Ausbildungsreport 2017

Die Ergebnisse des Ausbildungsreports zeigen, mit welchen Problemen

Auszubildende zu kämpfen haben und wie verbreitet diese sind...

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Lage auf dem Ausbildungsmarkt Schwerpunkt: Berufsschule Ergebnisse zur Ausbildungsqualität Fachliche Qualität der Ausbildung im Betrieb Einhalten des Ausbildungsplans Verrichtung von ausbildungsfremden Tätigkeiten Ausbildungsnachweis Fachliche Anleitung und Betreuung durch Ausbilder_innen Fachliche Qualität der Ausbildung im Betrieb Ausbildungszeiten und Überstunden Regelmäßigkeit von Überstunden Freizeitausgleich oder Bezahlung von Überstunden Wöchentliche Arbeitszeit Anrechnung des Berufsschulunterrichts auf die Arbeitszeit Blickpunkt Jugendarbeitsschutzgesetz Ausbildungsvergütung Persönliche Beurteilungen der Ausbildung Zufriedenheit mit der Ausbildung Zufriedenheit durch Interessenvertretung Zufriedenheit durch Übernahme Unzufriedenheit durch psychische und körperliche Belastungen Berufswahl und Zufriedenheit Ausbildungsabbruch - der letzte Ausweg Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bewertung der Ausbildung Fazit und Forderungen: Ausbildung besser machen! Im Jahr der Bundestagswahl diskutieren Parteien die politischen Themen der nächsten vier Jahre. Auch die DGB-Jugend hat ihre Kernforderungen an die nächste Bundesregierung formuliert. Bildung ist das Thema. Zu Recht erwarten junge Menschen, dass die Politik das Thema ernst nimmt und die notwendigen Rahmenbedingungen für gute Bildung schafft. Denn sie schafft die Voraussetzung für den Einstieg ins Berufsleben und für gesellschaftliche Teilhabe. Darum steht Bildung ganz oben auf der Agenda der Gewerkschaftsjugend. Dabei geht es vor allem um Bildungsgerechtigkeit. Sie bildet die Grundlage für eine offene, faire und demokratische Gesellschaft. Junge Menschen müssen unabhängig von ihrer Herkunft und ihren sozialen und familiären Voraussetzungen einen gerechten Zugang zu Bildungs- und Ausbildungsangeboten haben. Der Ausbildungsmarkt sieht jedoch ganz anders aus: Mehr als 1,2 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Auch im Jahr 2016 scheiterte das System an der Aufgabe, 300.000 jungen Menschen den weichenstellenden Schritt zwischen Schule und Ausbildung zu ermöglichen. Im Übergangsbereich blieben sie häufig ohne eine realistische Chance auf einen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig blieben 2016 über 43.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Das sogenannte Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt spitzt sich immer weiter zu. Wenn auch regional sehr unterschiedlich, zeigt der bundesweite Blick die Schwachstellen des Bildungssystems: Der Übergangsbereich ist durch junge Geflüchtete angewachsen, für die ein Sprach- oder Integrationskurs den ersten Schritt in die Ausbildung darstellt. Aber auch rund 45 Prozent der Jugendlichen mit einem Hauptschulabschluss gelang 2015 der wichtige Schritt in eine Ausbildung nicht nahtlos. Es fehlen immer noch zehntausende Ausbildungsplätze. maßgeblich zum Ausbildungserfolg der jungen Menschen beitragen. Es ist an der Zeit, diesen Beitrag wertzuschätzen - dazu müssen die Länder das Personal aufstocken. Bundesweit einheitliche Qualitätsstandards sind notwendig und bilden den Rahmen für gute Berufsschulen. Ausbildung modern aufstellen Gute Qualität sichert das System der dualen Ausbildung für die Zukunft. Eine moderne berufliche Bildung muss die Interessen und Erwartungen der jungen Beschäftigten und Auszubildenden ernst nehmen und stärker als bisher berücksichtigen. Ob bei den Themen Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten oder Betreuung durch die Ausbildenden: Der Ausbildungsreport gibt jungen Menschen eine Stimme und beleuchtet die Schwachstellen im dualen Ausbildungssystem. Als Gewerkschaftsjugend gestalten wir mit, wie sich das Ausbildungssystem entwickelt. Wir haben klare Vorstellungen von guter Ausbildung. Damit das Ausbildungssystem weiter ein modernes Erfolgsmodell bleibt, braucht es jetzt klare Weichenstellungen durch den Gesetzgeber. Im Jahr der Bundestagswahl gilt es die Chancen zu nutzen für: a ein modernisiertes Berufsbildungsgesetz, um Ausbildung besser zu machen a eine