sowie die Aufforderung, dass Praktika keine realen Arbeitsplätze ersetzen dürfen. Wie praktikabel diese Forderungen sind und ob sie ihren Zweck - die Ermöglichung ''guter'' Praktika und die Verhinderung ''schlechter'' Praktika - erfüllen und auch aus Sicht der ''Betroffenen'' geeignete Mittel darstellen, wurde bislang nicht im Detail untersucht. Somit besteht nach wie vor ein Bedarf an belastbaren Informationen, welche die Situation von Praktikantinnen und Praktikanten mit Studienabschluss näher beleuchten und vor allem Einblicke in die qualitative Seite solcher Praktika ermöglichen. Ziele der vorliegenden Studie: Qualitative Erweiterung, Vertiefung und Fortschreibung des Wissensstandes Die vorliegende Studie ''Generation Praktikum 2011'' knüpft methodisch an die Befragung des Abschlussjahrgangs 2002/03 im Rahmen der Studie ''Generation Praktikum 2007'' an. Anhand einer erweiterten Stichprobe werden Praktika, Volontariate und Hospitationen nach Studienabschluss des Abschlussjahrgangs 2006/07 untersucht und etwaige absehbare Veränderungstrends beleuchtet. Im Vordergrund der Analyse stehen die qualitativen, subjektiven Aspekte, die in den bislang vorliegenden Studien nur am Rande beleuchtet wurden: Aus welchen Gründen werden Praktika nach Studienabschluss aufgenommen? Wie lassen sich Praktika in Form einer Typisierung beschreiben? Welche Rolle spielt der ''Klebeeffekt'', d.h. die Hoffnung auf bzw. die tatsächliche Übernahme im Anschluss an das Praktikum? Welche Unterschiede hinsichtlich Geschlecht, Fachgruppe, Region, Branche zeigen sich? Welchen Bedarf für gesetzgeberische, tarifpolitisch, normativ und/oder gewerkschaftlich initiierte Maßnahmen sehen Praktikantinnen und Praktikanten? Welche Veränderungstrends gegenüber der ersten Studie ''Generation Praktikum 2007'' zeichnen sich ab? Die bislang vorliegenden, vor allem quantitativen Informationen über Praktika werden durch die Studie ''Generation Praktikum 2011'' qualitativ erweitert und um Handlungsbedarfe aus Sicht der ''Betroffenen'' ergänzt. Die vorliegende Studie ''Generation Praktikum 2011'' beleuchtet vertiefend diejenigen Aspekte, die in den vorliegenden Repräsentativbefragungen zu objektiven und quantitativen Einflussfaktoren von Praktika nach Studienabschluss nur am Rande betrachtet wurden und vervollständigt somit das Bild in Richtung der subjektiven, qualitativen und motivationalen Faktoren. Das eingangs geschilderte Dilemma der Bewertung von Praktika zwischen Fairness und Ausbeutung in der fragilen Phase des Berufseinstiegs von Universitätsabsolventinnen und -absolventen rückt damit in den Vordergrund der Analyse. Die Ergebnisse zeigen, dass die fundamental gegensätzliche Bewertung von Praktika nach Studienabschluss sich nicht nur ''von außen'' ergibt, in der politischen Diskussion und in der Frage, welche Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten angemessen seien, sondern dass sie sich auch in den Erfahrungen der Praktikantinnen und Praktikanten selbst widerspiegelt. Es ist das Anliegen der Studie ''Generation Praktikum 2011'', diese Widersprüchlichkeiten besser zu verstehen und Impulse für die weitere Diskussion zu liefern. Die abschließenden Hinweise auf Handlungsmöglichkeiten und weiteren Forschungsbedarf stellen einen Versuch dar, mit genau dieser Widersprüchlichkeit und Uneindeutigkeit umzugehen. Die zentrale Herausforderung, die sich nach den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung stellt, besteht darin, die deutlich werdenden positiven Facetten von Praktika nach Studienabschluss zu bewahren und zu stärken und gleichzeitig bei den ebenso deutlich hervortretenden Risiken und negativen Tendenzen wirksam gegenzusteuern. Die in dieser Studie erstmals im Detail untersuchten subjektiven Aspekte von Praktika nach Studienabschluss können und sollen hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Danksagung Das Autorenteam bedankt sich bei folgenden Personen und Institutionen: Jessica Heyser und René Rudolf (DGB Jugend) für die Idee zu der Studie, für die Mitwirkung bei der Konzeption, die Cofinanzierung sowie für die Kontaktaufnahme zu den Partnerhochschulen, Prof. Dr. Sebastian Brandl (Hans-Böckler-Stiftung, Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Schwerin) für die Festlegung der Untersuchungsziele und die Ermöglichung der finanziellen Förderung der Studie (Projektnummer 2010-369-3), Dr. Claudia Bogedan (Hans-Böckler-Stiftung) für die Projektbegleitung in der Abschlussphase, Dr. Mary Lindner (DGB Index gute Arbeit) und Tatjana Fuchs (INIFES) für wissenschaftliche Beratung zum Fragenblock ''Gute Arbeit'', Dr. Dieter Grühn (Freie Universität Berlin) für methodische Hinweise und eine kritische Durchsicht des Manuskripts, Martin Guist (Universität Kassel) für die Programmierung und das Hosten der Online-Befragung, Hannah Busemann (Universität Hamburg), Mareike Junghanns (Universität zu Köln), Antje Mayer (Universität Rostock) für die Beteiligung an der Studie und Mitwirkung bei der organisatorischen Durchführung, den studentischen Hilfskräften im Arbeitsbereich Absolventenforschung (Freie Universität Berlin) sowie den Partneruniversitäten für die kritische Durchsicht der Fragebogenentwürfe und die postalische Rücklaufkontrolle - und nicht zuletzt allen, die sich an der Studie beteiligt und uns damit Einblick in ihre Erwartungen, Erfahrungen und Einschätzungen zu Praktika nach Studienabschluss gegeben haben. ''Generation Praktikum 2011'' wurde als retrospektive, freiwillige und anonyme Online-Befragung durchgeführt. Der eingesetzte Fragebogen ''Praktika nach Studienabschluss - Erfahrungen und Perspektiven'' wurde in der Zeit zwischen Juni und September 2010 in einem mehrstufigen Verfahren konstruiert. Grundlage war das bei der Vorgängerstudie ''Generation Praktikum 2007'' eingesetzte Erhebungsinstrument. Die dort erhobenen Aspekte wurden erweitert und, entsprechend den veränderten Untersuchungszielen, in einer zum Teil differenzierteren Form abgefragt (z.B. Motive zur Aufnahme des Praktikums, statt als ja/nein-Frage nunmehr 5-stufig skaliert). Zudem wurden die zwischenzeitlich durchgeführten Studien (INIFES 2008, HIS 2007, IHF 2007, INCHER 2009) gesichtet und etwaige für die Studienziele der aktuellen Befragung relevanten Befragungsaspekte in den zu entwickelnden Fragebogen aufgenommen. Der Fragebogen umfasste folgende Themenfelder: Angaben zum absolvierten Studium (u. a. Fächergruppe, Abschlusszeitpunkt, Anzahl vor und während des Studiums absolvierter Praktika) Übergang vom Studium in die Erwerbsarbeit (u. a. erste berufsbezogene Tätigkeit direkt im Anschluss an das Studium, Häufigkeit und Dauer möglicher zwischenzeitlicher Beschäftigungsphasen inkl. etwaiger Praktika nach Studienabschluss, Anteil als prekär empfundener Phasen) Detailbeschreibung des ersten (sowie ggf. des bislang letzten) Praktikums außerhalb des regulären Curriculums (u. a. organisatorische Rahmenbedingungen des Praktikums, Aufnahmemotive, Beschreibung anhand ausgewählter Dimensionen des DGB-Index Gute Arbeit, Erfahrungen und Kompetenzerwerb, Fragenblock nur eingeblendet, falls die Person mindestens ein Praktikum oder mindestens eine praktikumsähnliche Beschäftigungsform angegeben hat, Fragenblock zweifach dargeboten, falls Person mehrere Praktika oder praktikumsähnliche Beschäftigungsverhältnisse angegeben hat) Gegenwärtige berufliche Situation (u. a. aktuelle Beschäftigung, Bewertung der gegenwärtigen beruflichen Situation, Blick in die Zukunft) Haltung zu Praktika nach Studienabschluss (u. a. Bewertung dieser Beschäftigungsform, politischer Handlungsbedarf, Stichwörter zur Weiterentwicklung von Praktika) Demografische Angaben. Nach der Fertigstellung einer ersten Version erfolgte ein Pretest mit N13 Absolventinnen und Absolventen sowie Expertinnen und Experten, die den Fragebogen auf Stimmigkeit, Beantwortbarkeit und Passung mit den Zielen der Studie prüften. Auf Basis Insgesamt wurden Einladungen zur Befragung an die zuletzt, d.h. zum Zeitpunkt des Studienabschlusses bekannte postalische Adresse von 6.125 Absolventinnen und Absolventen der vier an der Untersuchung teilnehmenden Universitäten gesandt (1.671 Freie Universität Berlin, 904 Universität Hamburg, 1.580 Universität Rostock sowie 1.970 Universität zu Köln). Verantwortlich für die Auswahl der eingeladenen Personen war die jeweilige Partnerhochschule. Die Studienrichtungen ''Lehramt'' sowie ''Medizin'' wurden hierbei nicht berücksichtigt, da für diese beiden Studienrichtungen reguläre, systematisch an das Studium anknüpfende Übergangsphasen in den Beruf existieren, welche die orientierenden und praktische Kenntnisse vermittelnden Funktionen eines Praktikums abbilden und damit das Absolvieren eines ''echten'' Praktikums nach Studienabschluss unwahrscheinlich machen (vgl. sehr geringe Praktikumsquote in diesen Fächergruppen bei HIS, 2007). Im Anschreiben wurde auf die Ziele der Untersuchung und die daran beteiligten Organisationen aufmerksam gemacht, insbesondere wurde klar benannt, dass das Thema der Befragung ''Praktika nach Studienabschluss'' sei. Auf die Freiwilligkeit der Teilnahme wurde hingewiesen. Personen ohne eigene konkrete Erfahrung als Praktikantin oder Praktikant wurden ebenfalls ermutigt, sich an der Studie zu beteiligen. Einmalig wurde nach der Hälfte des Befragungszeitraums (Anfang Oktober bis Anfang Dezember 2010) ein Erinnerungsschreiben ausgesandt. Der Nettorücklauf (d.h. vollständig ausgefüllte Datensätze) betrug N674 und damit rund 11 Prozent der ursprünglich angeschriebenen und zur Teilnahme eingeladenen Personen. Diese Beteiligungsquote ist nicht zufriedenstellend. Aus den informellen Rückmeldungen und Anfragen etlicher zur Befragung eingeladener Personen wie auch aus den Aussagen der Partnerhochschulen ergab sich, dass in enger zeitlicher Folge mehrere Befragungen zu aus Sicht der Absolventinnen und Absolventen ähnlich gelagerten Themen erfolgten (u. a. Absolventenbefragung, Alumnibefragung, ''Generation Praktikum 2011''-Befragung). Dies mag ebenso wie die klare Ankündigung des nur für einen Teil der Personen persönlich überhaupt relevanten Themas ''Praktika nach Studienabschluss'' zur geringen Beteiligung beigetragen haben. Die Stichprobe spiegelt dennoch in etwa die im Studienabschlussjahr 2007 geltenden Relationen von Studienrichtungen, Abschlussarten und Geschlechtern wider, wobei ähnlich wie bei der vorangehenden Befragung ''Generation Praktikum 2007'' - einige Gruppen über-, andere unterrepräsentiert sind. So liegt der Anteil weiblicher Befragter in der Stichprobe leicht oberhalb der tatsächlichen Relation der Abschlüsse von weiblichen zu männlichen Studierenden. Die Studienrichtungen ''Technik und Ingenieurwissen'' sowie ''Pädagogik und Erziehungswissenschaft'' sind unterrepräsentiert, während Sozialwissenschaften und Psychologie sowie Wirtschaftswissenschaften, ferner Naturwissenschaften und Mathematik in der Stichprobe etwas überrepräsentiert sind. Diese Befragung ist hinsichtlich der Gesamthäufigkeit von Praktika nach Studienabschluss ausdrücklich nicht repräsentativ: Personen, die in der Zeit nach ihrem Studienabschluss ein Praktikum (oder eine praktikumsähnliche Beschäftigung) aufgenommen haben, sind überrepräsentiert, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen (u. a. entsprechende Unterrepräsentation anderer Übergänge in den Beruf). Die Teilnehmenden erhielten wie beschrieben in der Einladung ausdrückliche Hinweise darauf, dass es sich um eine Befragung zum Thema ''Praktika nach Studienabschluss'' handelt. Zwar wurden auch diejenigen ausdrücklich um Teilnahme gebeten, die selber kein solches Praktikum absolviert haben - allerdings ist angesichts der Themenwahl davon auszugehen, dass Personen mit entsprechender Praktikumserfahrung sich überproportional beteiligt haben. Zudem wurden nicht Absolventinnen und Absolventen aller Hochschulen deutschlandweit, sondern jene eines bestimmten Abschlussjahrgangs an vier ausgewählten Universitäten befragt und für die Thematik nicht einschlägige Studienrichtungen (insbesondere: Medizin und Lehramt) von der Befragung ausgeschlossen. Die Befragung liefert somit, was die Gesamthäufigkeit von Praktika nach Studienabschluss betrifft, keine repräsentativen Zahlen. Gemäß den Daten der HIS (HIS 2007 mit knapp 12.000 ausgewerteten Fragebögen, allerdings vergleichsweise kurzem Abstand zwischen Abschluss und Befragungszeitpunkt), die regelmäßig bundesweite Panelbefragungen mit repräsentativen Stichproben durchführt, liegt der ''wahre'' Anteil von Praktika nach Studienabschluss unter den Universitätsabsolventinnen und -absolventen in der Gesamtgruppe der hier betrachteten Studienrichtungen innerhalb des ersten Jahres nach Studienabschluss bei rund 15 Prozent, wobei die in der vorliegenden Studie ''Generation Praktikum 2011'' nicht berücksichtigten Fächergruppen (insbesondere: Medizin und Lehramt) laut HIS-Angaben eine unterdurchschnittliche Quote von Praktika nach Studienabschluss aufweisen. Angaben zu Hospitationen, Volontariaten, Referendariaten und sonstigen weiteren praktikumsähnlichen Beschäftigungsformen werden in der betreffenden HIS-Studie nicht gemacht. INIFES (2008) berichtet von rund 18 Prozent ''echten'' Praktika nach Studienabschluss bei einer Stichprobe von Befragten (sowohl Fachhochschule als auch Universität, alle Fächergruppen), deren Studienabschluss wenige Monate bis zu ca. 10 Jahre zurückliegt. Der ''wahre'' Anteil an Praktika nach Studienabschluss unter den Universitätsabsolventinnen und Absolventen dürfte somit in dem betrachteten Analysezeitraum (Studienabschluss bis 3,5 Jahre danach) in den betrachteten Fächergruppen und der betrachteten Hochschulform (Universitäten, keine Fachhochschulen) bei knapp 20 Prozent liegen ...

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