Ausbildungsgarantie und eine faire Umlagefinanzierung, um eine ''Ausbildung für alle'' zu ermöglichen a sichere Perspektiven: durch die Übernahme nach der Ausbildung und eine Ankündigungsfrist bei Nichtübernahme a einheitliche Qualitätsstandards und mehr Investitionen in die Berufsschulen, um diesen Lernort zu stärken. Für mehr Qualität: Berufsschulen sind der Schwerpunkt 2017 Dass in vielen Bereichen der beruflichen Bildung ein Investitionsund Reformstau herrscht, zeigt der 12. Ausbildungsreport 2017 in seinem Schwerpunktthema ''Qualität der Berufsschule''. Seit 2012, als sie das letzte Mal intensiv untersucht wurde, hat sich bei der Qualität kaum etwas getan. Dabei kommt auf den zweiten Lernort Berufsschule in den nächsten Jahren einiges zu: Digitalisierung, Arbeit 4.0 und die interkulturelle und soziale Kompetenzentwicklung für eine moderne Beruflichkeit erfordern massive Investitionen in die Berufsschulen. Um das Ziel der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung zu erreichen, müssen Berufsschulen stärker in den bildungspolitischen Fokus genommen werden. Allein der Blick auf die Ausstattung der Berufsschulen reicht nicht aus. Voraussetzung für ein gutes Abschneiden in der Gesamtbewertung sind durchgängig gute Bewertungen in allen vier Kriterien, die im Rahmen des Ausbildungsreports berücksichtigt werden, d.h. sowohl bei der Bewertung der ''Arbeitszeiten und Überstunden'', der ''Ausbildungsvergütung'' als auch bei der Einschätzung der ''fachlichen Qualität der Ausbildung im Betrieb'' und der ''persönlichen Beurteilung der Ausbildung'' haben die in der Abbildung oben aufgeführten Berufe jeweils überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Branche Die Bewertung der Ausbildungsqualität ist stark abhängig vom jeweiligen Ausbildungsberuf bzw. der Branche. Wie der Ausbildungsreport 2017 erneut zeigt, gibt es zwischen diesen erhebliche Unterschiede. Wie bereits im letzten Jahr bewerten die Auszubildenden zum bzw. zur Mechatroniker_in ihre Ausbildung am besten. Die Industriekaufleute konnten sich vom sechsten auf den zweiten Platz verbessern und sind auch dieses Jahr somit wieder in der Spitzengruppe vertreten. Auf den Rängen drei bis fünf folgen die angehenden Industriemechaniker_innen, Elektroniker_innen für Betriebstechnik und Zerspanungsmechaniker_innen. Ausbildungszufriedenheit Der Großteil der Auszubildenden (71,9 Prozent) ist mit seiner Ausbildung ''zufrieden'' oder sogar ''sehr zufrieden''. Das ist erfreulich, kann aber nicht über die bestehenden Probleme der anderen Auszubildenden hinwegsehen lassen, zumal die Ausbildungszufriedenheit, die 2014 auf den bislang niedrigsten im Rahmen des Ausbildungsreports ermittelten Wert gefallen ist, nicht mehr spürbar angestiegen ist. Der Ausbildungsreport 2017 zeigt erneut deutlich auf, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Ausbildungszufriedenheit und den relevanten erfragten Kriterien zur Bestimmung der Ausbildungsqualität gibt. (E Kapitel 3.4.1). Ausbildungsfremde Tätigkeiten Mit 11,5 Prozent hat sich der Anteil der Auszubildenden, die angaben, im Betrieb ''immer'' oder ''häufig'' ausbildungsfremde Tätigkeiten ableisten zu müssen, im Vergleich zum Vorjahr wieder leicht erhöht ( und 0,9 Prozentpunkte). Er liegt damit in etwa auf dem Niveau des Jahres 2014. Die längerfristige Beobachtung ergibt, dass sich an diesem Problem in den zurückliegenden Jahren nicht viel verändert hat. (E Kapitel 3.1.2) Regelmäßige Überstunden gehören für viele Auszubildende noch immer zum Ausbildungsalltag. Der Anteil der Befragten, die angaben, regelmäßig Überstunden zu leisten, ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozentpunkte auf 36,2 Prozent gestiegen. Das Schwerpunktthema des Ausbildungsreports 2016, ''Psychische Belastung in der Ausbildung'', hat gezeigt, dass diese für Auszubildende keine Ausnahme ist. Aus unterschiedlichen Gründen können zum Teil immense psychische wie körperliche Belastungen entstehen: Die Lage der Arbeitszeit bzw. Schichtzeiten, schlechte Pausensituationen, Belastungen durch ständige Erreichbarkeit als auch die Probleme bei der Freistellung vom Betrieb für die Berufsschule sind hier Einflussfaktoren ...

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